Kos­ten­vor­schuss im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Gegen die gericht­li­che Anfor­de­rung eines Kos­ten­vor­schus­ses ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof jetzt ent­schie­den hat, auch im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren kein Rechts­mit­tel gege­ben.

Kos­ten­vor­schuss im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Die Fra­ge, ob die gericht­li­che Anfor­de­rung eines Aus­la­gen­vor­schus­ses im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren mit der sofor­ti­gen Beschwer­de anfecht­bar ist, wur­de in der Recht­spre­chung bis­her teils bejaht 1, teils ver­neint 2. Der ver­nei­nen­den Ansicht hat sich jetzt der BGH ange­schlos­sen. Dies ergibt sich, so der BGH, aus § 567 Abs. 1 ZPO. Weder ist im Gesetz aus­drück­lich bestimmt, dass gegen die Anfor­de­rung eines Aus­la­gen­vor­schus­ses für die Kos­ten einer Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren die sofor­ti­ge Beschwer­de statt­haft ist (§ 567 Abs. 1 Nr. 1 ZPO), noch han­delt es sich in die­sen Fäl­len um eine von § 567 Abs. 1 Nr. 2 ZPO erfass­te Ent­schei­dung.

Die Beweis­mög­lich­kei­ten im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren gehen nicht wei­ter als im Haupt­sa­che­ver­fah­ren. Im Erkennt­nis­ver­fah­ren ist gegen die Anfor­de­rung eines Vor­schus­ses nach § 379 ZPO grund­sätz­lich kein Rechts­mit­tel gege­ben 3. Nach § 492 ZPO folgt die Beweis­auf­nah­me im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren den Regeln des Erkennt­nis­ver­fah­rens. Wür­de den Par­tei­en im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren in Fäl­len wie hier ein Beschwer­de­recht ein­ge­räumt, erhiel­ten sie ein Rechts­mit­tel an die Hand, wel­ches ihnen bei einer Beweis­erhe­bung in der Haupt­sa­che nicht zur Ver­fü­gung stün­de. Grün­de für eine abwei­chen­de Rege­lung im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren sind nicht vor­han­den. Zwar wird vor­ge­bracht, für den Fall der Nicht­er­he­bung von Bewei­sen man­gels Ein­zah­lung eines Aus­la­gen­vor­schus­ses könn­ten Bewei­se ver­lo­ren gehen oder zumin­dest ihre Benut­zung erschwert wer­den 4. Doch ist dies im Erkennt­nis­ver­fah­ren nicht anders.

Gegen die vom BGH für rich­tig gehal­te­ne Auf­fas­sung kann, so der BGH wei­ter, nicht über­zeu­gend ein­ge­wen­det wer­den, es wür­den dann Ent­schei­dun­gen wie hier jeg­li­cher Über­prü­fung ent­zo­gen wer­den. Denn Ver­fah­rens­feh­ler hin­sicht­lich der Gesetz­mä­ßig­keit der Beweis­erhe­bung im selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren sind im Haupt­sa­che­ver­fah­ren vom Pro­zess­ge­richt auf Beweis­ein­re­de zu berück­sich­ti­gen 5. Aber auch dann, wenn im Anschluss an das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren nicht statt­fin­det, ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de die Zulas­sung einer sofor­ti­gen Beschwer­de gegen die Anfor­de­rung eines Kos­ten­vor­schus­ses weder gebo­ten noch auch nur zuläs­sig. Art. 19 Abs. 4 GG garan­tiert kei­nen Instan­zen­zug. Einer Zulas­sung der sofor­ti­gen Beschwer­de über die von § 567 ZPO erfass­ten Fäl­le hin­aus steht der Grund­satz der Rechts­mit­tel­klar­heit ent­ge­gen 6.

Auch aus § 67 Abs. 1 Satz 1 GKG kann die Statt­haf­tig­keit eines Rechts­mit­tels nicht her­ge­lei­tet wer­den 7. Denn die Auf­for­de­rung, einen Aus­la­gen­vor­schuss für die Beweis­erhe­bung zu leis­ten, stützt sich nicht auf das Gerichts­kos­ten­ge­setz, son­dern ist abschlie­ßend in §§ 492 Abs. 1, 402, 379 ZPO gere­gelt 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. März 2009 – VIII ZB 56/​08

  1. OLG Frank­furt am Main, OLGR 2008, 405; OLG Koblenz, OLGR 2003, 346[]
  2. OLG Hamm, BauR 2007, 1452; OLG Ros­tock, OLGR 2007, 841; OLG Frank­furt am Main, MDR 2004, 1255; so auch Zöller/​Herget, ZPO, 27. Aufl., § 490 Rdnr. 4[]
  3. Musielak/​Huber, ZPO, 6. Aufl., § 379 Rdnr. 8[]
  4. OLG Koblenz, OLGR 2003, 346, 347[]
  5. Zöller/​Herget, aaO, § 493 Rdnr. 3[]
  6. vgl. BVerfGE 107, 395, Tz. 63 ff.[]
  7. so aber OLG Frank­furt am Main, OLGR 2008, 405[]
  8. so auch OLG Ros­tock, OLGR 2007, 841[]