Kos­ten­tra­gungs­pflicht – trotz Obsie­gens in der Haupt­sa­che

Nach § 96 ZPO kön­nen die Kos­ten eines ohne Erfolg geblie­be­nen Angriffs­o­der Ver­tei­di­gungs­mit­tels der Par­tei auf­er­legt wer­den, die es gel­tend gemacht hat, auch wenn sie in der Haupt­sa­che (teil­wei­se) obsiegt.

Kos­ten­tra­gungs­pflicht – trotz Obsie­gens in der Haupt­sa­che

Die Vor­schrift ist als Aus­nah­me­tat­be­stand vom Grund­satz der Ein­heit der Kos­ten­ent­schei­dung eng aus­zu­le­gen. Zwar ver­langt die Norm kein Ver­schul­den auf Sei­ten der obsie­gen­den Par­tei. Jedoch ist im Rah­men ihrer Anwen­dung das mit ihr ver­folg­te Ziel, die Par­tei­en zu einer spar­sa­men Pro­zess­füh­rung anzu­hal­ten 1 sowie das der Norm inne­woh­nen­de Ver­an­las­ser­prin­zip zu berück­sich­ti­gen. Eben­so wie bei ande­ren Vor­schrif­ten, die eine Kos­ten­tren­nung sogar gebie­ten, wie etwa § 93, § 95, § 97 Abs. 2, § 100 Abs. 3, § 281 Abs. 3 Satz 2, § 344 ZPO, und denen ein unwirt­schaft­li­ches oder pro­zess­ver­län­gern­des Ver­hal­ten vor­aus­geht, kommt auch § 96 ZPO in kos­ten­recht­li­cher Hin­sicht ein Sank­ti­ons­cha­rak­ter zu. Daher reicht es gera­de nicht aus, dass ein­zel­ne Angriffsund Ver­tei­di­gungs­mit­tel ver­wor­fen wer­den, da die Par­tei­en in der Wahl ihrer Rechts­ver­fol­gung auch mit Blick auf dro­hen­de Kos­ten­fol­gen frei sein müs­sen 2. Viel­mehr ist maß­ge­bend in die Abwä­gung ein­zu­stel­len, ob die Erfolg­lo­sig­keit des Angriffs­o­der Ver­tei­di­gungs­mit­tels für die Par­tei vor­aus­seh­bar war 3.

Die Pro­zess­füh­rung der dar­le­gungs­und beweis­pflich­ti­gen Par­tei wür­de fak­tisch beein­träch­tigt, wenn sie die Kos­ten des Beweis­mit­tels (hier: der Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten) allein des­halb tra­gen müss­te, weil hier­mit die von ihr auf­ge­stell­te Behaup­tung ex post nicht, bezie­hungs­wei­se wie vor­lie­gend nicht in Gän­ze, bewie­sen wer­den konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. April 2019 – VIII ZR 33/​18

  1. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Schulz, aaO Rn. 1[]
  2. vgl. Hahn/​Mugdan, Die gesam­ten Mate­ria­li­en zu den Reichs­jus­tiz­ge­set­zen, Band 2, Neu­druck 1983, S.199[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 11.12 1979 – X ZR 49/​74, NJW 1980, 838 unter III, inso­weit in BGHZ 76, 50 nicht abge­druckt; Smid/​Hartmann in: Wieczorek/​Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 96 Rn. 6; Stein/​Jonas/​Muthorst, ZPO, 23. Aufl., § 96 Rn. 1[]