Kei­ne Schmer­zens­geld­an­sprü­che für paki­sta­ni­sche Tex­til­ar­bei­ter

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hält etwai­ge Schmer­zens­geld­an­sprü­che von vier paki­sta­ni­schen Klä­gern gegen einen Tex­til­dis­coun­ter aus Bönen für ver­jährt und hat des­halb ihre Anträ­ge auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Beru­fungs­ver­fah­ren zurück­ge­wie­sen.

Kei­ne Schmer­zens­geld­an­sprü­che für paki­sta­ni­sche Tex­til­ar­bei­ter

Die Klä­ger neh­men den beklag­ten Tex­til­dis­coun­ter aus Bönen auf Schmer­zens­geld von jeweils 30.000 Euro auf­grund eines schwe­ren Brand­un­glücks in Anspruch, das sich am 11.09.2012 in einer Tex­til­fa­brik in Kara­chi, Paki­stan, ereig­ne­te. Bei dem Brand in der Tex­til­fa­brik kamen 259 Men­schen ums Leben, dar­un­ter auch die in der Fabrik beschäf­tig­ten Söh­ne drei­er Klä­ger. Der eben­falls dort beschäf­tig­te vier­te Klä­ger erlitt schwe­re Ver­let­zun­gen. Das Tex­til­un­ter­neh­men unter­hielt zum Brand­zeit­punkt eine seit 2007 bestehen­de Geschäfts­be­zie­hung zu der Tex­til­fa­brik und ließ dort Jeans fer­ti­gen. Die Klä­ger mei­nen, dass der Tex­til­dis­coun­ter, der unter ande­rem die Kapa­zi­tä­ten der Tex­til­fa­brik zu min­des­tens 75 % aus­ge­las­tet haben soll, ver­pflich­tet und in der Lage gewe­sen wäre, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die Tex­til­fa­brik den Anfor­de­run­gen an ord­nungs­ge­mä­ßen Brand­schutz ent­spro­chen hät­te, was tat­säch­lich nicht der Fall gewe­sen sei und was so vie­len Men­schen das Leben gekos­tet habe.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Dort­mund hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Zur Begrün­dung hat es nach Ein­ho­lung eines Gut­ach­tens über das maß­geb­li­che, paki­sta­ni­sche Recht aus­ge­führt, sämt­li­che Ansprü­che der Klä­ger sei­en ver­jährt, da die Ver­jäh­rungs­frist nach paki­sta­ni­schem Recht ein, maxi­mal zwei Jah­re betra­ge und mit dem Brand­er­eig­nis am 11.09.2012 zu lau­fen begon­nen habe.

Gegen die­ses Urteil wol­len die Klä­ger Beru­fung ein­le­gen und haben zu die­sem Zweck die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt. Nach ihrer Auf­fas­sung habe das Land­ge­richt zu Unrecht die Ver­jäh­rung ihrer Ansprü­che ange­nom­men. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat nun jedoch in allen Punk­ten die vom Land­ge­richt Dort­mund ver­tre­te­ne Auf­fas­sung bestä­tigt, dass etwai­ge Ansprü­che der Klä­ger nach dem maß­geb­li­chen paki­sta­ni­schen Recht ver­jährt wären. Weil das OLG hier­nach einen Erfolg der Klä­ger im Beru­fungs­ver­fah­ren nicht für mög­lich hält, hat er es abge­lehnt, den Klä­gern Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu bewil­li­gen.

Die Fra­ge der Ver­jäh­rung rich­te sich, so das OLG Hamm, nach paki­sta­ni­schem Recht. Die Anwen­dung deut­schen Rechts hät­ten die Par­tei­en nicht ver­ein­bart. Auch leg­ten die maß­geb­li­chen Gescheh­nis­se kei­ne enge­re Ver­bin­dung mit dem deut­schen Staat nahe. Auf­grund des bereits vom Land­ge­richt ein­ge­hol­ten und von den Klä­gern inhalt­lich nicht in Zwei­fel gezo­ge­nen Rechts­gut­ach­tens ste­he fest, dass sämt­li­che For­de­run­gen der Klä­ger nach paki­sta­ni­schem Recht ver­jährt sei­en. Grund­sätz­lich sei zu respek­tie­ren, wel­chen Ver­jäh­rungs­fris­ten ein Staat ein­zel­ne Ansprü­che unter­wer­fe. Aus Sicht des Ober­lan­des­ge­richts ste­he im vor­lie­gen­den Fall das Ergeb­nis der Anwen­dung des paki­sta­ni­schen Ver­jäh­rungs­rechts mit ein- bzw. zwei­jäh­ri­gen Ver­jäh­rungs­fris­ten zu den Grund­ge­dan­ken der deut­schen Rege­lun­gen – im deut­schen Recht gilt eine regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren – und den in ihnen ent­hal­te­nen Gerech­tig­keits­vor­stel­lun­gen nicht in so star­kem Wider­spruch, dass es nach inlän­di­scher Vor­stel­lung untrag­bar erschie­ne.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 21. Mai 2019 – 9 U 44/​19

  1. LG Dort­mund, Urteil vom 10.01.2019 – 7 O 95/​15[]