Kla­ge auf Her­aus­ga­be eines Grund­stücks – und der Streit­wert

Der gemäß § 47 Abs. 3 GKG für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren maß­ge­ben­de Wert bestimmt sich nicht nach dem Ver­kehrs­wert des Grund­stücks (§ 48 Abs. 1 GKG i.V.m. § 6 ZPO), son­dern nach dem Wert der Nut­zung eines Jah­res (§ 41 Abs. 2 Satz 2 GKG).

Kla­ge auf Her­aus­ga­be eines Grund­stücks – und der Streit­wert

§ 41 Abs. 2 Satz 2 GKG fin­det ent­ge­gen dem zu engen Wort­laut der Vor­schrift auch dann Anwen­dung, wenn die Räu­mungs- oder Her­aus­ga­be­kla­ge – wie hier – aus­schließ­lich auf das Eigen­tum gestützt wird [1].

Vor­aus­set­zung ist dann aber, dass der Beklag­te ein Miet, Pacht- oder – inso­weit abwei­chend von der Vor­schrift des § 8 ZPO – ähn­li­ches Nut­zungs­ver­hält­nis ein­wen­det [2].

§ 41 Abs. 2 GKG ist weit aus­zu­le­gen. Die Rege­lung ist auf Fäl­le zuge­schnit­ten, in denen sich zwei Par­tei­en gegen­über­ste­hen, die in unter­schied­li­chem Gra­de an dem Nut­zungs­ge­gen­stand berech­tigt sind und um ein blo­ßes Nut­zungs­recht strei­ten [3]. Daher wird bei­spiels­wei­se in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und in der Lite­ra­tur die auf­grund eines Leih­ver­tra­ges ein­ge­räum­te Nut­zung als ähn­li­ches Nut­zungs­ver­hält­nis im Sin­ne des § 41 Abs. 2 GKG ange­se­hen [4]. Ent­spre­chen­des gilt, wenn sich ein Beklag­ter gegen eine auf das Eigen­tum des Klä­gers gestütz­te Her­aus­ga­be­kla­ge mit einem bloß schuld­recht­li­chen Benut­zungs­recht aus Gesell­schafts­recht ver­tei­digt [5]. Geht der Streit der Par­tei­en jedoch zen­tral dar­um, ob dem Beklag­ten gegen den Klä­ger ein Eigen­tums­ver­schaf­fungs­an­spruch und in die­sem Zusam­men­hang ein Nut­zungs­recht zusteht, schei­det die Anwen­dung des § 41 Abs. 2 GKG aus [6].

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall strei­ten die Par­tei­en nicht um das Eigen­tum des Klä­gers an dem Grund­stück. Der Beklag­te wen­det gegen den Her­aus­ga­be­an­spruch des Klä­gers auch nicht ein, dass er (bereits jetzt) einen Anspruch auf Über­eig­nung des Grund­stücks habe. Er stützt sich viel­mehr auf ein bis zu dem von ihm wei­ter­hin als mög­lich ange­se­he­nen Rück­erwerb des Grund­stücks bestehen­des Nut­zungs­recht, das er – recht­lich unzu­tref­fend, weil die von ihm getra­ge­nen Kos­ten kein Ent­gelt für die zeit­wei­li­ge Gebrauchs­über­las­sung dar­stell­ten – als Miet­ver­hält­nis qua­li­fi­ziert und das der Klä­ger nicht wirk­sam gekün­digt habe. Damit ist aber wie bei einem unent­gelt­li­chen oder auf Gesell­schafts­recht gestütz­ten Nut­zungs­recht die Anwen­dung des § 41 Abs. 2 Satz 2 GKG gerecht­fer­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juni 2016 – V ZR 192/​15

  1. BGH, Beschluss vom 26.06.1967 – V ZR 75/​66, BGHZ 48, 177, 179 zu dem inhalts­glei­chen § 12 Abs. 2 Satz 2 GKG aF; OLG Bam­berg, Jur­Bü­ro 1992, 625 zu dem inhalts­glei­chen § 16 Abs. 2 Satz 2 GKG aF; BDPZ/​Dörndörfer, GKG, 3. Aufl., § 41 Rn. 13[]
  2. BGH, aaO[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 26.06.1967 – V ZR 75/​66, BGHZ 48, 177, 180; Beschluss vom 19.05.1967 – V ZR 24/​66, NJW 1967, 1863 – jeweils zu § 12 GKG aF[]
  4. vgl. OLG Köln, NJWE-MietR 1997, 273; Münch­Komm-ZPO/­Wöst­mann, 4. Aufl., § 8 Rn. 6 und 28; MusielakZPO/​Heinrich, 13. Aufl., § 8 Rn. 6[]
  5. BGH, Beschluss vom 26.06.1967 – V ZR 75/​66, BGHZ 48, 177, 189[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.1967 – V ZR 24/​66, NJW 1967, 1863, 1864 zu § 12 GKG aF[]