Kla­ge – Wider­kla­ge – Beru­fungs­sum­me

Eine unzu­mut­ba­re, aus Sach­grün­den nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­de Erschwe­rung des Zugangs zu der (Berufungs-)Instanz kann auch in einem Feh­ler bei der Bemes­sung des Werts des Beschwer­de­ge­gen­stands gemäß § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO lie­gen. Hier­zu muss das Beru­fungs­ge­richt die Gren­zen des ihm bei der Bemes­sung zukom­men­den Ermes­sens über­schrit­ten oder von sei­nem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht haben 1.

Kla­ge – Wider­kla­ge – Beru­fungs­sum­me

Ein sol­cher Feh­ler ist vor­lie­gend dem Land­ge­richt Han­no­ver 2 unter­lau­fen: Im Streit­fall hat das Amts­ge­richt Sprin­ge 3 den Beklag­ten nicht nur antrags­ge­mäß ver­ur­teilt, son­dern auch des­sen Wider­kla­ge abge­wie­sen. Beschwert ist der Beklag­te des­halb in Höhe der Sum­me der Wer­te von Kla­ge und Wider­kla­ge. Die für den Zustän­dig­keits­wert gel­ten­de Rege­lung des § 5 Halb­satz 2 ZPO steht dem nicht ent­ge­gen 4. Auch sind die Gegen­stän­de von Kla­ge und Wider­kla­ge nicht wirt­schaft­lich iden­tisch 5.

Der Wert der Wider­kla­ge kann auch nicht wegen des Umstands unbe­rück­sich­tigt blei­ben, dass sie erst nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt erho­ben wor­den ist. Dies käme nur in Betracht, wenn das Amts­ge­richt von einer Ent­schei­dung über die Wider­kla­ge abge­se­hen hät­te 6. Uner­heb­lich ist inso­weit, ob das Amts­ge­richt unter den gege­be­nen Umstän­den über die Wider­kla­ge ent­schei­den durf­te 7. Das Amts­ge­richt hat über die Wider­kla­ge ent­schie­den, und dies beschwert den Beklag­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2013 – IX ZB 112/​12

  1. BGH, Beschluss vom 20.01.2011 – V ZB 193/​10, NZM 2011, 488 Rn. 7 f; vom 10.05.2012 – V ZB 242/​11, ZWE 2012, 334, 335[]
  2. LG Han­no­ver, Beschluss vom 11.09.2012 – 12 S 9/​12[]
  3. AG Sprin­ge, Urteil vom 13.01.2012 – 4 C 452/​10[]
  4. BGH, Urteil vom 28.09.1994 – XII ZR 50/​94, NJW 1994, 3292; Zöller/​Herget, ZPO, 29. Aufl., § 5 Rn. 2; HkZPO/​Bendtsen, 5. Aufl., § 5 Rn. 2; Münch­Komm-ZPO/Wöst­mann, 4. Aufl., § 5 Rn. 34[]
  5. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 28.09.1994, aaO[]
  6. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 19.03.2009, aaO Rn. 9, für den Fall einer nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung erfolg­ten Kla­ge­er­wei­te­rung[]
  7. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 12.05.1992 – XI ZR 251/​91, NJW-RR 1992, 1085; Urteil vom 19.04.2000 – XII ZR 334/​97, NJW 2000, 2512, 2513[]