Kei­ne Bar­zah­lung bit­te!

Die Wei­ge­rung, Mit­glieds­bei­trä­ge für ein Fit­ness­stu­dio in bar ent­ge­gen­zu­neh­men, obwohl im Ver­trag Bar­zah­lung nicht aus­ge­schlos­sen wur­de, berech­tigt den Kun­den des Fit­ness­stu­di­os nach Ansicht des Amts­ge­richts Mün­chen zur frist­lo­sen Kün­di­gung, zumin­dest dann, wenn dem Fit­ness­stu­dio bei Ver­trags­schluss bekannt war, dass der Kun­de über kein Bank­kon­to ver­fügt, und er spä­ter von sei­nem Kun­den bei Bar­zah­lung eine Vor­aus­zah­lung für meh­re­re Mona­te ver­langt.

Kei­ne Bar­zah­lung bit­te!

In dem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Rechts­streit schloss die spä­te­re Beklag­te im April 2007 mit einem Fit­ness­stu­dio einen Mit­glieds­ver­trag. Die Lauf­zeit soll­te 24 Mona­te betra­gen. Als monat­li­cher Mit­glieds­bei­trag waren 59,99 € ver­ein­bart, dazu kamen 4,99 € für Geträn­ke. Außer­dem soll­te die Kun­din noch eine halb­jähr­li­che Betreu­ungs­pau­scha­le in Höhe von 29,99 € bezah­len. Zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses hat­te die Kun­din kei­ne Bank­ver­bin­dung, was dem Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os auch bekannt war. Weder im Ver­trag noch in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen befan­den sich Rege­lun­gen, die eine Bar­zah­lung aus­schlie­ßen.

Die Monats­bei­trä­ge bis ein­schließ­lich Mai 2007 bezahl­te die Kun­din in bar. Kurz danach sand­te der Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os ihr ein Schrei­ben, in dem er sie auf­for­der­te, eine Bank­ver­bin­dung bekannt­zu­ge­ben oder 3 Monats­bei­trä­ge im Vor­aus zu bezah­len. Bei einem Trai­ning Ende Mai sprach eine Mit­ar­bei­te­rin des Fit­ness­stu­di­os die Kun­din noch ein­mal an und for­der­te mit einem gewis­sen Nach­druck erneut eine Bank­ver­bin­dung oder die Vor­aus­zah­lung der Bei­trä­ge für drei Mona­te. Die Kun­din ver­ließ dar­auf hin das Stu­dio. Sie sah damit den Ver­trag als been­det an.

Der Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os jedoch woll­te noch alle Bei­trä­ge bis zum Ende der Lauf­zeit, ins­ge­samt noch 1584 €. Nach­dem die Kun­din nicht bezahl­te, wand­te er sich an das Amts­ge­richt Mün­chen. Dort wur­de sei­ne Kla­ge jedoch abge­wie­sen:

Die Kun­din habe, so das Amts­ge­richt Mün­chen, den Ver­trag frist­los kün­di­gen kön­nen, da ihr die monat­li­che Bar­zah­lung der Bei­trä­ge ver­wei­gert wor­den war. Dies stel­le eine wesent­li­che Ände­rung des Ver­tra­ges dar. Die beklag­te Kun­din habe bei Ver­trags­schluss und in spä­te­ren Gesprä­chen unstrei­tig offen gelegt, dass sie sich zwar um eine Bank­ver­bin­dung bemü­he, der­zeit aber kein Kon­to habe. Damit sei für den Klä­ger erkenn­bar ein wesent­li­cher Bestand­teil des Ver­tra­ges die Mög­lich­keit der Bar­zah­lung der Bei­trä­ge gewe­sen. Im Ver­trag oder in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sei auch kei­ne Ver­pflich­tung zur bar­geld­lo­sen Zah­lung ver­ein­bart wor­den, schon über­haupt nicht fin­de sich die Ver­pflich­tung drei Monats­bei­trä­ge im Vor­aus zu bezah­len. Die­se Ver­trags­be­din­gun­gen sei­en auch nicht geän­dert wor­den. Zwar habe die Mit­ar­bei­te­rin des Fit­ness­stu­di­os die Beklag­te ange­spro­chen und eine Bank­ver­bin­dung oder eine drei­mo­na­ti­ge Vor­aus­zah­lung gewünscht. Die beklag­te Kun­din habe sich dar­auf aber nicht ein­ge­las­sen.

Die unbe­rech­tig­te Vor­aus­zah­lungs­for­de­rung berech­ti­ge, so das Amts­ge­richt Mün­chen wei­ter, die Beklag­te zur frist­lo­sen Kün­di­gung. Der Klä­ger habe an sei­nem Ver­trag nicht mehr fest­hal­ten wol­len, des­halb kön­ne sich auch die Beklag­te davon lösen. Durch das Ver­las­sen des Stu­di­os und die unstrei­tig nicht mehr erfolg­te Inan­spruch­nah­me der Stu­dioleis­tun­gen habe sie das Kün­di­gungs­recht still­schwei­gend aus­ge­übt. Eine Schrift­form für die frist­lo­se Kün­di­gung sei nicht ver­ein­bart gewe­sen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 4. Juni 2009 -271 C 1391/​09 (rechts­kräf­tig)