Kos­ten­er­stat­tung bei der iso­lier­ten Dritt­wi­der­kla­ge

Bei der im Wege der iso­lier­ten Dritt­wi­der­kla­ge gegen den Zeden­ten erho­be­nen nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge ent­ste­hen die Anwalts­ge­büh­ren auf Sei­ten des Klä­gers und des Dritt­wi­der­be­klag­ten jeweils in vol­ler Höhe und sind auch erstat­tungs­fä­hig.

Kos­ten­er­stat­tung bei der iso­lier­ten Dritt­wi­der­kla­ge

Bei der von der Beklag­ten erho­be­nen nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge han­del­te es sich nicht um eine streit­ge­nös­si­sche Dritt­wi­der­kla­ge, die gegen die Klä­ge­rin und den als Par­tei bis­lang nicht betei­lig­ten Dritt­wi­der­be­klag­ten hät­te gerich­tet wer­den müs­sen, son­dern um eine iso­lier­te Dritt­wi­der­kla­ge, die aus­schließ­lich gegen eine außen­ste­hen­de Per­son erho­ben wur­de und die­se in den Rechts­streit ein­be­zog.

Die iso­lier­te Dritt­wi­der­kla­ge ist dadurch gekenn­zeich­net, dass der Klä­ger und der Dritt­wi­der­be­klag­te kei­ne Streit­ge­nos­sen sind. Denn es fehlt gera­de an einer gegen meh­re­re Streit­ge­nos­sen gerich­te­ten Wider­kla­ge, da die­se nur den bis­lang am Ver­fah­ren nicht betei­lig­ten Außen­ste­hen­den betrifft 1.

Grund­sätz­lich setzt eine Wider­kla­ge nach § 33 ZPO aber begriff­lich eine anhän­gi­ge Kla­ge vor­aus. Der Wider­klä­ger muss ein Beklag­ter und der Wider­be­klag­te ein Klä­ger sein. Daher ist eine Wider­kla­ge gegen einen bis­her am Pro­zess nicht betei­lig­ten Drit­ten nur zuläs­sig, wenn sie zugleich gegen­über dem Klä­ger erho­ben wird 2. Eine nega­ti­ve Fest­stel­lungs­wi­der­kla­ge gegen­über der Klä­ge­rin wäre aber nicht zuläs­sig gewe­sen, weil das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen ihr und der Beklag­ten bereits durch den mit der Kla­ge ver­folg­ten Zah­lungs­an­trag voll­stän­dig geklärt wird.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat des­halb unter Berück­sich­ti­gung des pro­zess­öko­no­mi­schen Zwe­ckes der Wider­kla­ge, eine Ver­viel­fäl­ti­gung und Zer­split­te­rung von Pro­zes­sen über einen ein­heit­li­chen Lebens­sach­ver­halt zu ver­mei­den und eine gemein­sa­me Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über zusam­men­ge­hö­ren­de Ansprü­che zu ermög­li­chen, Aus­nah­men von dem vor­ste­hen­den Grund­satz zuge­las­sen, dass eine Wider­kla­ge auch gegen den Klä­ger erho­ben sein muss.

Dritt­wi­der­kla­gen als nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­gen gegen den Zeden­ten sind danach als zuläs­sig ange­se­hen wor­den. Aus­schlag­ge­bend dafür war, dass unab­hän­gig von der Par­tei­stel­lung des Zes­sio­nars eine nur gegen den Zeden­ten erho­be­ne (sog. iso­lier­te) Wider­kla­ge mög­lich sein soll­te, wenn die zu erwar­ten­den Gegen­stän­de der Kla­ge und der Wider­kla­ge tat­säch­lich und recht­lich eng mit­ein­an­der ver­knüpft sind und kei­ne schutz­wür­di­gen Inter­es­sen des Wider­be­klag­ten durch des­sen Ein­be­zie­hung in den Rechts­streit der Par­tei­en ver­letzt wer­den 3.

Vor­lie­gend han­del­te es sich damit grund­sätz­lich um eine zuläs­si­ge iso­lier­te Dritt­wi­der­kla­ge, deren Beson­der­heit aber dar­in besteht, dass ihre Abwehr durch den Dritt­wi­der­be­klag­ten eine zur Anspruchs­ver­fol­gung der Klä­ge­rin ent­ge­gen­ge­setz­te Ziel­rich­tung hat. Letz­te­re kann ihren Zah­lungs­an­trag gegen­über der Beklag­ten nur durch­set­zen, wenn die Ansprü­che aus der Lebens­ver­si­che­rung wirk­sam an sie abge­tre­ten sind. Der Dritt­wi­der­be­klag­te, gegen den die nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge dahin erho­ben wur­de, dass ihm die mit der Kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­che infol­ge der Abtre­tung nicht mehr zuste­hen, kann sich gegen die­se nur weh­ren mit dem Argu­ment, dass er wegen der Unwirk­sam­keit der Abtre­tung nach wie vor Anspruchs­in­ha­ber ist. Die Ziel­rich­tung von Klä­ge­rin und Dritt­wi­der­be­klag­ten ist damit kon­trär, so dass sie an sich nicht durch den­sel­ben Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ver­tre­ten wer­den kön­nen, son­dern jeder von ihnen einen eige­nen Rechts­an­walt beauf­tra­gen müss­te mit der kos­ten­recht­li­chen Fol­ge, dass die Beklag­te und Dritt­wider­klä­ge­rin im Fal­le ihrer Erstat­tungs­pflicht gegen­über der Klä­ge­rin und dem Dritt­wi­der­be­klag­ten die bei zwei Rechts­an­wäl­ten ange­fal­le­nen vol­len Gebüh­ren zu tra­gen hät­te.

Dass hier aus­nahms­wei­se eine gemein­sa­me Ver­tre­tung von Klä­ge­rin und Dritt­wi­der­be­klag­ten mög­lich war, ist allein dar­in begrün­det, dass sich Letz­te­rer nach der Abtre­tung des mit der Kla­ge gel­tend gemach­ten Zah­lungs­an­spruchs nicht mehr berühmt hat und damit sowohl die Klä­ge­rin als auch der Dritt­wi­der­be­klag­te von der Wirk­sam­keit der Abtre­tung aus­ge­gan­gen sind, also die­sel­be Ziel­rich­tung ver­folgt haben mit dem Ergeb­nis, dass die iso­lier­te Dritt­wi­der­kla­ge wegen des feh­len­den Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses (§ 256 Abs. 1 ZPO) durch Teil­ur­teil als unzu­läs­sig abge­wie­sen wur­de. Die­se Fall­kon­stel­la­ti­on kann aber nicht bewir­ken, dass nun­mehr von einer streit­ge­nös­si­schen Ver­bun­den­heit von Klä­ge­rin und Dritt­wi­der­be­klag­ten aus­zu­ge­hen ist und eine Kos­ten­haf­tung der Beklag­ten gegen­über dem Dritt­wi­der­be­klag­ten auf­grund der Kos­ten­ent­schei­dung in dem Teil­ur­teil nach den für die Streit­ge­nos­sen­schaft ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen zu behan­deln ist, d.h. für den ein­zel­nen Streit­ge­nos­sen auf den Bruch­teil der Anwalts­kos­ten zu beschrän­ken ist, den sei­ne Betei­li­gung an der Streit­ge­nos­sen­schaft aus­macht 4.

Abge­se­hen davon han­delt es sich bei der Ver­fol­gung des Klag­an­spru­ches für die Klä­ge­rin und bei der Abwehr der nega­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge für den Dritt­wi­der­be­klag­ten nicht um die­sel­be Ange­le­gen­heit im Sin­ne der §§ 7 Abs. 1, 15 Abs. 2 S. 1 RVG mit der Fol­ge, dass der Rechts­an­walt die Gebüh­ren ins­ge­samt nur ein­mal for­dern kann.

Denn auf­trags­ge­mäß erbrach­te anwalt­li­che Leis­tun­gen betref­fen nur dann die­sel­be Ange­le­gen­heit, wenn zwi­schen ihnen ein inne­rer Zusam­men­hang besteht und sie sowohl inhalt­lich als auch in der Ziel­set­zung so weit­ge­hend über­ein­stim­men, dass von einem ein­heit­li­chen Rah­men der anwalt­li­chen Tätig­keit gespro­chen wer­den kann 5.

Es fehlt, wie oben bereits dar­ge­legt, an der über­ein­stim­men­den Ziel­set­zung der anwalt­li­chen Tätig­keit sowohl für die Klä­ge­rin als auch für den Dritt­wi­der­be­klag­ten. Die Ziel­rich­tung der Kla­ge und der Abwehr der Dritt­wi­der­kla­ge ist viel­mehr kon­trär, so dass an sich die Klä­ge­rin und der Dritt­wi­der­be­klag­te jeweils einen eige­nen Anwalt beauf­tra­gen müss­ten, was hier nur des­halb nicht erfor­der­lich war, weil die Beklag­te eine – man­gels Fest­stel­lungs­in­ter­es­se – unzu­läs­si­ge iso­lier­te Dritt­wi­der­kla­ge erho­ben hat­te.

Hier­durch wird aber weder eine Streit­ge­nos­sen­schaft zwi­schen Klä­ge­rin und Dritt­wi­der­be­klag­ten begrün­det, die eine Wider­kla­ge sowohl gegen die Klä­ge­rin als auch gegen den Dritt­wi­der­be­klag­ten erfor­dern wür­de, noch das Vor­lie­gen der­sel­ben Ange­le­gen­heit im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne (§§ 7 Abs. 1, 15 Abs. 2 S. 1 RVG).

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 8. Novem­ber 2012 – 8 W 419/​12

  1. BGH, Beschluss vom 30.09.2010 – Xa ARZ 129/​10; BGH, Beschluss vom 30.09.2010 – Xa ARZ 208/​10; BGH NJW 2011, 460; OLG Hamm, Beschluss vom 31.05.2010 – 32 Sbd 128/​09; OLGR Braun­schweig 2009, 790; OLG Mün­chen NJW 2009, 2609; OLGR Mün­chen 2009, 448; je m.w.N.[]
  2. BGH NJW 1975, 1228, m.w.N.[]
  3. BGH NJW 2008, 2852; BGH NJW 2007, 1753; je m.w.N.[]
  4. vgl. hier­zu: Schnapp in Schneider/​Wolf, Anwalt­kom­men­tar, RVG, 5. Auf­la­ge 2010, § 7 RVG Rn. 46 ff.; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 20. Auf­la­ge 2012, Nr. 1008 RVG-VV Rn. 283 ff.; BGH NJW-RR 2006, 1508 und 215; BGH NJW-RR 2003, 1507 und 1217; je m.w.N.[]
  5. vgl. im Ein­zel­nen zur Defi­ni­ti­on der Ange­le­gen­heit, die meh­re­re Gegen­stän­de umfas­sen kann: BGH NJW 2011, 782 und 155; und spe­zi­ell bezo­gen auf die streit­ge­nös­si­sche Dritt­wi­der­kla­ge: OLGR Mün­chen 1995, 12; je m.w.N.[]