Kei­ne Ergän­zung der Beschwer­de­be­grün­dung wegen zwi­schen­zeit­li­cher EuGH-Ent­schei­dung

Der Bun­des­ge­richts­hof sieht kei­nen Anlass, im Ver­hält­nis der Par­tei­en zuein­an­der sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung im Sin­ne einer nach­ge­scho­be­nen Beschwer­de­be­grün­dung wegen eines zwi­schen­zeit­lich ergan­ge­nen Urteils des EuGH zu ändern [1].

Kei­ne Ergän­zung der Beschwer­de­be­grün­dung wegen zwi­schen­zeit­li­cher EuGH-Ent­schei­dung

In der hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de hat­te die Klä­ge­rin nach Ablauf der Frist des § 544 Abs. 4 ZPO Wie­der­ein­set­zung für ihr Vor­brin­gen begehrt, die Sache habe auf­grund des Aus­gangs des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens auf den Vor­la­ge­be­schluss des Land­ge­richts Saar­brü­cken vom 17.01.2019 [2] Grund­satz­be­deu­tung, weil der Bun­des­ge­richts­hof aus­zu­spre­chen habe, dass die beklag­te Spar­kas­se sie nicht klar und ver­ständ­lich über ihr Wider­rufs­recht infor­miert habe.

Der Klä­ge­rin war nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs Wie­der­ein­set­zung in die Beschwer­de­be­grün­dungs­frist für die­sen nach­ge­scho­be­nen Zulas­sungs­grund nicht zu gewäh­ren. Die Klä­ge­rin hät­te eine angeb­lich grund­sätz­lich klä­rungs­be­dürf­ti­ge Dis­kre­panz zwi­schen Uni­ons­recht und natio­na­ler Ver­wei­sungs­tech­nik inner­halb der (ver­län­ger­ten) Beschwer­de­be­grün­dungs­frist vor­tra­gen kön­nen [3]. Sie hat daher die Beschwer­de­be­grün­dungs­frist zur Gel­tend­ma­chung die­ses Zulas­sungs­grun­des unab­hän­gig davon nicht unver­schul­det ver­säumt, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Wie­der­ein­set­zung in die Frist des § 544 Abs. 4 ZPO über­haupt gewährt wer­den könn­te, um Zulas­sungs­grün­de nach­zu­schie­ben. Die Beschwer­de ist, soweit die Klä­ge­rin den Zulas­sungs­grund nach Ablauf der Beschwer­de­be­grün­dungs­frist gel­tend macht, des­halb schon unzu­läs­sig [4]. Davon abge­se­hen hat der Bun­des­ge­richts­hof nach Erlass des Urteils des Gerichts­hofs vom 26.03.2020 kei­nen Anlass, im Ver­hält­nis der Par­tei­en zuein­an­der sei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung im Sin­ne der nach­ge­scho­be­nen Beschwer­de­be­grün­dung zu ändern [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2020 – XI ZR 81/​19

  1. vgl. ein­ge­hend BGH, Beschlüs­se vom 31.03.2020 – XI ZR 581/​18, ZIP 2020, 868 f. und – XI ZR 198/​19, WM 2020, 838 ff.[][]
  2. LG Saar­brü­cken, Beschluss vom 17.01.2019 1 O 164/​18, WM 2019, 1444 ff.; dazu EuGH, Urteil vom 26.03.2020 C66/​19, „Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is“, WM 2020, 688 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 02.04.2019 – XI ZR 488/​17 13 ff.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 17.09.2013 – XI ZR 124/​11[]