Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren – und die Kos­ten eines Pri­vat­gut­ach­ters

Mit der Gel­tend­ma­chung von für die Inan­spruch­nah­me eines Pri­vat­gut­ach­ters ange­fal­le­nen Kos­ten im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren, wenn die Kos­ten nicht von der Par­tei selbst, son­dern von dem hin­ter die­ser ste­hen­den Haft­pflicht­ver­si­che­rer getra­gen wor­den sind, hat­te sich erneut 1 der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren – und die Kos­ten eines Pri­vat­gut­ach­ters

Nach § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO hat die unter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, ins­be­son­de­re die dem Geg­ner erwach­se­nen Kos­ten zu erstat­ten, soweit sie zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­dig waren. Dazu kön­nen nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch die Kos­ten für die Ein­ho­lung eines Pri­vat­sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens gehö­ren, wenn sie unmit­tel­bar pro­zess­be­zo­gen sind 2. Zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung not­wen­dig ist die Ein­ho­lung eines Pri­vat­gut­ach­ters dann, wenn eine ver­stän­di­ge und wirt­schaft­lich ver­nünf­tig den­ken­de Par­tei die Kos­ten aus­lö­sen­de Maß­nah­me ex ante als sach­dien­lich anse­hen durf­te. Dabei darf die Par­tei die zur vol­len Wahr­neh­mung ihrer Belan­ge erfor­der­li­chen Schrit­te ergrei­fen 3.

Die Ein­ho­lung eines Pri­vat­gut­ach­tens kann zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung not­wen­dig sein, wenn die Par­tei ohne ein sol­ches Gut­ach­ten ein ihr nach­tei­li­ges Gerichts­sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht zu erschüt­tern ver­mag 4. Es han­delt sich dabei aber nicht um die ein­zi­ge Fall­kon­stel­la­ti­on, in der die Ein­ho­lung eines Pri­vat­gut­ach­tens erfor­der­lich ist. Die Not­wen­dig­keit der Ein­ho­lung eines Pri­vat­gut­ach­tens kann auch dar­auf gestützt wer­den, dass der Beklag­te für die sich im Ver­fah­ren stel­len­den Fra­gen nicht hin­rei­chend kom­pe­tent gewe­sen.

Für den Bun­des­ge­richts­hof stell­te sich im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch die Fra­ge, ob der Beklag­te zur Gel­tend­ma­chung des die Pri­vat­gut­ach­ter­kos­ten betref­fen­den Teils des pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs (noch oder wie­der) befugt war.

In sei­nem die ers­te Beschwer­de­ent­schei­dung in die­sem Ver­fah­ren auf­he­ben­den Beschluss vom 25.10.2016 5 hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­führt, dem Beklag­ten kön­ne die Fest­set­zung der für den Pri­vat­gut­ach­ter ange­fal­le­nen Kos­ten nicht mit der Begrün­dung ver­sagt wer­den, die Kos­ten sei­en nicht ihm, son­dern sei­nem Haft­pflicht­ver­si­che­rer ent­stan­den 6. Damit ist frei­lich nicht gesagt, dass der in der Hand der Par­tei ent­stan­de­ne und auf den Ersatz der Kos­ten des Pri­vat­gut­ach­tens gerich­te­te pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch nicht auf­grund einer an die Zah­lung eines Drit­ten anknüp­fen­den Son­der­vor­schrift auf die­sen über­geht. Dies ist im Streit­fall nach der Vor­schrift des § 86 Abs. 1 Satz 1 VVG, die nach all­ge­mei­ner Mei­nung 7 auch pro­zes­sua­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­che erfasst, grund­sätz­lich der Fall 8. Das Beschwer­de­ge­richt wird des­halb noch zu klä­ren haben, ob der Beklag­te den Ersatz der Kos­ten des Pri­vat­gut­ach­ters aus eige­nem Recht oder in gewill­kür­ter Pro­zess­stand­schaft für sei­nen Haft­pflicht­ver­si­che­rer 9 gel­tend macht und ob die dafür jeweils erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. April 2019 – VI ZB 41/​17

  1. Fort­füh­rung BGH, Beschlüs­se vom 25.10.2016 – VI ZB 8/​16, NJW 2017, 672; und vom 13.09.2011 – VI ZB 42/​10, VersR 2011, 1584 Rn. 13
  2. BGH, Beschluss vom 26.02.2013 – VI ZB 59/​12, NJW 2013, 1823 Rn. 4, mwN
  3. BGH Beschluss vom 26.02.2013 – VI ZB 59/​12, aaO Rn. 5; Beschluss vom 20.12 2011 – VI ZB 17/​11, BGHZ 192, 140 Rn. 13
  4. BGH, Beschluss vom 20.12 2011 – VI ZB 17/​11, BGHZ 192, 140 Rn. 13, mwN
  5. BGH, Beschluss vom 25.10.2016 – VI ZB 8/​16, NJW 2017, 672
  6. vgl. zur Reich­wei­te der Bin­dungs­wir­kung an die recht­li­che Beur­tei­lung des Revi­si­ons­bzw. Rechts­be­schwer­de­ge­richts: BGH, Beschluss vom 01.06.2017 – IX ZR 204/​15, NJW-RR 2017, 1020 Leit­satz 1 und Rn. 7
  7. vgl. etwa OLG Saar­brü­cken, VersR 2007, 1554, 1555; OLG Köln, VersR 1977, 317; NJW 1973, 905; BHHJ/​Jahnke, 25. Aufl.2018, VVG § 86 Rn. 37; Langheid/​Wandt/​Möller/​Segger, 2. Aufl.2016, VVG § 86 Rn. 72; Prölss/​Martin/​Armbruster, 30. Aufl.2018, VVG § 86 Rn. 7
  8. vgl. Fölsch, MDR 2017, 262 f., Han­sens, zfs 2017, 106, 107 f.; ders., RVGre­port 2017, 66, 67 f.
  9. vgl. Han­sens, zfs 2017, 106, 107 f.; ders., RVGre­port 2017, 66, 67 f.