Künf­tig fäl­li­ger Scha­dens­er­satz – und die Fest­stel­lungs­kla­ge

Hin­sicht­lich zukünf­tig fäl­lig wer­den­der Ansprü­che auf Scha­dens­er­satz gilt der Grund­satz des Vor­rangs der Leis­tungs­kla­ge gegen­über der Fest­stel­lungs­kla­ge nicht.

Künf­tig fäl­li­ger Scha­dens­er­satz – und die Fest­stel­lungs­kla­ge

So auch in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Der Klä­ger ver­folg­te im hier ent­schie­de­nen Ver­fah­ren sein mit dem Kla­ge­an­trag for­mu­lier­tes Kla­ge­be­geh­ren nicht im Wege der Leis­tungs, son­dern zuläs­si­ger­wei­se im Wege der Fest­stel­lungs­kla­ge. Dies ergibt die gebo­te­ne rechts­schutz­ge­wäh­ren­de Aus­le­gung des Antrags [1]. Der Wort­laut des Antrags („… die Beklag­te zu ver­ur­tei­len, …“) deu­tet dar­auf hin, der Klä­ger habe eine Leis­tungs­kla­ge erho­ben. Eine sol­che Kla­ge genüg­te jedoch man­gels Bezif­fe­rung des Scha­dens nicht den Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO [2]. Der Kla­ge­an­trag kann jedoch als Fest­stel­lungs­an­trag aus­ge­legt wer­den und ist als sol­cher hin­rei­chend bestimmt [3].

Für den so ver­stan­de­nen Kla­ge­an­trag besteht das nach § 256 Abs. 1 ZPO erfor­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Der Klä­ger hat ein recht­li­ches Inter­es­se dar­an als­bald fest­stel­len zu las­sen, ob er künf­tig von der Beklag­ten im Wege des Scha­dens­er­sat­zes Ver­gü­tung bean­spru­chen kann. Die kla­gen­de Par­tei darf in einem sol­chen Fall nicht auf monat­li­che Leis­tungs­kla­gen für zukünf­ti­ge Zeit­räu­me ver­wie­sen wer­den [4].

Dem Fest­stel­lungs­an­trag steht nicht der grund­sätz­li­che Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge [5] ent­ge­gen.

Soweit der Klä­ger ein Fest­stel­lungs­ur­teil hin­sicht­lich der zukünf­tig fäl­lig wer­den­den Ansprü­che auf Scha­dens­er­satz begehrt, gilt der Grund­satz des Vor­rangs der Leis­tungs­kla­ge gegen­über der Fest­stel­lungs­kla­ge nicht. Auf Kla­gen, die zukünf­ti­ge Ansprü­che zum Gegen­stand haben, ist der Grund­satz nicht anwend­bar. Gegen­über Kla­gen nach § 257 ZPO ist ein Fest­stel­lungs­an­trag nicht sub­si­di­är; die kla­gen­de Par­tei kann viel­mehr zwi­schen einer Fest­stel­lungs­kla­ge und einer Kla­ge auf zukünf­ti­ge Leis­tung wäh­len [6].

Dies gilt auch, soweit die begehr­te Fest­stel­lung bereits ent­stan­de­ne (Vergütungs-)Schäden zum Gegen­stand hat, die der Klä­ger bezif­fern könn­te. Eine Par­tei ist nicht gehal­ten, ihre Kla­ge in eine Leis­tungs- und eine Fest­stel­lungs­kla­ge auf­zu­spal­ten, wenn ein Teil des Scha­dens schon ent­stan­den ist und – wie im Streit­fall – mit der Ent­ste­hung eines wei­te­ren Scha­dens zu rech­nen ist [7].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 28. Janu­ar 2020 – 9 AZR 91/​19

  1. vgl. dazu BAG 21.05.2019 – 9 AZR 260/​18, Rn. 15[]
  2. vgl. zum Erfor­der­nis der Bezif­fe­rung BAG 8.11.2017 – 5 AZR 11/​17, Rn. 12, BAGE 161, 33[]
  3. vgl. zu einem wort­glei­chen Kla­ge­an­trag BAG 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07, Rn. 18, BAGE 126, 26[]
  4. vgl. BAG 19.02.2008 – 9 AZR 70/​07, Rn.19, BAGE 126, 26[]
  5. vgl. hier­zu BAG 23.09.2014 – 9 AZR 827/​12, Rn. 13[]
  6. vgl. BAG 12.12 2010 – 9 AZR 554/​09, Rn. 30[]
  7. vgl. BAG 11.08.2016 – 8 AZR 406/​14, Rn. 41[]