Kreuz­fahrt mit Schlä­ge­rei

Ein Rei­se­ver­an­stal­ter hat für aus­rei­chen­den Schutz sei­ner Gäs­te vor Mit­pas­sa­gie­ren zu sor­gen. Bei einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Rei­sen­den muss der Aus­schluss von der wei­te­ren Kreuz­fahrt u.a. durch die Art der Betei­li­gung gerecht­fer­tigt sein.

Kreuz­fahrt mit Schlä­ge­rei

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge in der Haupt­sa­che statt­ge­ge­ben, mit der eine Min­de­rung des Rei­se­prei­ses für die aus­ge­fal­le­nen Rei­se­ta­ge und Ersatz nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit ver­langt wur­de. Die Kreuz­fahrt von Savo­na nach San­tos hat­te der Klä­ger für sich und sei­ne Ehe­frau gebucht. Am ers­ten Tag erreich­te das Kreuz­fahrt­schiff Mar­seil­le. Die Ehe­leu­te bega­ben sich zu einer Stadt­be­sich­ti­gung an Land. Auf der Bus­fahrt zurück zum Schiff geriet der Klä­ger in eine kör­per­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit zwei ande­ren männ­li­chen Kreuz­fahrt­gäs­ten, in deren Fol­ge er auf den Hin­ter­kopf fiel und dort zunächst bewusst­los lie­gen­blieb. Er wur­de in ein Kran­ken­haus gebracht. Der Kapi­tän des Kreuz­fahrt­schif­fes ent­schied, dass weder der Klä­ger noch sei­ne Ehe­frau das Schiff wie­der betre­ten durf­ten. Auch die ande­ren bei­den Män­ner wur­den von der Wei­ter­fahrt aus­ge­schlos­sen. Dar­auf­hin hat der Klä­ger eine Min­de­rung des Rei­se­prei­ses für die aus­ge­fal­le­nen Rei­se­ta­ge und Ersatz nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit ver­langt.

Dem ist der beklag­te Rei­se­ver­an­stal­ter nicht nach­ge­kom­men, denn nach sei­ner Mei­nung habe ein Grund für eine Kün­di­gung des Rei­se­ver­tra­ges vor­ge­le­gen. Der Klä­ger habe jeden­falls nicht unbe­tei­ligt an der Aus­ein­an­der­set­zung gewe­sen sein kön­nen, weil auch die ande­ren bei­den Män­ner in ein Kran­ken­haus hät­ten gebracht wer­den müs­sen. Zudem habe der Aus­schluss von der wei­te­ren Kreuz­fahrt auch dem Schutz des Klä­gers und sei­ner Ehe­frau gedient. Sechs wei­te­re Mit­glie­der der ukrai­ni­schen Fami­lie der ande­ren in den Kon­flikt invol­vier­ten Män­ner hät­ten sich näm­lich wei­ter an Bord befun­den. Ein erneu­tes „Anein­an­der­ge­ra­ten“ habe ver­hin­dert wer­den müs­sen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main aus­ge­führt, dass es der Rei­se­ver­an­stal­ter ver­säumt habe zu erklä­ren, in wel­cher Wei­se der Klä­ger an der kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung betei­ligt war und wie­so dies den Aus­schluss der Ehe­leu­te von der wei­te­ren Kreuz­fahrt recht­fer­tig­te. Dass die bei­den Kon­tra­hen­ten eben­falls ins Kran­ken­haus gebracht wor­den sei­en, rei­che zum Beleg dafür nicht. Auch sei nicht dar­ge­tan, dass von deren ukrai­ni­schen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen tat­säch­lich eine Gefahr für den Klä­ger und sei­ne Ehe­frau aus­ge­gan­gen sei.

Unge­ach­tet des­sen müs­se ein Rei­se­ver­an­stal­ter für aus­rei­chen­den Schutz sei­ner Gäs­te vor Mit­pas­sa­gie­ren sor­gen, nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts. Schließ­lich kön­ne sich die Beklag­ten­sei­te nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, der Kapi­tän habe auf­grund eige­ner hoheit­li­cher Befug­nis­se die am Streit betei­lig­ten Pas­sa­gie­re von Bord ver­wie­sen. Im Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen Klä­ger und beklag­tem Rei­se­ver­an­stal­ter spie­le die­ser öffent­lich-recht­li­che Umstand kei­ne Rol­le.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 28. Novem­ber 2019 – 2–24 O 46/​19