Kei­ne Miet­zah­lung am Sams­tag

Der Sams­tag ist ein Werk­tag. Aber nicht, wenn es um Miet­zah­lun­gen geht: Bei der Frist zur Zah­lung der Mie­te "bis zum drit­ten Werk­tag eines jeden Monats" zählt nach zwei heu­te ver­kün­de­ten Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs der Sams­tag nicht als Werk­tag mit.

Kei­ne Miet­zah­lung am Sams­tag

Dem Bun­des­ge­richts­hof lagen zwei Fäl­le zur Ent­schei­dung vor, bei denen ver­trag­lich ver­ein­bart war, dass die Mie­te – eben­so wie seit dem 1. Sep­tem­ber 2001 in § 556b Abs. 1 BGB gere­gelt – im Vor­aus spä­tes­tens am drit­ten Werk­tag eines jeden Monats zu zah­len ist. In dem einen Fall wur­de der Miet­ver­trag mit der ent­spre­chen­den Klau­sel bereits im Jah­re 1978 abge­schlos­sen. In dem ande­ren Fall wur­de die Ver­ein­ba­rung nach Inkraft­tre­ten des 556b Abs. 1 BGB im Jahr 2006 getrof­fen. Auf­grund vor­an­ge­gan­ge­ner unpünkt­li­cher Miet­zah­lun­gen wur­den die Mie­ter jeweils abge­mahnt. In dem ers­ten Fall ging die Mie­te für den auf die Abmah­nung fol­gen­den Monat Febru­ar 2008 am 5. Febru­ar 2008, einem Diens­tag, bei der Klä­ge­rin ein, in dem zwei­ten Fall erfolg­te die Zah­lung für den über­nächs­ten Monat Dezem­ber 2006 am Diens­tag, dem 5. Dezem­ber 2006. Dar­auf­hin wur­de bei­den Mie­tern das Miet­ver­hält­nis frist­los, hilfs­wei­se ordent­lich gekün­digt. Die auf Räu­mung gerich­te­ten Kla­gen wur­den durch die erst­in­stanz­lich mit den Räu­mungs­kla­gen befass­ten Amts­ge­rich­te Ber­lin-Mit­te 1 und Ber­lin-Schö­ne­berg 2 jeweils abge­wie­sen. Die Beru­fun­gen der Ver­mie­ter hat­ten vor dem Land­ge­richt Ber­lin eben­falls kei­nen Erfolg 3.

Die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Ver­mie­ter hat der Bun­des­ge­richts­hof heu­te zurück­ge­wie­sen, da nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs der Sams­tag nicht als Werk­tag im Sin­ne des § 556b Abs. 1 BGB und ent­spre­chen­der ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen anzu­se­hen ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dies aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und dem Schutz­zweck der gesetz­li­chen Rege­lung her­ge­lei­tet. Mit der Ein­füh­rung des § 556b Abs. 1 BGB soll­te eine damals bereits weit ver­brei­te­te Ver­trags­pra­xis unver­än­dert in das Gesetz über­nom­men wer­den. Des­halb hat für Ver­ein­ba­run­gen aus der Zeit vor und nach Inkraft­tre­ten der gesetz­li­chen Rege­lung eine ein­heit­li­che Aus­le­gung zu erfol­gen. Die Karenz­zeit von drei Werk­ta­gen, die dem Mie­ter für die Zah­lung der Mie­te zum Beginn des Monats ein­ge­räumt wird, mil­dert im Inter­es­se des Mie­ters die zuguns­ten des Ver­mie­ters begrün­de­te Vor­leis­tungs­pflicht ab und muss dem Mie­ter unge­schmä­lert zur Ver­fü­gung ste­hen. Die­se "Schon­frist" soll ins­be­son­de­re sicher­stel­len, dass die Miet­zah­lung den Ver­mie­ter auch dann inner­halb von drei Werk­ta­gen erreicht, wenn die Über­wei­sung der Mie­te am letz­ten Tag des Monats, an dem wei­te Tei­le der Bevöl­ke­rung ihr Gehalt oder ihren Lohn erhal­ten haben, in Auf­trag gege­ben wird. Sie trägt damit dem Umstand Rech­nung, dass Miet­zah­lun­gen schon seit lan­gem gro­ßen­teils durch Über­wei­sung über Bank­in­sti­tu­te abge­wi­ckelt wer­den und dies erfah­rungs­ge­mäß eine gewis­se Zeit in Anspruch nimmt. Bank­ge­schäfts­ta­ge waren aber bei Ein­füh­rung des § 556b Abs. 1 BGB und in der Zeit davor nur die Tage von Mon­tag bis Frei­tag; dar­an hat sich auch nichts Grund­le­gen­des geän­dert. Des­halb wür­de sich die Schon­frist für den Mie­ter bei der Miet­zah­lung über Bank­in­sti­tu­te um einen Tag ver­kür­zen, wenn der Sonn­abend bei der Berech­nung der Zah­lungs­frist als Werk­tag mit­ge­zählt wür­de. Das wider­sprä­che dem Schutz­zweck der Karenz­zeit und recht­fer­tigt es, den Sonn­abend nicht als Werk­tag im Sin­ne des § 556b Abs. 1 BGB und ent­spre­chen­der Miet­ver­trags­klau­seln anzu­se­hen. Dies gilt im Inter­es­se ein­heit­li­cher Hand­ha­bung unab­hän­gig von der Zah­lungs­wei­se.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Berech­nung der Karenz­zeit von drei Werk­ta­gen bei der Kün­di­gung von Wohn­raum­miet­ver­hält­nis­sen gemäß § 573c BGB 4 steht dem nicht ent­ge­gen. Anders als eine Über­wei­sung kön­nen die Über­mitt­lung und die Zustel­lung eines Kün­di­gungs­schrei­bens durch die Post an einem Sonn­abend erfol­gen. Im Gegen­satz zur Zah­lungs­frist ver­kürzt sich daher die Karenz­zeit für die Kün­di­gung nicht, wenn der Sonn­abend bei der Drei­ta­ges­frist des § 573c Abs. 1 Satz 1 BGB – wie auch im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch – als Werk­tag berück­sich­tigt wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 13. Juli 2010 – VIII ZR 129/​09 und VIII ZR 291/​09

  1. AG Ber­lin-Mit­te, Urteil vom 11.04.2008 – 15 C 377/​07 []
  2. AG Ber­lin-Schö­ne­berg – Urteil vom 22.07.2008 – 19 C 124/​08 []
  3. LG Ber­lin, Urtei­le vom 12.05.2009 – 63 S 403/​08; und vom 11.09.2009 – 63 S 316/​08[]
  4. BGH, Urteil vom 27.04.2005 – VIII ZR 206/​04[]