Kos­ten­ent­schei­dung zulas­ten eines Dritt­wi­der­be­klag­ten

Gemäß § 99 Abs. 1 ZPO kann eine Kos­ten­ent­schei­dung grund­sätz­lich nicht iso­liert, son­dern nur zusam­men mit der Haupt­sa­che ange­foch­ten wer­den 1. Dies gilt auch für eine Kos­ten­tren­nung gemäß § 96 ZPO 2. Denn ein Rechts­mit­tel­ge­richt soll sich nicht im Rah­men einer iso­lier­ten Kos­ten­be­schwer­de inzi­dent mit der Haupt­sa­che befas­sen müs­sen; dar­über hin­aus dient die Vor­schrift der Pro­zess­öko­no­mie, indem sie die Gerich­te von Rechts­mit­teln frei­stellt, die nur den Kos­ten­punkt betref­fen 3.

Kos­ten­ent­schei­dung zulas­ten eines Dritt­wi­der­be­klag­ten

§ 99 Abs. 1 ZPO steht aller­dings über die in § 99 Abs. 2, § 91a Abs. 2, § 269 Abs. 5 ZPO genann­ten Aus­nah­men hin­aus der Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels nicht ent­ge­gen, wenn eine Kos­ten­ent­schei­dung zu Las­ten eines nicht am Rechts­streit betei­lig­ten Drit­ten ergan­gen ist 4, es an einer Haupt­sa­che­ent­schei­dung fehlt 5 oder den Par­tei­en der Erlass der Kos­ten­ent­schei­dung vor­ent­hal­ten wur­de 6.

Kei­ner die­ser Aus­nah­me­tat­be­stän­de ist bei einer Kos­ten­grund­ent­schei­dung zulas­ten eines Dritt­wi­der­be­klag­ten indes­sen gege­ben. Die Dritt­wi­der­be­klag­te war zwar nicht unmit­tel­bar an der allein vom Klä­ger erho­be­nen Zah­lungs- und Fest­stel­lungs­kla­ge betei­ligt. Die zu ihren Las­ten getrof­fe­ne Kos­ten­grund­ent­schei­dung nach § 96 ZPO betrifft sie jedoch als Par­tei des durch Erhe­bung der Dritt­wi­der­kla­ge begrün­de­ten wei­te­ren Pro­zess­rechts­ver­hält­nis­ses. Da in die­sem Pro­zess­rechts­ver­hält­nis mit Abwei­sung der Dritt­wi­der­kla­ge eine Haupt­sa­che­ent­schei­dung ergan­gen ist, steht § 99 Abs. 1 ZPO einem iso­lier­ten Rechts­mit­tel gegen die Kos­ten­grund­ent­schei­dung ent­ge­gen. Etwas ande­res folgt auch nicht dar­aus, dass die Dritt­wi­der­be­klag­te in der Haupt­sa­che nicht beschwert ist und des­halb kei­ne zuläs­si­ge Beru­fung hät­te ein­le­gen kön­nen. Denn maß­geb­lich ist allei­ne die abs­trak­te Mög­lich­keit, ein statt­haf­tes Rechts­mit­tel in der Haupt­sa­che ein­le­gen zu kön­nen 7.

Die unstatt­haf­te Beru­fung der Dritt­wi­der­be­klag­ten lässt sich auch nicht gemäß § 140 BGB ana­log in eine sofor­ti­ge Beschwer­de nach § 99 Abs. 2 ZPO umdeu­ten. Denn eine Umdeu­tung kommt nur dann in Betracht, wenn die Vor­aus­set­zun­gen einer ande­ren, dem glei­chen Zweck die­nen­den Pro­zess­hand­lung erfüllt sind 8. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen nicht vor, weil § 99 Abs. 2 ZPO schon dem Grun­de nach nicht ein­schlä­gig ist und zudem die Dritt­wi­der­be­klag­te ihr Rechts­mit­tel im vor­lie­gen­den Fall nicht bin­nen der mit der Zustel­lung des amts­ge­richt­li­chen Urteils in Gang gesetz­ten Zwei­wo­chen­frist des § 569 Abs. 1 ZPO ein­ge­legt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Sep­tem­ber 2013 – VIII ZB 17/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 18.08.2010 – V ZB 164/​09, WuM 2010, 643 Rn. 5; vom 13.02.2008 – III ZB 33/​07, NJW-RR 2008, 664 Rn. 3[]
  2. Beck­OK-ZPO/Jasper­sen/Wa­che, Stand 15.07.2013, § 96 Rn. 7, § 95 Rn. 5[]
  3. Münch­Komm-ZPO/­Schulz, 4. Aufl., § 99 Rn. 1; Prütting/​Gehrlein/​Schneider, ZPO, 5. Aufl., § 99 Rn. 1; Beck­OK-ZPO/Jasper­sen/Wa­che, aaO, § 99 Rn. 1; vgl. auch BGH, Beschluss vom 08.05.2003 I ZB 41/​02, Fam­RZ 2003, 1269 unter II 2[]
  4. BGH, Urtei­le vom 24.06.1987 – IVb ZR 5/​86, NJW 1988, 49 unter 3 a; vom 21.10.1958 – I ZR 128/​57, NJW 1959, 291 unter II; vom 18.11.1982 – III ZR 113/​79, NJW 1983, 883 unter II 1[]
  5. BGH, Urteil vom 18.11.1963 – VII ZR 182/​62, BGHZ 40, 265, 270[]
  6. BGH, Urteil vom 21.10.1958 – I ZR 128/​57, aaO[]
  7. Münch­Komm-ZPO/­Schulz, aaO Rn. 13; Musielak/​Lackmann, aaO Rn. 5; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 99 Rn. 6; Beck­OK-ZPO/Jasper­sen/Wa­che, aaO Rn. 10; vgl. BGH, Beschluss vom 15.05.2012 – VI ZB 27/​11, NJW-RR 2013, 179 Rn.20[]
  8. BGH, Beschluss vom 12.06.2012 – VIII ZB 80/​11, juris Rn. 9 mwN[]