Kein Scha­dens­er­satz wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er

Einem Klä­ger steht unter dem Gesichts­punkt der Amts­haf­tung kein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er eines Zivil­pro­zes­ses gegen das betrof­fe­ne Bun­des­land zu ‑auch dann nicht, wenn nach 18 Jah­re Pro­zess­dau­er vom Beklag­ten nichts mehr zu erlan­gen ist, weil der zwi­schen­zeit­lich in Insol­venz gefal­len ist.

Kein Scha­dens­er­satz wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er

Der Klä­ger, ein Trans­port­un­ter­neh­mer, hat­te 1984 eine Bau­fir­ma auf Zah­lung rest­li­chen Werk­lohns ver­klagt. Die­ses Ver­fah­ren zog sich über Jah­re hin. Wäh­rend des lau­fen­den Beru­fungs­ver­fah­rens geriet die Bau­fir­ma in Insol­venz. Der Klä­ger konn­te sei­ne For­de­rung in der Fol­ge­zeit nur noch zum Teil rea­li­sie­ren. Sei­nen Aus­fall­scha­den hat der Klä­ger vom beklag­ten Land mit der Behaup­tung ersetzt ver­langt, das Ver­fah­ren sei von den betei­lig­ten Gerich­ten pflicht­wid­rig nicht aus­rei­chend geför­dert wor­den.

Die­ses Begeh­ren blieb wie erst­in­stanz­lich bereits 2005 vor dem Land­ge­richt Dort­mund 1 jetzt auch vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm ohne Erfolg. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat­te zunächst teil­wei­se zuguns­ten des Klä­gers ent­schie­den und einen Amts­haf­tungs­an­spruch des Klä­gers bejaht 2, war inso­weit jedoch vom Bun­des­ge­richts­hof wie­der auf­ge­ho­ben wor­den 3.

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat nun nach den ver­bind­li­chen Maß­stä­ben des Bun­des­ge­richts­hofs, wann eine Haf­tung wegen ver­zö­ger­li­cher Sach­be­ar­bei­tung in Betracht kommt, ins­ge­samt 20 Mona­te amts­pflicht­wid­ri­ge zöger­li­che rich­ter­li­che Bear­bei­tung im Vor­pro­zess fest­ge­stellt. Die­se Ver­zö­ge­rung habe aber, so das Ober­lan­des­ge­richt Hamm nicht zu dem vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Scha­den geführt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts sei aus­zu­schlie­ßen, dass der Klä­ger bei einem – ohne die Ver­zö­ge­rung – im August 2001 ergan­ge­nem Beru­fungs­ur­teil bis zu der im Novem­ber 2001 bean­trag­ten und im Febru­ar 2002 erfolg­ten Insol­venz­eröff­nung der Bau­fir­ma noch Zah­lung hät­te erlan­gen kön­nen.

Judex non cal­cu­lat. Aber schön­rech­nen – das kön­nen auch Juris­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 17. Juni 2011 – I‑11 U 27/​06

  1. LG Dort­mund, Urteil vom 16. Dezem­ber 2005 – 8 O 35/​05[]
  2. OLG Hamm, Urteil vom 15.01.2010 – 11 U 27/​06[]
  3. BGH, Urtiel vom 04.11.2010 – III ZR 32/​10[]