Kos­ten­er­stat­tung für den Ver­kehrs­an­walt

Die Kos­ten für einen Ver­kehrs­an­walt sind im Revi­si­ons­ver­fah­ren nur bei Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de erstat­tungs­fä­hig.

Kos­ten­er­stat­tung für den Ver­kehrs­an­walt

Die Ein­schal­tung eines Ver­kehrs­an­walts ist für das Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­tei­di­gung im Sin­ne von § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO not­wen­dig.

Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass im Beru­fungs­ver­fah­ren Ver­kehrs­an­walts­kos­ten grund­sätz­lich nicht erstat­tungs­fä­hig sind 1.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te und der all­ge­mei­nen Mei­nung im Schrift­tum sind auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren Kos­ten für einen Ver­kehrs­an­walt nur im Aus­nah­me­fall erstat­tungs­fä­hig 2.

Die­se Ansicht trifft zu. Der Ver­kehrs­an­walt hat nach VV RVG 3400 einen beschränk­ten Pflich­ten­kreis; er führt ledig­lich den Ver­kehr der Par­tei mit dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, wäh­rend die Pro­zess­füh­rung und die damit ver­bun­de­ne Bera­tung von dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten in eige­ner Ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men ist 3. Eine Sach­stands­un­ter­rich­tung des Revi­si­ons­an­walts durch den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens ist in der Regel nicht erfor­der­lich, da in der Revi­si­ons­in­stanz das ange­foch­te­ne Urteil ledig­lich anhand des vom Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts auf Rechts­feh­ler und anhand des aus den Gerichts­ak­ten ersicht­li­chen Sach­ver­halts auf erho­be­ne Ver­fah­rens­rügen hin über­prüft wird 4. Dem­entspre­chend kommt nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Bei­ord­nung eines Ver­kehrs­an­walts auf Pro­zess- bzw. Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe­ba­sis im Rechts­be­schwer­de- und Revi­si­ons­ver­fah­ren nur bei Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de in Betracht 5.

Soweit die Par­tei sich all­ge­mein dar­auf beruft, es kön­ne erfor­der­lich sein, aus den Akten ersicht­li­chen und unbe­rück­sich­tigt gelas­se­nen Sach­vor­trag erneut dar­zu­le­gen, kann ihr das nicht zum Erfolg ver­hel­fen, weil sie nicht dar­legt, dass ein sol­cher Fall vor­lag und für die Revi­si­ons­be­grün­dung die Ver­wer­tung von Infor­ma­tio­nen, die sich nicht aus dem Beru­fungs­ur­teil erga­ben, erfor­der­lich war. Des­halb kann sie auch nicht mit dem Argu­ment durch­drin­gen, sie habe von dem Sach­ver­halt selbst kei­ner­lei Kennt­nis gehabt und sei daher nicht in der Lage gewe­sen, eine Bera­tung mit dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten am Bun­des­ge­richts­hof wahr­zu­neh­men, was ihre Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des­halb hät­ten tun müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Novem­ber 2014 – VII ZB 46/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 07.06.2006 XII ZB 245/​04, NJW-RR 2006, 1563 Rn. 6 f.; vom 21.09.2005 – IV ZB 11/​04, NJW 2006, 301, 302; Urteil vom 21.03.1991 – IX ZR 186/​90, NJW 1991, 2084, 2085 f.[]
  2. OLG Ham­burg, Jur­Bü­ro 2012, 371; OLG Nürn­berg, AGS 2010, 622, 623; OLG Köln, Jur­Bü­ro 2010, 37, 38; OLG Nürn­berg, MDR 2005, 298; OLG Hamm, AnwBl 2003, 185; OLG Stutt­gart, Jus­tiz 2000, 304; OLG Dres­den, MDR 1998, 1372; OLG Mün­chen, MDR 1992, 524, 525; OLG Koblenz, Jur­Bü­ro 1991, 243; Musielak/​Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 91 Rn. 29 f.; Mock/​N. Schnei­der in Schneider/​Wolf, AnwK RVG, 7. Aufl., VV 34013402 Rn. 102 f.; Zöller/​Herget, ZPO, 30. Aufl., § 91 Rn. 13 unter "Ver­kehrs­an­walt"[]
  3. BGH, Beschluss vom 07.06.2006 XII ZB 245/​04, aaO Rn. 7; Beschluss vom 21.09.2005 – IV ZB 11/​04, aaO, 302; Mock/​N. Schnei­der, aaO Rn. 98[]
  4. vgl. OLG Ham­burg, Jur­Bü­ro 2012, 371, 372; OLG Hamm, AnwBl 2003, 185; OLG Dres­den, MDR 1998, 1372; OLG Koblenz, Jur­Bü­ro 1991, 243; Mock/​N. Schnei­der, aaO Rn. 103[]
  5. BGH, Beschluss vom 29.06.2011 – V ZA 10/​11 3; Beschluss vom 09.12 2010 – V ZA 32/​10 2; Beschluss vom 04.08.2004 – XII ZA 6/​04, NJW-RR 2004, 1662; Beschluss vom 07.06.1982 – VIII ZR 118/​80, Jur­Bü­ro 1982, 1335[]