Kom­pli­ka­tio­nen bei der Ope­ra­ti­on einer Drei­jäh­ri­gen

Es besteht kein Scha­dens­er­satz­an­spruch, wenn eine Ope­ra­ti­on eines Pati­en­ten indi­ziert gewe­sen und auch ohne Behand­lungs­feh­ler durch­ge­führt wor­den ist. Bei einer ver­wechs­lungs­be­ding­te Ver­let­zung der Bla­sen­wand wäh­rend der Ope­ra­ti­on eines beid­sei­ti­gen Leis­ten­bruchs und einer Infek­ti­on nach der Ope­ra­ti­on mit Noro-Viren muss kein ärzt­li­cher Behand­lungs­feh­ler vor­lie­gen.

Kom­pli­ka­tio­nen bei der Ope­ra­ti­on einer Drei­jäh­ri­gen

So das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Drei­jäh­ri­gen, die wegen einer behaup­te­ten behand­lungs­feh­ler­haf­ten Ope­ra­ti­on und unzu­rei­chen­der ärzt­li­cher Ver­sor­gung nach der Ope­ra­ti­on von dem Kran­ken­haus in Bie­le­feld und der mit­ver­klag­ten Ärz­tin Scha­dens­er­satz ver­langt hat. Die sei­ner­zeit drei­jäh­ri­ge Klä­ge­rin aus Bie­le­feld wur­de Anfang des Jah­res 2008 im beklag­ten Kran­ken­haus in Bie­le­feld von der mit­ver­klag­ten Ärz­tin wegen eines beid­sei­ti­gen Leis­ten­bruchs ope­riert. Dabei kam es zu einer Ver­let­zung der vor­ge­fal­le­nen Bla­sen­wand, die wäh­rend der Ope­ra­ti­on bemerkt und sofort ver­sorgt wur­de. Bei einer erneu­ten sta­tio­nä­ren Behand­lung von Beschwer­den, die weni­ge Tage nach der Ope­ra­ti­on auf­ge­tre­ten waren, stell­te sich her­aus, dass sich die Klä­ge­rin zwi­schen­zeit­lich mit Noro-Viren infi­ziert hat­te. Mit der Begrün­dung, behand­lungs­feh­ler­haft ope­riert und nach der Ope­ra­ti­on unzu­rei­chend ärzt­lich ver­sorgt wor­den zu sein, hat die Klä­ge­rin von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 30.000 Euro.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass die Ope­ra­ti­on der Klä­ge­rin indi­ziert gewe­sen und auch ohne Behand­lungs­feh­ler durch­ge­führt wor­den sei. Die Ver­let­zung der Bla­sen­wand sei eine sel­te­ne Kom­pli­ka­ti­on. Im vor­lie­gen­den Fall beru­he sie dar­auf, dass der Bruch und der dar­in befind­li­che Bla­sen­teil von Bauch­fell­struk­tu­ren bedeckt gewe­sen sei und die vor­ge­fal­le­ne Bla­sen­wand des­we­gen – ohne den Vor­wurf eine Behand­lungs­feh­lers zu begrün­den – für einen Teil des Bruch­sacks habe gehal­ten wer­den kön­nen. Die­se ver­wechs­lungs­be­ding­te Ver­let­zung sei durch ande­re Maß­nah­men nicht zu ver­hin­dern gewe­sen. Auf sie sei rich­tig reagiert wor­den. Man habe sie sofort erkannt und fach­ge­recht behan­delt.

Dass die Klä­ge­rin nach der Ope­ra­ti­on behand­lungs­feh­ler­haft ver­sorgt wor­den sei, las­se sich eben­falls nicht fest­stel­len. Die Ver­let­zung von Hygie­ne­re­geln sei nicht dar­ge­legt und nicht ersicht­lich. Die Klä­ge­rin habe zwar mit einem ande­ren Kind in einem Kran­ken­zim­mer gele­gen. Dass die­ses an einem Noro-Virus erkrankt gewe­sen sei, ste­he nicht fest und sei man­gels exis­tie­ren­der Labor­wer­te auch nicht mehr auf­klär­bar. Ob das ande­re Kind sei­ner­zeit einen Magen-Darm-Virus gehabt habe, sei uner­heb­lich, weil die­ser die Noro-Virus-Infek­ti­on der Klä­ge­rin nicht habe aus­lö­sen kön­nen.

Da das Ober­lan­des­ge­richt Hamm kei­nen ärzt­li­chen Behand­lungs­feh­ler und kei­ne Ver­le­zung der Hygie­ne­re­geln fest­stel­len konn­te, blieb das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren erfolg­los.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 1. Okto­ber 2013 – 26 U 183/​12

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