Kos­ten­grund­ent­schei­dung per Ergän­zungs­be­schluss – und kein Rechts­mit­tel?

Gegen einen aus­schließ­lich eine Kos­ten­ent­schei­dung ent­hal­ten­den Ergän­zungs­be­schluss kann gemäß § 99 Abs. 1 ZPO ein Rechts­mit­tel nur ein­ge­legt wer­den, wenn auch der Aus­gangs­be­schluss ange­foch­ten ist.

Kos­ten­grund­ent­schei­dung per Ergän­zungs­be­schluss – und kein Rechts­mit­tel?

Nach § 321 ZPO kann ein Urteil unter ande­rem dann ergänzt wer­den, wenn der Kos­ten­punkt bei der End­ent­schei­dung ganz oder teil­wei­se über­gan­gen ist. Die­se Vor­schrift fin­det auf Beschlüs­se ent­spre­chen­de Anwen­dung 1.

Der Ergän­zungs­be­schluss ist eine selb­stän­di­ge Ent­schei­dung, für die die glei­chen Ver­fah­rens­re­geln gel­ten wie für ande­re Beschlüs­se. Dem­entspre­chend rich­tet sich die Statt­haf­tig­keit und Zuläs­sig­keit von Rechts­mit­teln allein nach den für Beschlüs­se gel­ten­den Rege­lun­gen 2. Beinhal­tet der Ergän­zungs­be­schluss aus­schließ­lich eine Kos­ten­ent­schei­dung, fin­det § 99 Abs. 1 ZPO Anwen­dung. Danach ist die Anfech­tung einer Kos­ten­ent­schei­dung unzu­läs­sig, wenn nicht gegen die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che ein Rechts­mit­tel ein­ge­legt wird. Auf die­ser Grund­la­ge ent­spricht es der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass eine nach § 321 ZPO hin­sicht­lich der Kos­ten erge­hen­de ergän­zen­de Ent­schei­dung mit Rechts­mit­teln ange­grif­fen wer­den kann, wenn gleich­zei­tig das gegen die Aus­gangs­ent­schei­dung statt­haf­te Rechts­mit­tel in zuläs­si­ger Wei­se ein­ge­legt ist 3.

Da im Zeit­punkt der Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de gegen den Ergän­zungs­be­schluss das Beschwer­de­ver­fah­ren gegen den Aus­gangs­be­schluss rechts­kräf­tig abge­schlos­sen war, lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen die in einem Ergän­zungs­be­schluss ent­hal­te­ne Kos­ten­ent­schei­dung zur Über­prü­fung gestellt wer­den kann, nicht vor.

Die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beschwer­de­ge­richt ändert an dem Aus­schluss des Rechts­mit­tel­we­ges zum Bun­des­ge­richts­hof nichts. Eine Bin­dung des Rechts­be­schwer­de­ge­richts an die Zulas­sung gemäß § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO besteht nicht, weil eine Ent­schei­dung, die vom Gesetz der Anfech­tung ent­zo­gen ist, auch bei irri­ger Rechts­mit­tel­zu­las­sung unan­fecht­bar bleibt. Die Bin­dungs­wir­kung der Rechts­mit­tel­zu­las­sung umfasst bei der Rechts­be­schwer­de gemäß § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO nur die Beja­hung der in § 574 Abs. 3 Satz 1, § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO genann­ten Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen. Die Zulas­sung des Rechts­mit­tels führt dage­gen nicht dazu, dass dadurch ein gesetz­lich nicht vor­ge­se­he­ner Instan­zen­zug eröff­net wird 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Novem­ber 2016 – VII ZB 59/​14

  1. BGH, Beschluss vom 08.07.2014 – XI ZB 7/​13, NJW 2014, 3101 Rn. 12; Musielak/​Voit/​Musielak, ZPO, 13. Aufl., § 329 Rn.20; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 31. Aufl., § 329 Rn. 41[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 20.06.2000 – VI ZR 2/​00, NJW 2000, 3008 5; Musielak/​Voit/​Musielak, aaO, § 321 Rn. 13[]
  3. BGH, Urtei­le vom 28.11.1955 – II ZR 19/​55, BGHZ 19, 172, 174 f.; vom 28.04.1987 – VI ZR 1/​86, – VI ZR 43/​86, NJW 1987, 2997 8; vom 04.04.1984 – VIII ZR 313/​82, ZIP 1984, 1107, 1113 78[]
  4. BGH, Beschluss vom 07.02.2013 – VII ZB 58/​12, NJW-RR 2013, 1081 Rn. 8; Beschluss vom 12.05.2015 – II ZB 18/​14 Rn. 4[]