Kos­ten einer fami­liä­ren Pfle­ge

Hat eine Toch­ter von ihrer ver­stor­be­nen Mut­ter Bar­geld­be­trä­ge als Gegen­leis­tung für Pfle­ge- und Betreu­ungs­tä­tig­kei­ten erhal­ten, muss der Erbe, der nach dem Tod der Mut­ter die Her­aus­ga­be die­ser Geld­be­trä­ge ver­langt, das Feh­len des behaup­te­ten Rechts­grun­des bewei­sen.

Kos­ten einer fami­liä­ren Pfle­ge

In Bezug auf Bar­geld­be­trä­ge, die zu Leb­zei­ten vom Kon­to der Mut­ter abge­ho­ben wor­den sind, ist von der Toch­ter gemäß § 670 BGB zu bewei­sen, dass sie die Gel­der auf­trags­ge­mäß ver­wen­det hat.

Kosten einer familiären Pflege

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he1 in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Streits unter Geschwis­tern nach dem Tod der Mut­ter.

Sach­ver­halt

Der Klä­ger ist Allein­er­be der am 19.11.2012 ver­stor­be­nen Mut­ter und macht Zah­lungs­an­sprü­che gegen die Beklag­te gel­tend, da die­se von der ver­stor­be­nen Mut­ter ver­schie­de­ne Geld­be­trä­ge erhal­ten habe, die sie zu Unrecht für sich selbst behal­ten und ver­wen­det habe. Seit 1986 hat die infol­ge eines Schlag­an­falls halb­sei­tig gelähm­ten Mut­ter zunächst beim Klä­ger gewohnt, der sie gemein­sam mit sei­ner Frau ver­sorg­te und pfleg­te. Da der Klä­ger wegen einer Erkran­kung sei­ner Ehe­frau nicht mehr in der Lage war, die not­wen­di­gen Betreu­ungs- und Pfle­ge­leis­tun­gen für die Mut­ter zu erbrin­gen, hat die­se am 21.06.2004 in den Haus­halt der Beklag­ten gewech­selt, die nun die Mut­ter ver­sorg­te und pfleg­te. Die Mut­ter erteil­te ihrer Toch­ter eine nota­ri­el­le Gene­ral- und Vor­sor­ge­voll­macht, auf Grund derer die Beklag­te sämt­li­che ver­mö­gens­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten der Mut­ter regeln konn­te. Am 16.11.2010 wech­sel­te die Mut­ter in ein Pfle­ge­heim, wo sie bis zu ihrem Tod am 19.11.2012 blieb. Zwi­schen dem 4. Janu­ar 2010 und dem 8. Novem­ber 2012 ließ sich die Beklag­te vom Bank­kon­to der Mut­ter ins­ge­samt 7.100,00 EUR in ver­schie­de­nen Teil­be­trä­gen bar aus­zah­len. Nun strei­ten Bru­der und Schwes­ter über die Ver­wen­dung der Gel­der durch die Beklag­te. Der Bru­der als Erbe ver­langt die Her­aus­ga­be des Geld­be­tra­ges.

Ent­schei­dung des Gerichts

Nach­dem sei­ne Zah­lungs­kla­ge vom Land­ge­richt Kon­stanz abge­wie­sen wor­den ist2, hat er mit der Beru­fung sein Ziel wei­ter­ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he aus­ge­führt, dass die Beweis­last für einen Anspruch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung dem Klä­ger als Anspruch­stel­ler obliegt. Die Dar­stel­lung der Beklag­ten zum Rechts­grund der Zah­lun­gen hat das Gericht für plau­si­bel gehal­ten. Es gibt kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für ein unred­li­ches Ver­hal­ten. Schließ­lich spricht für die Dar­stel­lung der Beklag­ten auch der Umstand, dass der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau in frü­he­ren Jah­ren, als die Mut­ter noch von ihnen ver­sorgt wur­de, in glei­cher Wei­se ver­fah­ren sind, wenn die Mut­ter "Taschen­geld" von ihrem Kon­to haben woll­te.

Dem Klä­ger steht weder ein Anspruch als Erbe der Mut­ter aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung (§ 812 Abs. 1 Satz 1 1. Alt. BGB i.V.m. § 1922 Abs. 1 BGB) noch aus Auf­trags­recht (§ 1922 Abs. 1 BGB i.V.m. § 667 BGB) gegen die Beklag­te zu.

Fazit

Die­se gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung hät­te ver­mie­den wer­den kön­nen, durch eine frü­he­re Ent­schei­dung der Mut­ter ins Pfle­ge­heim zu gehen. Einer­seits hat die pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­son nicht das Gefühl, ihrer Fami­lie zur Last zu fal­len und ande­rer­seits kön­nen fami­liä­re Rei­be­rei­en mini­miert wer­den. Dar­über hin­aus ist in die­sen Ein­rich­tun­gen eine pro­fes­sio­nel­le Pfle­ge gewähr­leis­tet.

Eine durch­aus über­le­gens­wer­te Ent­schei­dung ist eine Pfle­ge­im­mo­bi­lie kau­fen zu wol­len. Wer nicht war­ten will, bis er pfle­ge­be­dürf­tig ist, kann den Kauf auch als Kapi­tal­an­la­ge täti­gen. Als Inves­ti­ti­on in die Zukunft legt man sein Geld gewinn­brin­gend an und erhält die Opti­on, auch selbst die Woh­nung nut­zen zu kön­nen.

  1. OLG Krals­ru­he, Urteil vom 16.05.2017 – 9 U 167/​15 []
  2. LG Kon­stanz, Urteil vom 07.07.2015 – 4 O 105/​15 []