Kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine klei­ne GmbH

Nach § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO erhal­ten juris­ti­sche Per­so­nen oder par­tei­fä­hi­ge Ver­ei­ni­gun­gen Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur dann, wenn die Kos­ten weder von ihr noch von den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten auf­ge­bracht wer­den kön­nen und wenn die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung all­ge­mei­nen Inter­es­sen zuwi­der­lau­fen wür­de.

Kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine klei­ne GmbH

Die Beschrän­kung durch das letzt­ge­nann­te Tat­be­stands­merk­mal trägt den beson­de­ren Ver­hält­nis­sen der juris­ti­schen Per­son Rech­nung. Sie besit­zen nur dann eine von der Rechts­ord­nung aner­kann­te Exis­tenz­be­rech­ti­gung, wenn sie in der Lage sind, ihre Zie­le aus eige­ner Kraft zu ver­fol­gen 1.

Ihnen kann daher bei Vor­lie­gen der übri­gen Vor­aus­set­zun­gen Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur gewährt wer­den, wenn Sach­ver­hal­te vor­lie­gen, die grö­ße­re Krei­se der Bevöl­ke­rung oder des Wirt­schafts­le­bens anspre­chen und sozia­le Wir­kun­gen nach sich zie­hen kön­nen.

Ein all­ge­mei­nes Inter­es­se kann ange­nom­men wer­den, wenn außer den an der Füh­rung des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten ein erheb­li­cher Kreis von Per­so­nen durch die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wür­de, die juris­ti­sche Per­son gehin­dert wür­de, der All­ge­mein­heit die­nen­de Auf­ga­ben zu erfül­len, oder wenn von der Durch­füh­rung des Pro­zes­ses die Exis­tenz eines Unter­neh­mens abhin­ge, an des­sen Erhal­tung wegen der gro­ßen Zahl von Arbeits­plät­zen ein all­ge­mei­nes Inter­es­se besteht 2.

Ohne Bedeu­tung ist dage­gen das Ein­zel­in­ter­es­se an einer rich­ti­gen Ent­schei­dung oder der Umstand, dass Rechts­fra­gen von all­ge­mei­ner Bedeu­tung zu beant­wor­ten sind 3.

Danach läuft im vor­lie­gen­den Fall die Unter­las­sung einer Rechts­ver­fol­gung durch die Beklag­te, die als Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (§ 5a GmbHG) eine juris­ti­sche Per­son ist (§ 13 Abs. 1 GmbHG), all­ge­mei­nen Inter­es­sen nicht zuwi­der. Nach ihrem eige­nen Vor­trag ist die Gesell­schaft, die zuvor kei­nen im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­den Geschäfts­zweck ver­folgt hat, bereits seit Ende des Jah­res 2012 nicht mehr wirt­schaft­lich tätig und ver­fügt weder über Arbeit­neh­mer noch über Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de. Wei­te­re Tat­sa­chen hat sie nicht vor­tra­gen. Es lie­gen daher kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor, dass durch die Unter­las­sung der Rechts­ver­fol­gung ein erheb­li­cher Kreis von Per­so­nen in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wür­de. Rück­wir­kun­gen auf grö­ße­re Tei­le der Bevöl­ke­rung oder des Wirt­schafts­le­bens sind nicht zu erwar­ten. Es droht weder der Ver­lust einer gro­ßen Anzahl von Arbeits­plät­zen, noch eine Gefähr­dung einer Viel­zahl von Gläu­bi­gern.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2015 – IX ZB 54/​15

  1. BVerfGE 35, 345, 355 ff zu § 114 Abs. 4 ZPO aF; BGH, Beschluss vom 14.07.2005 – IX ZB 224/​04, WM 2005, 1857; vom 10.02.2011 – IX ZB 145/​09, WM 2011, 807 Rn. 9; vom 05.03.2015 – IX ZB 77/​14, WM 2015, 731 Rn. 8 f; Zöller/​Geimer, ZPO, 30. Aufl., § 116 Rn. 24[]
  2. BGH, Beschluss vom 05.03.2015, aaO Rn. 9 mwN[]
  3. BGH, aaO Rn. 9 mwN[]