Kün­di­gungs­grund: feh­len­de stän­di­ge Erreich­bar­keit

Es kann nicht als wich­ti­ger Kün­di­gungs­grund des Archi­tek­ten­ver­tra­ges ange­se­hen wer­den, wenn der Archi­tekt ver­sucht, nicht ziel­füh­ren­de zeit­rau­ben­de und inef­fek­ti­ve Gesprä­che zu ver­mei­den und anstrebt, Abspra­chen in struk­tu­rier­ter Form zu errei­chen.

Kün­di­gungs­grund: feh­len­de stän­di­ge Erreich­bar­keit

Erfor­der­li­che Abstim­mun­gen zwi­schen dem Archi­tek­ten und dem Bau­herrn kön­nen auch unter Zuhil­fe­nah­me moder­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en erfol­gen; der Archi­tekt ist nicht ver­pflich­tet, sich für den Bau­herrn stän­dig per­sön­lich "erreich­bar" zu hal­ten.

Blo­ße Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me begrün­den kei­nen wich­ti­gen Grund zur Ver­trags­kün­di­gung.

Ob ein wich­ti­ger Grund zur Kün­di­gung gege­ben ist, ist nach Lage des Ein­zel­fal­les zu beur­tei­len. Dabei sind zur Beur­tei­lung der kon­kre­ten ver­trag­li­chen Situa­ti­on das Inter­es­se des einen Ver­trags­part­ners an der Lösung vom Ver­tra­ge und das des ande­ren an des­sen Wei­ter­be­stand umfas­send gegen­ein­an­der abzu­wä­gen 1. Der wich­ti­ge Grund zur Kün­di­gung kann in einer schwe­ren schuld­haf­ten Ver­let­zung oder einer sons­ti­gen Zer­stö­rung des ver­trag­li­chen Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses bestehen, die eine Fort­set­zung des Ver­tra­ges für den Auf­trag­ge­ber unzu­mut­bar macht. Es rei­chen auch meh­re­re, im Ein­zel­fall nicht schwer­wie­gen­de Ver­stö­ße gegen Ver­trags­pflich­ten aus, die in ihrer Fül­le bzw. Gesamt­schau zu einer der­art erheb­li­chen Erschüt­te­rung des Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses geführt haben, dass dem Auf­trag­ge­ber ein Fest­hal­ten am Archi­tek­ten­ver­trag nicht mehr zumut­bar ist 2. Dies ist aber nur bei beson­ders schwer­wie­gen­den Ver­trags­ver­let­zun­gen der Fall, weil sich ledig­lich in die­sen Fäl­len dem Auf­trag­neh­mer die ver­trags­ge­fähr­den­de Wir­kung sei­nes Ver­hal­tens von selbst auf­drän­gen muss und ein bereits ein­ge­tre­te­ner irrepa­ra­bler Ver­trau­ens­ver­lust durch irgend­wel­che Vor­hal­te nicht mehr besei­tigt wer­den kann 3. In aller Regel reicht ein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Auf­trag­neh­mers aber jeden­falls zunächst noch nicht für eine frist­lo­se Kün­di­gung aus. Eine Lösung des Auf­trag­ge­bers vom Ver­trag ist viel­mehr im All­ge­mei­nen erst zuläs­sig, wenn der Auf­trag­neh­mer aus­drück­lich auf die Fol­gen einer wei­te­ren Nicht­er­fül­lung des Ver­tra­ges hin­ge­wie­sen wor­den ist 4. Ledig­lich dann, wenn auf­grund der tat­säch­li­chen Umstän­de berech­tigt eine Zer­stö­rung des Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses wegen feh­len­der Koope­ra­ti­on des Archi­tek­ten anzu­neh­men ist, ist für eine Frist­set­zung kein Raum 5. Die blo­ße Behaup­tung eines sol­chen Ver­trau­ens­ver­lusts genügt jedoch zur Annah­me eines wich­ti­gen Grun­des nicht; ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die­ser Ver­lust in dem Ver­hal­ten des Archi­tek­ten eine tat­säch­li­che Grund­la­ge haben muss 3. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines die­sen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­den Kün­di­gungs­grun­des trägt der Auf­trag­ge­ber 6.

Es ist gene­rell ein berech­tig­tes Inter­es­se eines Unter­neh­mers als Auf­trag­neh­mer, sei­ne Leis­tung effi­zi­ent unter wirt­schaft­li­cher Ver­wen­dung sei­ner Res­sour­cen zu erbrin­gen und in die­sem Zusam­men­hang einen unnö­ti­gen Zeit­auf­wand zu ver­mei­den. Daher kann es nicht als wich­ti­ger Kün­di­gungs­grund ange­se­hen wer­den, wenn der Auf­trag­neh­mer ver­sucht, nicht ziel­füh­ren­de zeit­rau­ben­de und inef­fek­ti­ve Gesprä­che zu ver­mei­den und Abspra­chen in struk­tu­rier­ten For­men zu errei­chen. Blo­ße Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­men begrün­den daher kei­nen wich­ti­gen Grund zur Kün­di­gung; ein Archi­tekt ist nicht ver­pflich­tet, sich für den Bau­herrn stän­dig per­sön­lich "erreich­bar" zu hal­ten. Erfor­der­li­che Abstim­mun­gen kön­nen auch unter Zuhil­fe­nah­me moder­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en erfol­gen; dass die Par­tei­en hier­von tat­säch­lich Gebrauch gemacht haben, wird durch die zur Akte gereich­te Kor­re­spon­denz (umfang­rei­cher E‑Mail-Aus­tausch, Fax) belegt.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2014 – 14 U 169/​13

  1. BGH, Urteil vom 02.09.1999 – VII ZR 225/​98[]
  2. vgl. auch OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 26.03.2013, – 23 U 102/​12[]
  3. vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 26.06.2001 – 23 U 199/​98[][]
  4. vgl. auch OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 29.07.1994 – 23 U 251/​93[]
  5. vgl. auch OLG Koblenz, Urteil vom 08.03.2007 – 5 U 877/​06[]
  6. BGH NJW-RR 1990, 1109[]