Kla­ge­an­trä­ge – und ihre Aus­le­gung

Maß­ge­bend für die Aus­le­gung pro­zes­sua­ler Wil­lens­er­klä­run­gen sind die für Wil­lens­er­klä­run­gen des bür­ger­li­chen Rechts ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze.

Kla­ge­an­trä­ge – und ihre Aus­le­gung

Ent­spre­chend § 133 BGB ist nicht am buch­stäb­li­chen Sinn des in der Pro­zess­erklä­rung gewähl­ten Aus­drucks zu haf­ten, viel­mehr ist der in der Erklä­rung ver­kör­per­te Wil­le zu ermit­teln. Im Zwei­fel sind pro­zes­sua­le Wil­lens­er­klä­run­gen so aus­zu­le­gen, dass das gewollt ist, was aus Sicht der Pro­zess­par­tei nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig ist und der wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge ent­spricht.

Dabei sind die schutz­wür­di­gen Belan­ge des Pro­zess­geg­ners zu berück­sich­ti­gen 1.

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift neben der bestimm­ten Anga­be des Gegen­stan­des und des Grun­des des erho­be­nen Anspruchs auch einen bestimm­ten Antrag ent­hal­ten. Der Klä­ger muss ein­deu­tig fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung er begehrt. Er hat den Streit­ge­gen­stand so genau zu bezeich­nen, dass der Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) kei­nem Zwei­fel unter­liegt und die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung (§ 322 ZPO) zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann 2.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Sep­tem­ber 2016 – 8 AZR 351/​15

  1. vgl. etwa BAG 7.07.2015 – 10 AZR 416/​14, Rn. 18, BAGE 152, 108; 2.09.2014 – 3 AZR 951/​12, Rn. 34[]
  2. vgl. etwa BAG 9.07.2013 – 1 ABR 17/​12, Rn. 14; 14.12 2011 – 5 AZR 675/​10, Rn. 11[]