Kei­ne Kon­so­li­da­ti­on bei der Grund­schuld

Steht eine For­de­rung meh­re­ren Gläu­bi­gern zu und ver­ei­ni­gen sich For­de­rung und Schuld in der Per­son eines der Gesamt­gläu­bi­ger, so erlö­schen gemäß § 429 Abs. 2 BGB die Rech­te der übri­gen Gläu­bi­ger gegen den Schuld­ner. Die­se Kon­so­li­da­ti­on nach § 429 Abs. 2 BGB fin­det jedoch kei­ne Anwen­dung, wenn einer von meh­re­ren Gesamt­gläu­bi­gern einer Grund­schuld Eigen­tü­mer des belas­te­ten Grund­stücks wird.

Kei­ne Kon­so­li­da­ti­on bei der Grund­schuld

Zwar gilt das Rechts­in­sti­tut der Gesamt­gläu­bi­ger­schaft auch im Sachen­recht 1. Dem­entspre­chend ist eine Gesamt­gläu­bi­ger­be­rech­ti­gung bei der Grund­schuld recht­lich mög­lich 2. Aber das hat nicht zur Fol­ge, dass die Vor­schrift des § 429 Abs. 2 BGB anwend­bar ist, nach wel­cher bei der Ver­ei­ni­gung von For­de­rung und Schuld in der Per­son eines Gesamt­gläu­bi­gers die Rech­te der übri­gen Gläu­bi­ger gegen den Schuld­ner erlö­schen.

Wäh­rend im Schuld­recht der unum­stöß­li­che Grund­satz gilt, dass nie­mand gegen sich selbst eine For­de­rung haben kann, gilt dies nach § 889 BGB im Immo­bi­li­ar­sa­chen­recht nicht. Es erlaubt des­halb sowohl die ori­gi­nä­re Bestel­lung als auch den nach­träg­li­chen Erwerb einer Grund­schuld an dem eige­nen Grund­stück (Eigen­tü­mer­grund­schuld, §§ 1177 Abs. 1, 1196 Abs. 1 BGB)). Die Iden­ti­tät von Grund­schuld­gläu­bi­ger und Grund­stücks­ei­gen­tü­mer berührt nicht den Bestand und den Inhalt der Grund­schuld. Es tritt kei­ne Kon­so­li­da­ti­on mit rechts­er­lö­schen­der Wir­kung ein. Für die Gesamt­gläu­bi­ger­schaft an einer Grund­schuld bedeu­tet dies, dass dann, wenn einer der Gesamt­gläu­bi­ger Eigen­tü­mer des belas­te­ten Grund­stücks wird, die Grund­schuld für ihn als Eigen­tü­mer­grund­schuld und für die ande­ren Gesamt­gläu­bi­ger als Fremd­grund­schuld bestehen bleibt 3. Denn es han­delt sich nicht um eine ein­zi­ge, meh­re­ren Per­so­nen zuste­hen­de Grund­schuld, son­dern um eine Mehr­heit von Rech­ten, die aller­dings nicht unab­hän­gig von­ein­an­der bestehen, son­dern nach § 428 BGB in der Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den sind, dass jeder Gläu­bi­ger ein eige­nes Befrie­di­gungs­recht hat, die Befrie­di­gung eines ein­zi­gen jedoch gegen alle wirkt 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. April 2010 – V ZR 182/​09

  1. sie­he nur BGHZ 46, 253, 255[]
  2. BGH, Urteil vom 20.12.1974 – V ZR 72/​73, WM 1975, 135, 136[]
  3. zu allem Heil­bron, Sächs­Arch 1933, 353, 355 ff.; vgl. auch BGH, Urteil vom 20.12.1974 – V ZR 72/​73, WM 1975, 135, 136 zur Bestel­lung einer Grund­schuld durch Bruch­teils­ei­gen­tü­mer an ihren Antei­len für sich als Gesamt­gläu­bi­ger[]
  4. BGHZ 46, 253, 255[]