Kreuz­fahrt ohne Gepäck

Gelangt das Rei­se­ge­päck erst ver­spä­tet auf das Kreuz­fahrt­schiff, kann der Rei­se­preis nach einem Urteil des Amts­ge­richt Mün­chen pro Rei­se­tag um 30% Pro­zent gemin­dert wer­den.

Kreuz­fahrt ohne Gepäck

Ein Ehe­paar buch­te bei einem Rei­se­un­ter­neh­men eine Mit­tel­meer­kreuz­fahrt in der Zeit vom 29.12.2007 bis 9.1.2008 zu einem Gesamt­preis von 1280 € pro Per­son. Als sie am Anrei­se­tag bei der Anle­ge­stel­le des Schif­fes in Genua anka­men, stell­ten sie fest, dass ihre Kof­fer, die sie am Flug­ha­fen auf­ge­ge­ben hat­ten, nicht ein­ge­trof­fen waren. Erst fünf Tage spä­ter, am 02.01.2008, beka­men sie ihre Kof­fer mit Inhalt zurück.

Wegen die­ser Beein­träch­ti­gung min­der­ten die Rei­sen­den den Rei­se­preis für die fünf Tage um jeweils 90 Pro­zent und ver­lang­ten dar­über hin­aus Scha­dens­er­satz für ent­gan­ge­nen Urlaubs­ge­nuss. Schließ­lich hät­ten sie die gan­zen fünf Tage nur das anzu­zie­hen gehabt, was sie am Tage der Anrei­se getra­gen hät­ten. Damit hät­ten sie an den Gala­abend­essen, den Thea­ter- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen nicht teil­neh­men kön­nen. Auf Grund ihrer Klei­dung hät­ten sie sich so erheb­lich von den übri­gen Rei­se­teil­neh­mern abge­ho­ben, dass die Teil­nah­me an den Ver­an­stal­tun­gen eine Art Spieß­ru­ten­lau­fen gewe­sen wäre. Daher hät­ten sie teil­wei­se davon Abstand genom­men. Außer­dem hät­te ihnen auch Sport­klei­dung für den Fit­ness­raum und die Sport­pro­gram­me gefehlt. Auch wären Hygie­ne- und Kos­me­tik­ar­ti­kel, Son­nen­schutz sowie der Foto­ap­pa­rat im Kof­fer gewe­sen. An Bord habe man zwar Klei­dung kau­fen kön­nen, aller­dings nur T‑Shirts, Her­ren­hem­den, Unter­wä­sche und San­da­let­ten. Nach­dem die Klei­dung täg­lich gewa­schen wer­den muss­te, sei­en sie auch immer wie­der an die Kabi­ne gefes­selt gewe­sen. Auf Grund des­sen habe auch eine Art Depres­si­on bei ihnen geherrscht, die Scha­dens­er­satz wegen ent­gan­ge­ner Urlaubs­freu­de recht­fer­ti­ge.

Das Rei­se­un­ter­neh­men wei­ger­te sich zu bezah­len. Die Rei­sen­den hät­ten Ersatz­käu­fe täti­gen kön­nen. Eine der­ar­ti­ge Rei­se­min­de­rung oder ein Scha­dens­er­satz sei nicht gerecht­fer­tigt. Der Mün­che­ner Amts­rich­ter sah das ählich und gab dem Ehe­paar nur zu einem Teil Recht:

Das Feh­len der Kof­fer stel­le zwar eine Beein­träch­ti­gung der Rei­se dar. Da aber die viel­fäl­ti­gen Leis­tun­gen der Rei­se durch­aus auch mit die­ser Klei­dung (und der gekauf­ten Ersatz­klei­dung) wahr­ge­nom­men wer­den hät­ten kön­nen und auch zum Teil wahr­ge­nom­men wur­den, erschei­ne eine Min­de­rung, die über 30 Pro­zent hin­aus­ge­he, nicht gerecht­fer­tigt. Des­halb kön­ne auch kein Scha­dens­er­satz wegen ent­gan­ge­ner Urlaubs­freu­de zuge­spro­chen wer­den.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 6. Febur­ar 2009 – 132 C 20772/​08 (rechts­kräf­tig)