Kein Flug mit ver­län­ger­tem Kin­der­rei­se­pass

Wird die Beför­de­rung auf einem Flug nach Süd­afri­ka ver­wei­gert, weil die Rei­se­päs­se der Kin­der nach Ablauf der Gül­tig­keit ledig­lich ver­län­gert wur­den, besteht kein Anspruch auf Aus­gleichs­zah­lung gegen die Flug­li­nie.

Kein Flug mit ver­län­ger­tem Kin­der­rei­se­pass

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge auf Aus­gleichs­an­sprü­che nach der euro­päi­schen Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung abge­wie­sen. Eine Fami­lie mit zwei min­der­jäh­ri­gen Kin­dern ist der Flug von Frank­furt nach Johan­nes­burg ver­wei­gert wor­den. Die Flug­ge­sell­schaft teil­te der Fami­lie am Flug­ha­fen Frank­furt mit, dass eine Beför­de­rung der Kin­der nicht mög­lich sei, weil sich in den Kin­der­rei­se­päs­sen Ver­län­ge­rungs­ver­mer­ke befan­den. Für Min­der­jäh­ri­ge gel­ten in Süd­afri­ka stren­ge Ein­rei­se­an­for­de­run­gen, so muss z.B. stets eine Ori­gi­nal­ge­burts­ur­kun­de vor­ge­legt wer­den. Nach Anga­ben des Aus­wär­ti­gen Amtes ist zudem ein Kin­der­rei­se­pass zur Ein­rei­se nur aus­rei­chend, sofern er nicht ver­län­gert oder aktua­li­siert ist. Die Klä­ger muss­ten sich zunächst neue Kin­der­rei­se­päs­se besor­gen und konn­ten den Hin­flug – gegen einen Auf­preis – erst am nächs­ten Tag antre­ten. Die Klä­ger mach­ten im Pro­zess unter ande­rem jeweils Aus­gleichs­an­sprü­che i.H.v. 600,00 Euro nach der euro­päi­schen Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung gel­tend.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Frank­furt am Main aus­ge­führt, dass die Beför­de­rung nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung schon dann ver­wei­gert wer­den dür­fe, wenn „ver­tret­ba­re Grün­de“ hier­für gege­ben sei­en. Hier­zu zäh­le ins­be­son­de­re unzu­rei­chen­de Rei­se­un­ter­la­gen (Art. 2 Buchst. b VO (EG) Nr. 261/​2004 – Flug­gast­rech­te­VO). Die Ent­schei­dung der Flug­ge­sell­schaft sei ver­tret­bar gewe­sen, weil sich die Anfor­de­run­gen bezüg­lich der Kin­der­rei­se­päs­se aus Mit­tei­lun­gen des Aus­wär­ti­gen Amtes und der süd­afri­ka­ni­schen Behör­den ergä­ben. Es kom­me nicht dar­auf an, ob die süd­afri­ka­ni­schen Behör­den in jedem Fall bei der Ein­rei­se auf deren Ein­hal­tung bestün­den oder inso­weit ein Ermes­sen hät­ten. Eine Ein­rei­se­ge­stat­tung sei nicht mit Sicher­heit zu erwar­ten gewe­sen. Die Flug­ge­sell­schaft wäre, wenn es die Klä­ger mit­ge­nom­men hät­te, das Risi­ko ein­ge­gan­gen, ein Buß­geld zah­len und die Rück­rei­se­kos­ten über­neh­men zu müs­sen. Das sei nicht zumut­bar. Die Flug­ge­sell­schaft sei – anders als ein Pau­schal­rei­se­ver­an­stal­ter – auch nicht ver­pflich­tet gewe­sen, die Klä­ger vor Antritt der Rei­se auf die Ein­rei­se­be­stim­mun­gen hin­zu­wei­sen.

Amts­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2019 – 32 C 1268/​19 (88)