Kei­ne Para­bol­an­ten­ne für aus­län­di­sche Mie­ter?

Die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen einem aus­län­di­schen Mie­ter gegen den Ver­mie­ter ein Anspruch auf Geneh­mi­gung der Instal­la­ti­on einer Para­bol­an­ten­ne zum Emp­fang aus­län­di­scher Fern­seh- und Hör­funk­pro­gram­me zuste­hen kann, auch wenn das Haus mit einem Breit­band­ka­bel­an­schluss aus­ge­stat­tet ist, sind durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs und des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts geklärt 1.

Kei­ne Para­bol­an­ten­ne für aus­län­di­sche Mie­ter?

Eine bestimm­te Anzahl von Sen­dern mit mut­ter­sprach­li­chem Pro­gramm­an­ge­bot hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­her nicht gefor­dert und lässt sich auch nicht fest­le­gen. Für das gegen das Eigen­tums­recht des Ver­mie­ters aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG abzu­wä­gen­de Infor­ma­ti­ons­recht des Mie­ters aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 GG kommt es nicht auf die Quan­ti­tät, son­dern auf die inhalt­li­che Aus­rich­tung der über den Kabel­an­schluss zu emp­fan­gen­den Sen­der an. Die qua­li­ta­ti­ve Band­brei­te des mut­ter­sprach­li­chen Infor­ma­ti­ons­an­ge­bots hängt nicht von der Anzahl der betref­fen­den Sen­der ab, son­dern kann auch von nur weni­gen Sen­dern gewähr­leis­tet sein.

Bei der erfor­der­li­chen Abwä­gung, ob das Infor­ma­ti­ons­recht des Mie­ters aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 GG im kon­kre­ten Fall das Eigen­tums­recht des Ver­mie­ters aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG über­wiegt, ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass mitt­ler­wei­le – über das Kabel­an­ge­bot hin­aus – Infor­ma­ti­ons­sen­dun­gen des pol­ni­schen Fern­se­hens im Inter­net all­ge­mein zugäng­lich sind. Dabei ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs uner­heb­lich, dass die­ses Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot auf den pol­nisch­spra­chi­gen Inter­net­por­ta­len, wie tvp.pl, kos­ten­pflich­tig ist. Die Infor­ma­ti­ons­frei­heit gewähr­leis­tet den Zugang zu Infor­ma­ti­ons­quel­len im Rah­men der all­ge­mei­nen Geset­ze (Art. 5 Abs. 2 GG), aber nicht des­sen Kos­ten­lo­sig­keit 2. Dass die Mie­ter nicht imstan­de wären, die für die ent­spre­chen­den Pro­gramm­an­ge­bo­te zu ent­rich­ten­den Kos­ten zu tra­gen, haben sie – im vor­lie­gen­den Fall – nicht dar­ge­legt.

Auch der Umstand, dass den Mie­tern im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall – vor der Umstel­lung auf den Kabel­emp­fang – die Anbrin­gung einer Para­bol­an­ten­ne vom Ver­mie­ter gestat­tet wor­den war, führt nicht zu einer ande­ren Abwä­gung. Denn die­se Erlaub­nis war zeit­lich beschränkt. Sie bestand nach dem Miet­ver­trag nur solan­ge, bis der Ver­mie­ter dem Mie­ter eine gleich­wer­ti­ge tech­ni­sche Emp­fangs­mög­lich­keit zur Ver­fü­gung stellt, die gewähr­leis­tet, dass der Mie­ter die Fern­seh- und Rund­funk­pro­gram­me emp­fan­gen kann, auf deren Emp­fang er einen recht­li­chen Anspruch hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Mai 2013 – VIII ZR 268/​12

  1. BGH, Urtei­le vom 10.10.2007 – VIII ZR 260/​06, NJW 2008, 216; vom 16.05.2007 – VIII ZR 207/​04, NJW-RR 2007, 1243; vom 16.11.2005 – VIII ZR 5/​05, NJW 2006, 1062; vom 02.03.2005 – VIII ZR 118/​04, NJW-RR 2005, 596; BGH, Beschlüs­se vom 16.09.2009 – VIII ZR 67/​08, NJW 2010, 436; vom 17.04.2007 VIII ZR 63/​04, WuM 2007, 380; BVerfGE 90, 27, 32 ff.; BVerfG, NJW-RR 2005, 661; BVerfG, GE 2007, 902[]
  2. BVerfG, NJW-RR 2005, 661, 662; BVerfG, BayVBl 2005, 691; BGH, Beschluss vom 17.04.2007 – VIII ZR 63/​04, aaO Rn. 4[]