Kla­ge – Wider­kla­ge – Streit­wert

§ 45 Abs. 1 Satz 3 GKG fin­det kei­ne Anwen­dung, wenn mit Kla­ge und Wider­kla­ge ledig­lich Teil­an­sprü­che aus dem­sel­ben Rechts­ver­hält­nis her­ge­lei­tet wer­den, die sich recht­lich zwar wech­sel­sei­tig aus­schlie­ßen, wirt­schaft­lich aber nicht über­schnei­den, son­dern unter­schied­li­che Ver­mö­gens­po­si­tio­nen (hier: von­ein­an­der abgrenz­ba­re Tei­le der Gesamt­ver­gü­tung des Lea­sing­ge­bers aus dem Lea­sing­ver­hält­nis) betref­fen.

Kla­ge – Wider­kla­ge – Streit­wert

Gemäß § 45 Abs. 1 Satz 1 GKG sind die in einer Kla­ge und in einer Wider­kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­che grund­sätz­lich zusam­men­zu­rech­nen. Aller­dings ist nach § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG nur der Wert des höhe­ren Anspruchs maß­ge­bend, wenn die ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Ansprü­che den­sel­ben Gegen­stand betref­fen. Letz­te­res ist unab­hän­gig vom zivil­pro­zes­sua­len Streit­ge­gen­stand bei wirt­schaft­li­cher Iden­ti­tät von Kla­ge und Wider­kla­ge der Fall. Die­se Iden­ti­tät ist dann gege­ben, wenn die Ansprü­che aus Kla­ge und Wider­kla­ge nicht in der Wei­se neben­ein­an­der ste­hen kön­nen, dass bei­den statt­ge­ge­ben wer­den kann, son­dern die Ver­ur­tei­lung nach dem einen Antrag not­wen­di­ger­wei­se die Abwei­sung des ande­ren Antrags nach sich zieht 1.

Das ist in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall an sich zwar gege­ben. Denn der auf einen Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge des Lea­sing­ver­tra­ges gestütz­te Anspruch des Klä­gers auf Rück­erstat­tung der gezahl­ten Lea­sing­ra­ten schließt die für die anschlie­ßen­de Ver­trags­lauf­zeit wider­kla­gend gel­tend gemach­ten Ansprü­che auf Zah­lung rück­stän­di­ger Lea­sing­ra­ten und auf Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung hin­sicht­lich der nach ver­zugs­be­ding­ter Kün­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges noch aus­ste­hen­den Lea­sing­ra­ten grund­sätz­lich aus, da recht­li­che Vor­aus­set­zung die­ser Ansprü­che ein Fort­be­stand des Lea­sing­ver­tra­ges ist.

Der genann­te Iden­ti­täts­grund­satz greift jedoch dann nicht ein, wenn mit Kla­ge und Wider­kla­ge ledig­lich Teil­an­sprü­che aus dem­sel­ben Rechts­ver­hält­nis her­ge­lei­tet wer­den, die sich recht­lich zwar wech­sel­sei­tig aus­schlie­ßen, wirt­schaft­lich aber nicht über­schnei­den, son­dern unter­schied­li­che Ver­mö­gens­po­si­tio­nen betref­fen. Dem­entspre­chend gehen die Instanz­recht­spre­chung und das Schrift­tum zutref­fend vom Erfor­der­nis einer Wer­tead­di­ti­on nach Maß­ga­be von § 45 Abs. 1 Satz 1 GKG in Fäl­len aus, in denen der Klä­ger aus einem strei­ti­gen Rechts­ver­hält­nis einen über geleis­te­te Zah­lun­gen hin­aus­ge­hen­den Rest- oder Mehr­be­trag bean­sprucht, wäh­rend der Beklag­te wider­kla­gend die geleis­te­ten Zah­lun­gen als nicht geschul­det zurück­ver­langt, da hier­bei wirt­schaft­lich die aus dem Rechts­ver­hält­nis geschul­de­te Gesamt­ver­gü­tung den Gegen­stand des Streits der Par­tei­en bil­det 2.

So ver­hält es sich auch hier. Denn wirt­schaft­lich ist der Klä­ger durch die ange­grif­fe­ne Ver­ur­tei­lung nicht nur ver­pflich­tet wor­den, der Beklag­ten die über die geleis­te­ten Lea­sing­ra­ten hin­aus­ge­hen­de wei­te­re Ver­gü­tung für die Rest­lauf­zeit des Lea­sing­ver­tra­ges bezie­hungs­wei­se den für einen spä­te­ren Zeit­raum an die Stel­le der Ver­gü­tung tre­ten­den Scha­dens­er­satz wegen Nicht­er­fül­lung zu zah­len. Ihm ist zugleich der von ihm erho­be­ne Anspruch auf Rück­zah­lung der zuvor erbrach­ten Lea­sing­ra­ten aberkannt wor­den, so dass die Par­tei­en letzt­lich auch wirt­schaft­lich um die Sum­me der mit Kla­ge und Wider­kla­ge ver­lang­ten Beträ­ge, näm­lich um die vom Klä­ger nach dem Lea­sing­ver­trag zu zah­len­de Gesamt­ver­gü­tung, gestrit­ten haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. März 2014 – VIII ZR 261/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 06.10.2004 – IV ZR 287/​03, NJW-RR 2005, 506 unter – III 1; vom 28.09.2011 – IV ZR 146/​10, ZEV 2011, 656 Rn. 4[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, NJW 2009, 1515; OLG Saar­brü­cken, OLGR 2009, 424; Dörn­dor­fer in Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, GKG, 2. Aufl., § 45 GKG Rn. 5 f.; Schind­ler in Beck­OK GKG, Stand Janu­ar 2014, § 45 Rn. 15; Schu­mann, NJW 1982, 2800, 2802; jeweils mwN[]
  3. vgl. BAG 25.04.2018 – 2 AZR 493/​17, Rn. 15, BAGE 162, 317; 26.03.2015 – 2 AZR 483/​14, Rn. 37[]