Kla­ge­schrift im Anwalts­pro­zess – und die Bezug­nah­me auf Schrei­ben des Man­dan­ten

Durch eine Bezug­nah­me auf ande­re Schrift­stü­cke oder sons­ti­ge Anla­gen kön­nen die zwin­gen­den Vor­aus­set­zun­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO grund­sätz­lich nur dann erfüllt wer­den, wenn die­se dem Gericht mit der Kla­ge­schrift vor­ge­legt wer­den oder zumin­dest bereits vor­lie­gen.

Kla­ge­schrift im Anwalts­pro­zess – und die Bezug­nah­me auf Schrei­ben des Man­dan­ten

Im Anwalts­pro­zess genügt die aus­schließ­li­che Bezug­nah­me in der Kla­ge­schrift auf ein von der Par­tei selbst erstell­tes Schrift­stück nicht zur Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Viel­mehr ist hier­für grund­sätz­lich die kon­kre­te Bezug­nah­me auf einen von einem pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Anwalt unter­schrie­be­nen Schrift­satz erfor­der­lich.

Die Nach­ho­lung der Anfor­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO kann zwar den Man­gel der Kla­ge­schrift besei­ti­gen. Dies wirkt jeden­falls in den Fäl­len, in denen die Kla­ge inner­halb einer gesetz­li­chen Aus­schluss­frist erho­ben wer­den muss, jedoch erst vom Zeit­punkt der Behe­bung des Man­gels an 1.

Eine ord­nungs­ge­mä­ße Kla­ge­schrift im Sin­ne von § 253 ZPO muss im Anwalts­pro­zess nach §§ 78, 130 Nr. 6 ZPO über­dies auch hin­sicht­lich der in § 253 Abs. 2 ZPO zwin­gend vor­ge­schrie­be­nen Erfor­der­nis­se von einem Rechts­an­walt unter­zeich­net sein 2. Die Bezug­nah­me auf Schrift­sät­ze eines Neben­ver­fah­rens (z.B. über Pro­zess­kos­ten­hil­fe oder vor­läu­fi­gen Rechts­schutz) oder eines Par­al­lel­ver­fah­rens setzt des­halb, soweit sie zur Wah­rung der Vor­aus­set­zun­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO erfor­der­lich sind, in Anwalts­pro­zes­sen jeden­falls vor­aus, dass die Schrei­ben von einem pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Anwalt stam­men 3. Die Bezug­nah­me auf eine von der Par­tei selbst gege­be­ne Begrün­dung in einem frü­her ver­fass­ten Schrift­stück reicht dage­gen grund­sätz­lich nicht aus 4.

Im Anwalts­pro­zess ist daher grund­sätz­lich die kon­kre­te Bezug­nah­me auf einen von einem pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Anwalt unter­schrie­be­nen Schrift­satz erfor­der­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. März 2016 – III ZR 200/​15

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 29.11.1956 – III ZR 235/​55, BGHZ 22, 254[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.11.1956 – III ZR 235/​55, BGHZ 22, 254, 256[]
  3. BGH, Urtei­le vom 02.03.1979 – I ZR 29/​77, VersR 1979, 764 mit Aus­nah­me für einen zum Bestand­teil des Gerichts­be­schlus­ses gewor­de­nen Schrift­satz in einem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung; und vom 08.02.1996 – IX ZR 107/​95, NJW 1996, 1351; sie­he auch Beschluss vom 30.10.1984 – IX ZB 103/​84, BeckRS 1984, 30374442 für die Beru­fungs­be­grün­dung[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.11.1956, aaO; Stein/​Jonas/​Roth, aaO Rn. 11; Wieczorek/​Schütze/​Assmann, ZPO, aaO Rn. 157; Münch­Komm-ZPO/­Be­cker-Eber­hardt aaO, Rn. 33; Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., § 253 Rn. 12b; anders für die Bezug­nah­me auf die Anspruchs­be­grün­dung bei vor­an­ge­gan­ge­nem Mahn­ver­fah­ren: BGH, Urteil vom 24.05.1982 – VIII ZR 181/​81, BGHZ 84, 136, 138 ff[]