Kos­ten­über­schrei­tung bei unzu­tref­fen­den Anga­ben des Bestel­lers

§ 650 BGB ist weder unmit­tel­bar noch ent­spre­chend anwend­bar, wenn die Über­schrei­tung einer Kos­ten­an­ga­be des Unter­neh­mers dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, dass der Bestel­ler dem Unter­neh­mer unzu­tref­fen­de Anga­ben über den Um-fang des her­zu­stel­len­den Werks (hier der Umfang der von dem Unter­neh­mer zu digi­ta­li­sie­ren­den Brut­to­ge­schoss­flä­che) zur Ver­fü­gung gestellt hat.

Kos­ten­über­schrei­tung bei unzu­tref­fen­den Anga­ben des Bestel­lers

Dabei kann es für den Bun­des­ge­richgs­hof dahin­ge­stellt blei­ben, ob auch in Fäl­len, in denen dem Ver­trag zwar kein Kos­ten­an­schlag zugrun­de gele­gen hat, sich die Par­tei­en aber auf ande­rer Grund­la­ge über die zu erwar­ten­den Kos­ten kon­kret einig gewor­den sind, wie zum Bei­spiel auf Grund der Erfah­rung bei einem frü­he­ren Par­al­lel­pro­jekt 1, eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 650 BGB in Betracht kommt. Eine sol­che Ana­lo­gie ist jeden­falls dann aus­ge­schlos­sen, wenn die Über­schrei­tung der ursprüng­li­chen Kos­ten­an­ga­ben auf Umstän­de zurück­zu­füh­ren ist, die nicht in der Risi­ko­sphä­re des Unter­neh­mers, son­dern in der des Bestel­lers lie­gen. § 650 BGB räumt dem Bestel­ler bei einer wesent­li­chen Über­schrei­tung des Kos­ten­an­schlags ein Kün­di­gungs­recht nach § 645 Abs. 1 BGB ein und begüns­tigt die­sen damit gegen­über der all­ge­mei­nen Rege­lung in § 649 Satz 2 BGB, wonach der Unter­neh­mer bei Kün­di­gung des Ver­tra­ges durch den Bestel­ler die gesam­te Ver­gü­tung abzüg­lich erspar­ter Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen kann. Der Vor­schrift liegt die Erwä­gung zugrun­de, dass die irri­ge Annah­me des Bestel­lers, das Werk zu dem vom Unter­neh­mer ver­an­schlag­ten Preis erhal­ten zu kön­nen, nicht als Moti­virr­tum unbe­ach­tet blei­ben darf, weil die Ursa­che für die­sen Irr­tum letzt­lich im Bereich des Unter­neh­mers liegt, mag die­ser sie auch nicht im Sin­ne des § 276 BGB zu ver­tre­ten haben 2. Es han­delt sich um eine Son­der­re­ge­lung der Fol­gen des Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge, wobei die Geschäfts­grund­la­ge in dem im Kos­ten­an­schlag zum Aus­druck gekom­me­nen Ver­hält­nis zwi­schen Leis­tung und Gegen-leis­tung, zwi­schen dem vom Unter­neh­mer zu erbrin­gen­den Werk und sei­ner für die­se sei­ne Leis­tung kal­ku­lier­ten Ver­gü­tung, zu sehen ist 3. § 650 BGB ist damit nicht anwend­bar, wenn der Unter­neh­mer (etwa der Archi­tekt) einen Kos­ten­an­schlag über von Drit­ten zu erbrin­gen­de Leis­tun­gen erstellt 4. Glei­ches gilt, wenn die Kos­ten­über­schrei­tung Anga­ben betrifft, die dem Unter­neh­mer von dem Bestel­ler zur Ver­fü­gung gestellt wor­den sind und des­sen Geschäfts­be­reich betref­fen. Denn auch in die­sem Fall ent­stammt die Ursa­che für den Irr­tum des Bestel­lers nicht der Risi­ko­sphä­re des Unter­neh­mers.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Dezem­ber 2010 – X ZR 122/​07

  1. vgl. dazu Staudinger/​Peters, BGB, Bearb. 2008, § 650 Rn. 21[]
  2. BGH, Urteil vom 23.10.1972 – VII ZR 50/​72, BGHZ 59, 339 sub II.1; MünchKomm./Busche, BGB, 5. Aufl., § 650 Rn. 1[]
  3. BGH, Urteil vom 23. 10.1972 – VII ZR 50/​72, BGHZ 59, 339 sub II.1; Staudinger/​Peters, aaO Rn. 18; kri­tisch: MünchKomm./Busche, aaO Rn. 2[]
  4. BGH, Urteil vom 23.10.1972 – VII ZR 50/​72, BGHZ 59, 339 sub II.2[]