Kein Schmer­zens­geld für berg­bau­be­ding­ten Erd­er­schüt­te­run­gen

Dem Bewoh­ner eines Grund­stücks, der auf berg­bau­be­ding­te Erd­er­schüt­te­run­gen zurück­zu­füh­ren­de Gesund­heits­schä­den erlit­ten hat, steht nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs des­we­gen kein Schmer­zens­geld­an­spruch zu.

Kein Schmer­zens­geld für berg­bau­be­ding­ten Erd­er­schüt­te­run­gen

Die Klä­ge­rin des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streits bewohnt zusam­men mit ihrem Ehe­mann und schul­pflich­ti­gen Kin­dern ein Eigen­heim in saar­län­di­schen Schmelz-Hüt­ters­dorf. Infol­ge des für Rech­nung und im Auf­trag der Beklag­ten in der Gegend betrie­be­nen Berg­baus kam es in den Jah­ren 2005 und 2006 zu Erd­er­schüt­te­run­gen mit Schwin­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten von bis zu 71 mm/​sek. Mit der Behaup­tung, auf­grund der Erd­er­schüt­te­run­gen lei­de sie seit März 2005 an erheb­li­chen psy­chi­schen Pro­ble­men in Form einer Pho­bie sowie an psy­cho­so­ma­ti­schen Beschwer­den wie Schlaf­lo­sig­keit und stän­di­gen Angst­zu­stän­den in Erwar­tung wei­te­rer Beben, ver­langt die Klä­ge­rin jetzt noch ein Schmer­zens­geld von min­des­tens 4.000 €.

Die Kla­ge blieb sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Amts­ge­richt Lebach 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Land­ge­richt Saar­brü­cken 2 ohne Erfolg. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin gegen das kla­ge­ab­wei­sen­de Beru­fungs­ur­teil des Land­ge­richts Saar­brü­cken wur­de nun vom Bun­des­ge­richts­hof eben­falls zurück­ge­wie­sen:

Ein berg­recht­li­cher Anspruch besteht nicht, weil die gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen kein Berg­scha­den im Sin­ne von § 114 BBergG sind.

Der ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge nach­bar­recht­li­che Aus­gleichs­an­spruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB, der nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3 bei berg­bau­be­ding­ten Erd­er­schüt­te­run­gen im Ver­hält­nis zwi­schen dem beein­träch­tig­ten Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und dem Berg­bau­be­rech­tig­ten zur Anwen­dung kom­men kann, gewährt kein Schmer­zens­geld. Die­ses kann nach § 253 Abs. 2 BGB nur auf­grund eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs ver­langt wer­den. Der Aus­gleichs­an­spruch ist jedoch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch, son­dern ein aus dem Grund­stücks­ei­gen­tum abge­lei­te­ter Ent­schä­di­gungs­an­spruch, mit dem Wert­min­de­run­gen und Nut­zungs­ein­schrän­kun­gen eines Grund­stücks aus­ge­gli­chen wer­den sol­len.

Ein ver­schul­dens­ab­hän­gi­ger delikts­recht­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch (§ 823 Abs. 1 BGB) besteht eben­falls nicht, weil die Klä­ge­rin kein rechts­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Han­deln der Beklag­ten unter Beweis gestellt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juli 2010 – V ZR 142/​09

  1. AG Lebach, Urteil vom 13.11.2007 – 3A C 175/​06[]
  2. LG Saar­brü­cken, Urteil vom 03.07.2009 – 13 S 19/​09[]
  3. BGH, Urteil vom 19.12.2008 – V ZR 28/​08, BGHZ 178, 90[]