Land­wirt­schaft­li­che Bei­hil­fen in der Hof­pacht

Die Ver­än­de­rung des Sys­tems der land­wirt­schaft­li­chen Bei­hil­fen von den pro­duk­ti­ons­be­zo­ge­nen Prä­mi­en zu den von der Bewirt­schaf­tung ent­kop­pel­ten Zah­lungs­an­sprü­chen schließt es nicht aus, Ver­ein­ba­run­gen zur Über­tra­gung der dama­li­gen Prämien‑, För­de­rungs­an­sprü­che und Quo­ten­vor­rech­te auf den Ver­päch­ter oder auf einen von die­sem benann­ten Betriebs­nach­fol­ger in Alt­pacht­ver­trä­gen auch auf Zah­lungs­an­sprü­che anzu­wen­den.

Land­wirt­schaft­li­che Bei­hil­fen in der Hof­pacht

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof jetzt ein Beru­fungs­ur­teil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts Schles­wig sowie das erst­in­stanz­li­che Urteil des Amts­ge­richts ‑Land­wirt­schafts­ge­richts – Mel­dorf auf­ge­ho­ben. Das OGL Schles­wig habe es, so der BGH, unter­las­sen, den in der Ver­ein­ba­rung zum Aus­druck kom­men­den Ver­trags­wil­len zu ermit­teln, in der sich die Par­tei­en gegen­sei­tig ver­pflich­tet haben, bei Pacht­be­ginn die Prämien‑, För­de­rungs­an­sprü­che und Quo­ten­vor­rech­te auf den Päch­ter und bei Pach­ten­de auf den Ver­päch­ter oder den von die­sem benann­ten Betriebs­nach­fol­ger zu über­tra­gen. Damit hat es gegen § 133 BGB ver­sto­ßen, der das Gericht bei der Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen ver­pflich­tet, den erklär­ten wirk­li­chen Wil­len zu erfor­schen [1]. Die auf den Wil­len ver­wei­sen­de gesetz­li­che Aus­le­gungs­re­gel in § 133 BGB ver­bie­tet es, eine rechts­ge­schäft­li­che Rege­lung gegen den tat­säch­li­chen oder den erklär­ten Wil­len einer Par­tei nach rein objek­ti­ven Gesichts­punk­ten aus­zu­le­gen [2].

Die Ver­än­de­rung des Sys­tems der land­wirt­schaft­li­chen Bei­hil­fen von den frü­he­ren pro­duk­ti­ons­be­zo­ge­nen Prä­mi­en zu den jet­zi­gen davon ent­kop­pel­ten Zah­lungs­an­sprü­chen schließt es ent­ge­gen der Ansicht des OLG Schles­wig [3] nicht aus, einem aus Ver­ein­ba­run­gen in Alt­pacht­ver­trä­gen, in denen sich der Päch­ter gegen­über dem Ver­päch­ter zur (Rück-)Übertragung der Ansprü­che auf Bei­hil­fen ver­pflich­tet hat, ersicht­li­chen Ver­trags­wil­len Rech­nung zu tra­gen und die ver­trag­li­che Rege­lung auch auf die neu­en Zah­lungs­an­sprü­che anzu­wen­den.

Die Zah­lungs­an­sprü­che sind der­ar­ti­gen rechts­ge­schäft­li­chen Rege­lun­gen näm­lich nicht ent­zo­gen. Sie sind zwar im Grund­satz per­so­nen­be­zo­ge­ne Bei­hil­fen, die nach den bei­hil­fe­fä­hi­gen Hekt­ar­zah­len und den im Bezugs­zeit­raum von 2000 bis 2002 erhal­te­nen Direkt­zah­lun­gen [4] fest­ge­stellt und den­je­ni­gen, die im ers­ten Jahr der Anwen­dung der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung Betriebs­in­ha­ber waren, zuge­wie­sen wor­den sind. Ver­ein­ba­run­gen in Pacht­ver­trä­gen über land­wirt­schaft­li­che Betrie­be oder Nutz­flä­chen, in denen sich der Päch­ter gegen­über dem Ver­päch­ter ver­pflich­tet, bei Pach­ten­de die­se Ansprü­che auf den Ver­päch­ter oder einen ande­ren von die­sem ihm benann­ten Betriebs­in­ha­ber zu über­tra­gen, sind jedoch auch nach der GAP-Reform mög­lich (/​vgl. BMELV, Die EU-Agrar­re­form – Umset­zung in Deutsch­land [2006], S. 17; Schmit­te, Mitt­BayNot 2004, 95, 97; Krä­mer, NotBZ 2005, 2008, 216, 220)). Der Umstand, dass die Zah­lungs­an­sprü­che nach Art. 46 VO (EG) 1782/​2003 an ande­re Betriebs­in­ha­ber über­trag­bar, ver­pfänd­bar und pfänd­bar sind [5], lässt auch sol­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Ver­päch­tern und Päch­tern über die Über­tra­gung von Zah­lungs­an­sprü­chen bei Pacht­be­ginn und ‑ende zu.

Rechts­ge­schäft­li­che Ver­pflich­tun­gen des Päch­ters, Zah­lungs­an­sprü­che bei Been­di­gung des Pacht­ver­hält­nis­ses auf den Ver­päch­ter oder den neu­en Päch­ter zu über­tra­gen, kön­nen nicht nur in den nach dem Inkraft­tre­ten der GAP-Reform abge­schlos­se­nen Ver­trä­gen ver­ein­bart wer­den oder in den bereits im Hin­blick auf die GAP-Reform ange­pass­ten Pacht­ver­trä­gen begrün­det wor­den sein [6], son­dern sich auch aus Alt­ver­trä­gen erge­ben, die noch vor dem Hin­ter­grund des frü­he­ren Rechts über die Bei­hil­fen für die Land­wirt­schaft abge­schlos­sen wur­den. Der durch Aus­le­gung zu ermit­teln­de Ver­trags­wil­le kann näm­lich auch dar­in bestehen, dass die Par­tei­en im Ver­trag ihre Inter­es­sen so gere­gelt haben, dass die Ver­ein­ba­rung zur Erleich­te­rung der Fort­füh­rung der Bewirt­schaf­tung durch den Nach­fol­ger des Päch­ters alle die­sem Zweck die­nen­den Ansprü­che auf Bei­hil­fen – gleich wel­cher Art sie auch sei­en – erfas­sen soll­te. Eine sol­che Abre­de erstreckt sich auf die neu­en Zah­lungs­an­sprü­che. Ein sol­cher Ver­trags­wil­le ist auch dann zu berück­sich­ti­gen, wenn die Par­tei­en bei Ver­trags­ab­schluss den Inhalt künf­ti­ger Geset­zes­än­de­run­gen nicht vor­her­se­hen konn­ten und gleich­wohl Ver­pflich­tun­gen begrün­de­ten, die auch bei Ände­run­gen der dem Ver­trags­ab­schluss zugrun­de lie­gen­den Geset­zes­la­ge Bestand haben soll­ten [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. April 2009 – LwZR 11/​08

  1. BGHZ 124, 64, 68[]
  2. vgl. BGHZ 19, 269, 273; Flu­me, aaO, S. 308; juris­PK-BGB, Reichold, 4. Aufl., § 133 Rdn. 9; Soergel/​Hefermehl, BGB, 13. Aufl., v. § 116 Rdn. 9, 10[]
  3. eben­so aller­dings OLG Cel­le RdL 2007, 212 = AUR 2007, 364, 365 m. zutr. abl. Anm. von Jein­sen[]
  4. dazu BMELV AUR 2006, 89, 90[]
  5. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 23. Okto­ber 2008, VII ZB 92/​07, RdL 2009, 52, 53[]
  6. dazu Schmit­te, Mitt­BayNot 2004, 95, 97; von Jein­sen, AUR 2007, 367[]
  7. vgl. Flu­me, aaO, S. 522; Medi­cus, Fest­schrift für Wer­ner Flu­me zum 70. Geburts­tag [1978], S. 629, 645; Münch­Komm-BGB/­Bu­sche, 5. Aufl., § 133 Rdn. 22[]