Kei­ne Extra­kos­ten für die aus­ge­druck­te Rech­nung

Die Klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eines Mobil­funk­an­bie­ters, nach der für die Zusen­dung einer Rech­nung in Papier­form (zusätz­lich zur Bereit­stel­lung in einem Inter­net­kun­den­por­tal) ein geson­der­tes Ent­gelt (hier: von 1, 50 €) anfällt, ist jeden­falls dann unwirk­sam, wenn der Anbie­ter sein Pro­dukt nicht allein über das Inter­net ver­treibt.

Kei­ne Extra­kos­ten für die aus­ge­druck­te Rech­nung

Zwar sind nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB sol­che Bestim­mun­gen von der Inhalts­kon­trol­le aus­ge­nom­men, die Art und Umfang der ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflicht und die hier­für zu zah­len­de Ver­gü­tung unmit­tel­bar regeln (Leis­tungs­be­schrei­bun­gen und Preis­ver­ein­ba­run­gen); nach dem im Bür­ger­li­chen Recht gel­ten­den Grund­satz der Pri­vat­au­to­no­mie ist es den Ver­trags­par­tei­en im All­ge­mei­nen frei­ge­stellt, Leis­tung und Gegen­leis­tung zu bestim­men, und man­gels gesetz­li­cher Vor­ga­ben fehlt es inso­weit regel­mä­ßig auch an einem Kon­troll­maß­stab [1]. Dem­ge­gen­über unter­lie­gen gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Inhalts­kon­trol­le nach §§ 307 bis 309 BGB sol­che (Preisneben)Abreden, die sich zwar mit­tel­bar auf Preis und Leis­tung aus­wir­ken, die­se aber nicht aus­schließ­lich fest­le­gen, und bestehen­de Rechts­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re Rege­lun­gen des dis­po­si­ti­ven Geset­zes­rechts, ergän­zen oder von die­sen abwei­chen.

Bei der bean­stan­de­ten Klau­sel han­delt es sich um eine Preis­ne­ben­ab­re­de. Sie regelt nicht die für die Mobil­funk­leis­tun­gen zu zah­len­den Prei­se selbst. Viel­mehr ist ihr Gegen­stand das Ent­gelt für ein von der Mobil­funk­an­bie­te­rin ange­bo­te­nes Neben­pro­dukt, das nach dem Kon­zept des Ver­trags, nach dem die Rech­nun­gen grund­sätz­lich nur elek­tro­nisch abruf­bar erteilt wer­den, ledig­lich als Aus­nah­me anfällt.

Die in dem Preis­ver­zeich­nis ent­hal­te­ne Rege­lung über ein geson­der­tes Ent­gelt für die Über­sen­dung einer Rech­nung in Papier­form von 1, 50 € weicht von den gesetz­li­chen Regeln ab und ist mit deren Grund­ge­dan­ken unver­ein­bar (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Zu den wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken des dis­po­si­ti­ven Rechts gehört, dass jeder Rechts­un­ter­wor­fe­ne sei­ne Ver­pflich­tun­gen zu erfül­len hat, ohne dafür ein geson­der­tes Ent­gelt ver­lan­gen zu kön­nen. Ein Anspruch auf Ersatz anfal­len­der Kos­ten besteht nur dann, wenn dies im Gesetz vor­ge­se­hen ist. Ist das nicht der Fall, kön­nen ent­stan­de­ne Kos­ten nicht auf Drit­te abge­wälzt wer­den, indem Pflich­ten in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zu indi­vi­du­el­len Dienst­leis­tun­gen gegen­über Ver­trags­part­nern erklärt wer­den. Jede Ent­geltre­ge­lung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die sich nicht auf eine auf rechts­ge­schäft­li­cher Grund­la­ge für den ein­zel­nen Kun­den erbrach­te (Haupt- oder Neben-)Leistung stützt, son­dern Auf­wen­dun­gen für die Erfül­lung eige­ner Pflich­ten oder für Zwe­cke des Ver­wen­ders abzu­wäl­zen ver­sucht, stellt nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine Abwei­chung von Rechts­vor­schrif­ten dar und ver­stößt des­halb gegen § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB [2]. Dar­über hin­aus indi­ziert die Unver­ein­bar­keit einer Klau­sel mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung eine gegen Treu und Glau­ben ver­sto­ßen­de unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB [3].

So liegt der Sach­ver­halt hier. Die Mobil­funk­an­bie­te­rin wen­det sich mit ihrem Ange­bot, wie in der münd­li­chen Ver­hand­lung des Bun­des­ge­richts­hofs noch ein­mal ver­deut­licht wur­de, nicht aus­schließ­lich an Kun­den, die mit ihr die Ver­trä­ge auf elek­tro­ni­schem Weg über das Inter­net abschlie­ßen. Nur wenn dies der Fall wäre, könn­te die Mobil­funk­an­bie­te­rin davon aus­ge­hen, die gegen­über allen ihren Ver­trags­part­nern bestehen­de Pflicht zur Rech­nungs­er­tei­lung voll­stän­dig und umfas­send durch Bereit­stel­lung der Rech­nung in ihrem Inter­net­kun­den­por­tal zu erfül­len [4]. Da die Mobil­funk­an­bie­te­rin aber nicht allein die­sen Kun­den­kreis bedient, kann sie ihrem Geschäfts­be­trieb nicht die Erwar­tung zugrun­de legen, dass ihre Ver­trags­part­ner prak­tisch aus­nahms­los über einen Inter­net­zu­gang ver­fü­gen und in der Lage sind, die ihnen erteil­ten Rech­nun­gen elek­tro­nisch auf­zu­ru­fen. Auch unter Berück­sich­ti­gung des­sen, dass die all­ge­mei­ne Ver­brei­tung der Inter­net­nut­zung seit der BGH-Ent­schei­dung vom 16.07.2009 [5] wei­ter zuge­nom­men haben mag, kann noch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Abwick­lung des pri­va­ten Rechts­ver­kehrs über die­ses Medi­um bereits zum all­ge­mei­nen Stan­dard erstarkt ist. Ange­sichts des­sen ist (auch) die Ertei­lung einer Rech­nung in Papier­form wei­ter­hin eine Ver­trags­pflicht der Mobil­funk­an­bie­te­rin, für die sie kein geson­der­tes Ent­gelt ver­lan­gen darf.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Okto­ber 2014 – III ZR 32/​14

  1. st. Recht­spre­chung, sie­he z.B. BGH, Urteil vom 13.01.2011 – III ZR 78/​10, WM 2011, 1241 Rn. 15 m.umfangr.w.N.[]
  2. z.B. BGH, Urteil vom 18.04.2002 – III ZR 199/​01, NJW 2002, 2386, 2387; BGH, Urteil vom 13.02.2001 – XI ZR 197/​00, BGHZ 146, 377, 380 f jew. mwN[]
  3. BGH aaO; BGH aaO S. 384 jew. mwN[]
  4. zu Beden­ken dage­gen, Rech­nun­gen ledig­lich zum Abruf über ein Inter­net­por­tal bereit zu hal­ten, sie­he BGH, Urteil vom 16.07.2009 – III ZR 299/​08, NJW 2009, 3227 Rn. 14 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 156.07.2009, aaO Rn. 21[]