Lah­men­des Dres­sur­pferd: Fehl­be­hand­lung

Ist der Eigen­tü­mer eines Pfer­des nicht aus­rei­chend über die Risi­ken einer Ope­ra­ti­on bei einem Dres­sur­pferd auf­ge­klärt wor­den und ope­riert der Tier­arzt das Pferd ohne aus­rei­chen­de Not­wen­dig­keit mit einem sub­op­ti­ma­len Zugangs­weg, ist das grob feh­ler­haft und begrün­det für ein dau­er­haft lah­men­des Pferd einen Scha­dens­er­satz­an­spruch.

Lah­men­des Dres­sur­pferd: Fehl­be­hand­lung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Scha­dens­er­satz­kla­ge unter Abän­de­rung des erst­in­stanz­li­chen Urteils des Land­ge­richts Bochum statt­ge­ge­ben. Die Klä­ge­rin aus Düs­sel­dorf und ihr zwi­schen­zeit­lich ver­stor­be­ner Ehe­mann setz­ten den im Jah­re 1995 gebo­re­nen Hengst nach sei­ner Aus­bil­dung bis zur Grand-Prix-Rei­fe als Dres­sur­pferd im Tur­nier­sport ein. Das Pferd befand sich seit lan­gen Jah­ren in der Behand­lung des in einer tier­ärzt­li­chen Kli­nik in Bochum täti­gen beklag­ten Tier­arz­tes. 2004 wur­den im hin­te­ren Bereich des Fes­sel­ge­lenks 2 Chips (klei­ne Knor-pel-Kno­chen­frag­men­te im Gelenk), in einem Fall als sog. Bir­ke­land­frak­tur, fest­ge­stellt, die der Beklag­te ope­ra­tiv zu ent­fer­nen emp­fahl. Nach vom Beklag­ten im Okto­ber 2004 durch­ge­führ­ten Ope­ra­tio­nen lahm­te der Hengst dau­er­haft. Er ist nun­mehr als Dres­sur­pferd unbrauch­bar. Mit der Begrün­dung, der Beklag­te habe den Hengst ohne aus­rei­chen­de Indi­ka­ti­on und zudem feh­ler­haft ope­riert sowie über die Risi­ken der Ope­ra­ti­on nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt, hat die Klä­ge­rin vom Beklag­ten 60.000 Euro Scha­dens­er­satz ver­langt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm habe der Beklag­te ohne aus­rei­chen­de Not­wen­dig­keit mit einem sub­op­ti­ma­len Zugangs­weg ope­riert, was grob feh­ler­haft sei, und die Klä­ge­rin bzw. ihren ver­stor­be­nen Ehe­mann zudem nicht aus­rei­chend über die Risi­ken der Ope­ra­ti­on auf­ge­klärt.

Der Beklag­te habe sei­ner­zeit nicht ope­rie­ren dür­fen, weil die Ursa­chen einer posi­ti­ven Beu­ge­pro­be nicht fest­ge­stan­den hät­ten. Der Erfolg einer Ope­ra­ti­on sei offen gewe­sen, die vom Beklag­ten gewähl­te Ope­ra­ti­ons­me­tho­de über den sub­op­ti­ma­len Zugangs­weg zur Ent­fer­nung bei­der Chips mit einem ope­ra­ti­ven Ein­griff habe zu einer wei­te­ren Trau­ma­ti­sie­rung des Band­ap­pa­ra­tes geführt. Ange­sichts die­ser grob feh­ler­haf­ten Behand­lung keh­re sich die Beweis­last um. Die dau­er­haf­te Lahm­heit gehe zulas­ten des Beklag­ten, der nicht nach­wei­sen kön­ne, dass sei­ne Ope­ra­ti­on erfolg­reich und der Scha­den erst durch das spä­te­re hengst­haf­te Ver­hal­ten des Pfer­des ein­ge­tre­ten sei.

Über die Risi­ken der Ope­ra­ti­on habe der Beklag­te auch nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt. Zwar sei die von einem Tier­arzt zu for­dern­de Auf­klä­rung nicht mit der im Bereich der Human­me­di­zin gebo­te­nen ärzt­li­chen Auf­klä­rung zu ver­glei­chen, weil es nicht um das schüt­zens­wer­te Selbst­be­stim­mungs­recht des Pati­en­ten gehe. Der Tier­arzt habe aber eine ver­trag­li­che Auf­klä­rungs- und Bera­tungs­pflicht, wenn die Behand­lung des Tie­res beson­ders risi­ko­reich sei, mög­li­cher­wei­se kaum Erfolg ver­spre­che und hohe finan­zi­el­le Inter­es­sen des Tier­hal­ters berührt sein. Der Hengst der Klä­ge­rin sei ein hoch­wer­ti­ges, gut aus­ge­bil­de­tes Dres­sur­pferd gewe­sen. Des­we­gen habe der Beklag­te dar­über auf­klä­ren müs­sen, dass eine kom­pli­zier­te Ope­ra­ti­on anste­he, die einen unge­wis­sen Aus­gang habe und auch dazu füh­ren kön­ne, dass das Tier nicht mehr als Dres­sur­pferd zu gebrau­chen sei. Eine der­ar­ti­ge Auf­klä­rung habe der Beklag­te nicht vor­ge­nom­men.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 21. Febru­ar 2014 – 26 U 3/​11