Kei­ne Pati­en­ten­auf­lä­rung über kon­ser­va­ti­ve Behand­lung

Es liegt kein Behand­lungs­feh­ler vor, wenn eine Schul­ter­ver­let­zung mit einer Arthro­sko­pie abge­klärt wird. Auf die Mög­lich­keit einer kon­ser­va­ti­ven Behand­lung muss ein Pati­ent nicht hin­ge­wie­sen wer­den, wenn sich die­se nicht als medi­zi­nisch glei­cher­ma­ßen indi­zier­te Behand­lungs­me­tho­de dar­stellt.

Kei­ne Pati­en­ten­auf­lä­rung über kon­ser­va­ti­ve Behand­lung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Patie­tin auf Scha­dens­er­satz abge­wie­sen, die der Mei­nung war, ihre Schul­ter­ver­let­zung sei im Kran­ken­haus von den behan­deln­den Ärz­ten feh­ler­haft behan­delt wor­den. Die im Jah­re 1980 gebo­re­ne Klä­ge­rin aus Sprock­hö­vel stürz­te Ende
Sep­tem­ber 2008 auf der Trep­pe und fiel auf ihre auf die lin­ke Schul­ter. Wegen fort­be­stehen­der Schmer­zen wur­de im Okto­ber 2008 eine Kern­spin­to­mo­gra­phie durch­ge­führt, die zur Dia­gno­se des Ein­ris­ses der Supra­spi­na­tus­seh­ne führ­te. Auf­grund die­ser Dia­gno­se und mit der MRT-Auf­nah­me such­te die Klä­ge­rin Ende Okto­ber 2008 das erst­be­klag­te Kran­ken­haus in Bochum auf. In die­sem führ­ten die zweit­be­klag­ten Ärz­te im Novem­ber 2008 eine dia­gnos­ti­sche Arthro­sko­pie durch, um die Ursa­chen der ver­meint­li­chen Teil­rup­tur zu klä­ren. Dabei stell­te sich her­aus, dass die Supra­spi­na­tus­seh­ne nicht ein­ge­ris­sen war. In der Fol­ge­zeit litt die Klä­ge­rin unter chro­ni­schen Schul­ter­schmer­zen und erlitt eine Schleim­beu­tel­ent­zün­dung. Die­se Fol­gen hat sie auf die aus ihrer Sicht feh­ler­haf­te Behand­lung der Beklag­ten zurück­ge­führt und gemeint, sie habe zudem über die Mög­lich­keit einer kon­ser­va­ti­ven Behand­lung auf­ge­klärt wer­den müs­sen. Von den Beklag­ten hat sie Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 25.000 Euro. Nach­dem das Kla­ge­be­geh­ren vor dem Land­ge­richt Bochum erfolg­los geblie­ben ist, hat die Klä­ge­rin ihr Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei den Beklag­ten ein Feh­ler bei der Befund­er­he­bung nicht vor­zu­wer­fen: Auch wenn eine Ultra­schall­un­ter­su­chung den Ein­riss der Seh­ne nicht bestä­tigt habe, hät­ten die beklag­ten Ärz­te der MRT-Auf­nah­me den Vor­zug geben dür­fen, weil die­se Fein­hei­ten bes­ser abbil­de kön­ne als eine Ultra­schall­un­ter­su­chung.

Die Arthro­sko­pie sei auch indi­ziert gewe­sen: Die ana­mnes­ti­schen und kli­ni­schen Gege­ben­hei­ten, ein trau­ma­ti­sie­ren­des Sturz­er­leb­nis der noch jun­gen Pati­en­tin und ein nega­ti­ver Hei­lungs­ver­lauf mit zuneh­men­der Bewe­gungs­ein­schrän­kung im Bereich der lin­ken Schul­ter, hät­ten bereits für die Arthro­sko­pie gespro­chen. Das ver­meint­lich ein­deu­ti­ge Bild des MRT habe die­se Bewer­tung bestä­tigt.

Der Arthro­sko­pie habe die Klä­ge­rin zudem wirk­sam zuge­stimmt. Sie sei nicht unzu­rei­chend auf­ge­klärt wor­den. Auf die Mög­lich­keit einer kon­ser­va­ti­ven Behand­lung habe sie nicht hin­ge­wie­sen wer­den müs­sen, weil sich die­se sei­ner­zeit nicht als medi­zi­nisch glei­cher­ma­ßen indi­zier­te Behand­lungs­me­tho­de dar­ge­stellt habe. Es sei nicht zu erwar­ten gewe­sen, dass eine sol­che, über Mona­te bis über Jah­re durch­zu­füh­ren­de Behand­lung die Beschwer­den der Klä­ge­rin besei­tigt hät­te. Außer­dem habe aus dama­li­ger Sicht berück­sich­tigt wer­den müs­sen, dass bei einem kon­ser­va­tiv behan­del­ten Ein­riss der Seh­ne die Gefahr einer wei­ter­ge­hen­den Rup­tur bestan­den habe.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 21. Janu­ar 2014 – 26 U 101/​12