Kos­ten­quo­te bei bezif­fer­tem Ord­nungs­mit­tel­an­trag

Ein Teil­un­ter­lie­gen im Sin­ne von § 92 ZPO des Gläu­bi­gers im Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren gemäß § 890 Abs. 1 ZPO ist anzu­neh­men, wenn der Gläu­bi­ger in sei­nem Antrag einen Min­dest­be­trag des fest­zu­set­zen­den Ord­nungs­gel­des nennt und das Gericht einen gerin­ge­ren Betrag fest­setzt.

Kos­ten­quo­te bei bezif­fer­tem Ord­nungs­mit­tel­an­trag

Die Gläu­bi­ge­rin ist an den Kos­ten des Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­rens antei­lig zu betei­li­gen, wenn sie mit ihrem Antrag auf Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des gegen den Schuld­ner teil­wei­se unter­le­gen ist. Die antei­li­ge Kos­ten­tra­gungs­pflicht der Gläu­bi­ge­rin ergibt sich aus § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Gemäß § 891 Satz 3 ZPO ist die­se Bestim­mung auf den Ord­nungs­mit­tel­an­trag gemäß § 890 Abs. 1 ZPO ent­spre­chend anzu­wen­den.

Die Gläu­bi­ge­rin ist im hier ent­schie­de­nen Fall im Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren – bean­tragt war ein Ord­nungs­geld "nicht unter 3.500 €", ver­hängt wur­de vom Gericht eines in Höhe von 500 € – auch im Sin­ne von § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO teil­wei­se unter­le­gen.

Ein zur antei­li­gen Kos­ten­tra­gung füh­ren­des Teil­un­ter­lie­gen des Gläu­bi­gers wird teil­wei­se ver­neint, wenn das Gericht in sei­ner Ent­schei­dung hin­ter einer im Antrag gemäß § 890 Abs. 1 ZPO bezif­fer­ten Höhe des fest­zu­set­zen­den Ord­nungs­gel­des zurück­bleibt 1. Die­ser Auf­fas­sung kann vom Bun­des­ge­richts­hof nicht zuge­stimmt wer­den.

Soweit eine Ableh­nung der Kos­ten­last des Gläu­bi­gers damit begrün­det wird, die Kos­ten­ent­schei­dung im Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren rich­te sich nach der all­ge­mei­nen Rege­lung des § 788 Abs. 1 ZPO, so dass es allein auf die Not­wen­dig­keit der durch den Ord­nungs­mit­tel­an­trag aus­ge­lös­ten Kos­ten ankom­me 2, steht dies nicht in Ein­klang mit der Bestim­mung des § 891 Satz 3 ZPO. Mit der Schaf­fung der Ver­wei­sung in die­ser Bestim­mung woll­te der Gesetz­ge­ber im Hin­blick auf die Kos­ten­ent­schei­dung aus­drück­lich der Mög­lich­keit Rech­nung tra­gen, dass Voll­stre­ckungs­an­trä­ge des Gläu­bi­gers nur teil­wei­se erfolg­reich sind 3. Auf die Kos­ten­ent­schei­dung im Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren nach § 890 Abs. 1 ZPO ist die Rege­lung des § 788 Abs. 1 ZPO des­halb nicht mehr anwend­bar 4.

Die gegen­tei­li­ge Ansicht kann auch nicht damit begrün­det wer­den, es han­de­le sich bei der Bezif­fe­rung eines Ord­nungs­gel­des durch den Gläu­bi­ger ledig­lich um eine blo­ße Anre­gung für die vor­zu­neh­men­de Ermes­sens­ent­schei­dung des Gerichts 5.

Aller­dings muss der Antrag gemäß § 890 Abs. 1 ZPO kein bestimm­tes Ord­nungs­mit­tel und des­sen Höhe bezeich­nen 6. Viel­mehr steht die Wahl zwi­schen Ord­nungs­geld und Ord­nungs­haft und die Bestim­mung der Höhe des Ord­nungs­mit­tels im Ermes­sen des Gerichts 7. Dies steht jedoch der Berück­sich­ti­gung der vom Gläu­bi­ger den­noch aus­drück­lich ange­ge­be­nen Höhe des bean­trag­ten Ord­nungs­mit­tels oder eines Min­dest­be­trags bei der Kos­ten­ent­schei­dung des Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­rens nicht ent­ge­gen. So ergibt sich aus § 92 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, dass das Gericht bei in sein rich­ter­li­ches Ermes­sen gestell­ten Ent­schei­dun­gen zwar die Mög­lich­keit hat, nur einer Par­tei die gesam­ten Pro­zess­kos­ten auf­zu­er­le­gen. Zwin­gend ist dies jedoch nach dem kla­ren Geset­zes­wort­laut nicht. Mög­lich bleibt auch in die­sen Fäl­len eine Kos­ten­tei­lung nach den Grund­sät­zen des § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Dies ist regel­mä­ßig gebo­ten, wenn der Klä­ger einen bestimm­ten Betrag for­dert 8.

Für die Annah­me eines Teil­un­ter­lie­gens im Sin­ne des § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO spricht fer­ner, dass die Anga­be der Min­dest­hö­he des Ord­nungs­mit­tels für die Bestim­mung des Rechts­schutz­ziels des Gläu­bi­gers ver­fah­rens­recht­lich auch ansons­ten von Bedeu­tung ist. So kann der Gläu­bi­ger mit einer Beschwer­de gegen den Fest­set­zungs­be­schluss nach § 891 Satz 1 ZPO allein das Ziel ver­fol­gen, das Ord­nungs­mit­tel zu ver­schär­fen 9. Kann sich der Gläu­bi­ger aber mit der Anga­be eines bestimm­ten Ord­nungs­gel­des oder eines Min­dest­be­tra­ges eine Beschwer und damit eine Rechts­mit­tel­mög­lich­keit schaf­fen, muss er sich an die­ser Kon­kre­ti­sie­rung sei­nes Rechts­schutz­ziels auch bei der Fra­ge fest­hal­ten las­sen, ob er mit sei­nem Begeh­ren im Sin­ne von § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO teil­wei­se unter­le­gen und er des­halb an den Kos­ten des Ver­fah­rens zu betei­li­gen ist.

Für die Annah­me eines Teil­un­ter­lie­gens im Sin­ne von § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO in Ver­bin­dung mit § 891 Satz 3 ZPO ist es ohne Bedeu­tung, ob der Gläu­bi­ger sei­ne Vor­stel­lun­gen zur Höhe des fest­zu­set­zen­den Ord­nungs­mit­tels in Form eines bezif­fer­ten Antrags zum Aus­druck bringt oder ob er wie im Streit­fall in der zur Aus­le­gung des Antrags her­an­zu­zie­hen­den Begrün­dung 10 einen fest­zu­set­zen­den Min­dest­be­trag nennt und damit zum Aus­druck bringt, dass sein Rechts­schutz­ziel bei des­sen Unter­schrei­tung nicht erreicht ist. Maß­ge­bend für eine Kos­ten­be­tei­li­gung des Gläu­bi­gers ist allein, ob er erkenn­bar Wert auf die Höhe des Ord­nungs­mit­tels gelegt hat 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2015 – I ZB 55/​13

  1. OLG Hamm, GRUR 1994, 83, 84; Ahrens in Ahrens, Wett­be­werbs­pro­zess, 7. Aufl., Kap. 68 Rn. 32; aA wohl OLG Hamm, WRP 2001, 55, 57; Musielak/​Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 890 Rn. 11; offen­ge­las­sen vom OLG Mün­chen, NJW-RR 1991, 1086, 1087[]
  2. vgl. OLG Hamm, GRUR 1994, 83, 84; wohl auch Stur­han in Schuschke/​Walker, Voll­stre­ckung und Vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., § 891 Rn. 6[]
  3. vgl. Gesetz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes zur 2. Zwangs­voll­stre­ckungs­no­vel­le, BT-Drs. 13/​341, S. 41; Storz in Wieczorek/​Schütze, ZPO, 3. Aufl., § 891 Rn. 16[]
  4. Teplitz­ky, Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprü­che und Ver­fah­ren, 10. Aufl., Kap. 57 Rn. 46; Zöller/​Stöber, ZPO, 30. Aufl., § 891 Rn. 2; Olzen in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 6. Aufl., § 891 Rn. 4; Sei­ler in Thomas/​Putzo, ZPO, § 891 Rn. 6; Saenger/​Pukall, ZPO, 5. Aufl., § 891 Rn. 5; Musielak/​Lackmann aaO § 891 Rn. 3[]
  5. OLG Hamm, GRUR 1994, 83, 84; Ahrens aaO Kap. 68 Rn. 32[]
  6. Zöller/​Stöber aaO § 890 Rn. 13; Musielak/​Lackmann aaO § 890 Rn. 8; Gru­ber in MünchKomm-.ZPO, 4. Aufl., § 890 Rn. 30[]
  7. Zöller/​Stöber aaO § 890 Rn. 17; Bendt­sen in Kind­l/­Mel­ler-Han­nich/­Wolf, Zwangs­voll­stre­ckung, 2. Aufl., § 890 Rn. 61[]
  8. Schulz in MünchKomm-.ZPO aaO § 92 Rn. 23; Saenger/​Gierl, ZPO aaO § 92 Rn. 18; Zöller/​Herget aaO § 92 Rn. 12; Jaspersen/​Wache in BeckOK.ZPO, Stand 15.08.2014, § 92 Rn. 36[]
  9. Zöller/​Stöber aaO § 890 Rn. 28; Musielak/​Lackmann aaO § 890 Rn.20; Saenger/​Pukall aaO § 890 Rn. 37[]
  10. vgl. dazu Gru­ber in MünchKomm-.ZPO aaO § 890 Rn. 30[]
  11. vgl. auch Musielak/​Lackmann aaO § 890 Rn. 11[]