Kfz-Lea­sing – und sei­ne Refi­nan­zie­rung im Schnee­ball­sys­tem

Der Bun­des­ge­richts­hof hat heu­te eine Ent­schei­dung zu der Fra­ge getrof­fen, inwie­fern das Ver­hal­ten und Erklä­run­gen des in die Vor­be­rei­tung eines Lea­sing­ver­trags ein­ge­schal­te­ten Lie­fe­ran­ten und Drit­ter in Bezug auf Ver­ein­ba­run­gen des Lea­sing­neh­mers mit Drit­ten über die Refi­nan­zie­rung von Lea­sing­ra­ten dem Lea­sing­ge­ber zuzu­rech­nen sind.

Kfz-Lea­sing – und sei­ne Refi­nan­zie­rung im Schnee­ball­sys­tem

Die Klä­ger in den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren leas­ten von der Beklag­ten jeweils Ende 2006 einen Pkw, wobei die Lea­sing­ver­trä­ge unter Ver­mitt­lung eines Auto­hau­ses zustan­de kamen. Fer­ner schlos­sen die Klä­ger zur Refi­nan­zie­rung der Lea­sing­ra­ten mit einem drit­ten Unter­neh­men einen "Wer­be­ver­trag" ab, wonach die­ses Unter­neh­men gegen Emp­feh­lung von min­des­tens drei neu­en Kun­den für die Lauf­zeit des Lea­sing­ver­trags einen monat­li­chen "Wer­be­kos­ten­zu­schuss" in Höhe der Lea­sing­ra­te an die Klä­ger zah­len soll­te. Nach Zufüh­rung von jeweils drei Neu­kun­den durch die Klä­ger wur­den die ver­spro­che­nen Zuschüs­se jedoch nur bis Okto­ber bzw. Novem­ber 2007 gezahlt. Danach foch­ten die Klä­ger ihre Lea­sing­ver­trä­ge wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung an. Sie beru­fen sich dar­auf, das ver­mit­teln­de Auto­haus habe mit der drit­ten Fir­ma kol­lu­siv zusam­men­ge­wirkt und ein "Schnee­ball­sys­tem" auf­ge­baut; dies müs­se sich die Beklag­te zurech­nen las­sen. Die Klä­ger haben u. a. die Rück­zah­lung der gezahl­ten Lea­sing­ra­ten unter Anrech­nung einer Nut­zungs­ver­gü­tung sowie die Fest­stel­lung ver­langt, dass die Lea­sing­ver­trä­ge durch die Anfech­tung wirk­sam been­det wor­den sei­en. Das erst­in­stanz­lich mit den bei­den Zah­lungs­kla­gen befass­te Land­ge­richt Braun­schweig hat bei­de Kla­gen abge­wie­sen 1. Die Beru­fun­gen der Klä­ger hat das Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig zurück­ge­wie­sen 2.

Und auch die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Klä­ger blie­ben vor dem Bun­des­ge­richts­hof jetzt ohne Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass sich die Lea­sing­ge­be­rin ein mög­li­ches arg­lis­ti­ges Ver­hal­ten des ver­mit­teln­den Auto­hau­ses oder des drit­ten Unter­neh­mens nicht zurech­nen las­sen muss. Zwar haf­tet der Lea­sing­ge­ber für das Ver­hal­ten von Per­so­nen, die er bei den Ver­hand­lun­gen zum Abschluss des Lea­sing­ver­trags als Reprä­sen­tan­ten ein­ge­setzt hat. Dies gilt aber nicht, wenn zwi­schen den dem Reprä­sen­tan­ten vom Lea­sing­ge­ber über­tra­ge­nen Auf­ga­ben und dem bean­stan­de­ten Ver­hal­ten kein inne­rer, sach­li­cher Zusam­men­hang besteht.

So war es in den zu ent­schei­den­den Fäl­len: Dem Auto­haus war nur die Betreu­ung der not­wen­di­gen Vor­be­rei­tun­gen für den Abschluss der Lea­sing­ver­trä­ge über­tra­gen wor­den, nicht jedoch die Auf­ga­be, für sei­ne Kun­den durch die Ver­mitt­lung von refi­nan­zie­ren­den "Wer­be­ver­trä­gen" mit Drit­ten Anrei­ze für den Abschluss von Lea­sing­ver­trä­gen zu schaf­fen. Da das Auto­haus und das drit­te Unter­neh­men inso­weit außer­halb des dem Auto­haus über­tra­ge­nen Auf­ga­ben­be­reichs tätig wur­den, wäre ihr Ver­hal­ten der Lea­sing­ge­be­rin nur dann zuzu­rech­nen, wenn die­se hier­von Kennt­nis gehabt hät­te. Das war in den bei­den Fäl­len aber nicht der Fall.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 30. März 2011 – VIII ZR 94/​10 und VIII ZR 99/​10

  1. LG Braun­schweig, Urtei­le vom 17.04.2009 – 8 O 2983/​08; und vom 23.06.2009 – 4 O 2732/​08[]
  2. OLG Braun­schweig, Urtei­le vom 23.03.2010 – 7 U 62/​09 und 7 U 90/​09[]