Kla­ge auf lau­fen­de Ren­ten­leis­tun­gen – und der Streit­wert

Bei einer Kla­ge auf lau­fen­de Ren­ten­leis­tun­gen erhöht sich der Streit­wert nor­ma­ler­wei­se nicht, wenn der Klä­ger wäh­rend des Pro­zes­ses die seit Rechts­hän­gig­keit fäl­lig gewor­de­nen Beträ­ge bezif­fert und zum Gegen­stand eines geson­der­ten Zah­lungs­an­trags macht. Eine Streit­wert­erhö­hung fin­det aller­dings dann statt, wenn die lau­fen­den Ren­ten­leis­tun­gen (nur) Gegen­stand eines Fest­stel­lungs­an­trags sind, und der Klä­ger wegen der nach­träg­lich fäl­lig gewor­de­nen Beträ­ge zu einem Zah­lungs­an­trag über­geht.

Kla­ge auf lau­fen­de Ren­ten­leis­tun­gen – und der Streit­wert

Maß­geb­lich für den Wert des Fest­stel­lungs­an­trags ist gemäß § 48 Abs. 1 GKG i.V.m. § 9 ZPO der drei­ein­halb­fa­che Wert des ein­jäh­ri­gen Bezu­ges der Ren­te. Soweit die Klä­ge­rin für die wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen kei­nen Zah­lungs­an­trag, son­dern ledig­lich einen Fest­stel­lungs­an­trag gestellt hat, ist gemäß § 3 ZPO ein Fest­stel­lungs­ab­schlag von 20 % vor­zu­neh­men 1.

Für den Zah­lungs­an­trag, mit wel­chem der Klä­ger die Leis­tung von rück­stän­di­gen Ren­ten­zah­lun­gen ver­langt hat, sind grund­sätz­lich die bei Ein­rei­chung der Kla­ge fäl­li­gen Beträ­ge maß­geb­lich. Die Begren­zung des Streit­werts auf die bei Kla­ge­ein­rei­chung fäl­li­gen Rück­stän­de ergibt sich unmit­tel­bar aus § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG 2.

Die Erwei­te­rung des Zah­lungs­an­trags wegen der wäh­rend des Recht­streits fäl­lig gewor­de­nen Beträ­ge führt zu einem zusätz­li­chen Wert.

Wenn bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen ein bezif­fer­ter Leis­tungs­an­trag wäh­rend des Recht­streits wegen spä­ter fäl­lig wer­den­der Beträ­ge erhöht wird, führt dies – wor­auf die Beklag­te zutref­fend hin­weist – gemäß § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG nicht ohne Wei­te­res zu einer Streit­wert­erhö­hung. Ver­langt ein Klä­ger von Anfang an die Zah­lung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen in Höhe eines bestimm­ten monat­li­chen Betra­ges, rich­tet sich der Wert die­ses Antrags nach § 9 ZPO. Wenn sodann nach Kla­ge­ein­rei­chung fäl­lig wer­den­de Beträ­ge nach­träg­lich bezif­fert wer­den, ändert sich der Streit­ge­gen­stand nicht. Denn die­se nach­träg­lich bezif­fer­ten Beträ­ge waren von Anfang an im Antrag auf Zah­lung monat­li­cher Leis­tun­gen ent­hal­ten. Es spielt für die Voll­stre­ckungs­mög­lich­kei­ten des Klä­gers kei­ne Rol­le, ob nach­träg­lich fäl­lig gewor­de­ne Raten aus­drück­lich bezif­fert wer­den, oder ob die­se Raten Teil eines Antrags auf wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen, bei dem ledig­lich der Monats­be­trag genannt ist, blei­ben. Der Gesetz­ge­ber hat in § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG dar­aus die Kon­se­quenz gezo­gen, dass bei einem Recht­streit über wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen eine nach­träg­li­che Bezif­fe­rung der­je­ni­gen Beträ­ge, die inzwi­schen fäl­lig gewor­den sind, kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Streit­wert haben soll. Dies ist in der Streit­wert­fest­set­zung des Land­ge­richts nicht berück­sich­tigt.

Der vor­lie­gen­de Fall weist aller­dings eine Beson­der­heit auf: Der Klä­ger hat bei den wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen kei­ne Zah­lung ver­langt, son­dern ledig­lich eine Fest­stel­lung der Leis­tungs­pflicht der Beklag­ten. Das bedeu­tet, dass die Antrags­än­de­rung im Schrift­satz vom 09.08.2013 nicht nur eine – für den Streit­ge­gen­stand uner­heb­li­che – sprach­li­che Ände­rung dar­stellt. Viel­mehr stellt der Antrag vom 09.08.2013 inso­weit eine Kla­ge­än­de­rung dar, als der Klä­ger nun­mehr wegen der nach­träg­lich fäl­lig gewor­de­nen Beträ­ge vom Fest­stel­lungs­an­trag auf einen Zah­lungs­an­trag über­ge­gan­gen ist. Die Dif­fe­renz zwi­schen neu­em und altem Zah­lungs­an­trag 3 ist für die Kla­ge­än­de­rung maß­geb­lich. Denn die­ser Dif­fe­renz­be­trag war ursprüng­lich (nur) Teil einer Fest­stel­lung der Leis­tungs­pflicht der Beklag­ten, und ist nun­mehr Gegen­stand eines Zah­lungs­an­trags gewor­den. Da der Streit­wert eines Leis­tungs­an­trags grund­sätz­lich höher anzu­set­zen ist als der Wert eines Fest­stel­lungs­an­trags, muss der Wert der im Über­gang zum Leis­tungs­an­trag lie­gen­den Kla­ge­än­de­rung zu einer Streit­wert­erhö­hung füh­ren. 4

Für den Wert der Kla­ge­än­de­rung ist der Streit­ge­gen­stand im kla­ge­er­hö­hen­den Schrift­satz mit dem Streit­ge­gen­stand in der Kla­ge­schrift zu ver­glei­chen. Die zusätz­lich ver­lang­ten Zah­lun­gen waren bei Ein­rei­chung der Kla­ge bereits Gegen­stand des Fest­stel­lungs­an­trags (gerich­tet auf wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen). Daher liegt es nahe, die Dif­fe­renz der Wer­te von Leis­tungs­an­trag einer­seits und Fest­stel­lungs­an­trag ande­rer­seits bezo­gen auf den Erhö­hungs­be­trag als Wert der Kla­ge­än­de­rung anzu­set­zen. Wenn man davon aus­geht, dass der Betrag mit einem Anteil von 80 % bereits Gegen­stand des Fest­stel­lungs­an­trags war, erscheint es plau­si­bel, den Über­gang vom Fest­stel­lungs- zum Leis­tungs­an­trag mit einem Wert von 20 % die­ses Betra­ges anzu­set­zen.

Die Wert­erhö­hung ist jedoch gemäß § 9 ZPO i.V.m. § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG zu begren­zen. Denn der Wert kann nicht höher lie­gen als der Wert von Anträ­gen, bei denen der Klä­ger nicht nur Fest­stel­lung einer Leis­tungs­pflicht bean­tragt hät­te, son­dern Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung der wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen. Die Fest­stel­lung einer Leis­tungs­pflicht ist ein Minus gegen­über der Zah­lung, so dass der Streit­wert der Fest­stel­lung durch den Wert eines ent­spre­chen­den Leis­tungs­an­trags begrenzt wird.

Hät­te der Klä­ger von Anfang an Zah­lung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen ver­langt, so wäre der Wert die­ses Antrags gemäß § 9 ZPO der drei­ein­halb­fa­che Jah­res­be­trag gewe­sen. Jede spä­te­re zusätz­li­che Bezif­fe­rung von Beträ­gen, die nach Kla­ge­ein­rei­chung fäl­lig wur­den, hät­te gemäß § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG i.V.m. § 9 ZPO nicht zu einer Erhö­hung die­ses Wer­tes geführt. In die­ser Vari­an­te wäre der Streit­wert des Antrags auf Zah­lung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen um einen gerin­ge­ren Betrag (als den soeben errech­ne­ten Erhö­hungs­wert) höher gewe­sen als der Wert des vor­lie­gen­den Fest­stel­lungs­an­trags. Der teil­wei­se Über­gang des Klä­gers von der Fest­stel­lung zur Leis­tung (durch die Bezif­fe­rung in sei­nem spä­te­ren Schrift­satz) bleibt in der Sache hin­ter dem Gegen­stand eines ursprüng­li­chen voll­stän­di­gen Leis­tungs­an­trags zurück. Daher kann der Wert der Kla­ge­än­de­rung den ange­ge­be­nen Dif­fe­renz­be­trag zum drei­ein­halb­fa­chen Jah­res­be­trag nicht über­stei­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 27. Okto­ber 2014 – 9 W 29/​14

  1. vgl. Zöller/​Herget, ZPO, 30. Auf­la­ge 2014, § 9 ZPO, RdNr. 1[]
  2. vgl. auch BGH, NVer­sZ 1999, 239[]
  3. 125.119, 08 EUR ./​. 39.893, 04 EUR = 85.226, 04 EUR[]
  4. Vgl. zum Ver­hält­nis von Leis­tungs­an­trag und Fest­stel­lungs­an­trag bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen BGH, NJW 1951, 802; Dörn­dor­fer in Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, GKG, 3. Auf­la­ge 2014, § 43 GKG, RdNr. 11; all­ge­mein zur Wert­erhö­hung bei einer Kla­ge­än­de­rung Zöller/​Herget a.a.O., § 3 ZPO, RdNr. 16 "Kla­ge­er­wei­te­rung".[]
  5. AG Ful­da, Beschluss vom 04.07.2019 – 88 XIV 312/​19 L, 88 XIV 313/​19 L[]