Last­schrif­ten in der Insol­venz

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te jetzt erst­mals über die Geneh­mi­gung eines Last­schrift­ein­zugs durch einen vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter ent­schie­den. Es gehört zum gän­gi­gen Instru­men­ta­ri­um eines jeden Insol­venz­ver­wal­ters, Last­schrif­ten auf dem Bank­kon­to des Gemein­schuld­ners mög­lichst zurück­zu­ge­ben, wenn hier­durch ein ent­spre­chen­des Gut­ha­ben zur Insol­venz­mas­se gezo­gen wer­den kann. Dass es hier­bei durch­aus auch Tücken geben kann, zeigt das Urteil des BGH:

Last­schrif­ten in der Insol­venz

In dem vom BGH ent­schie­de­nen Fall bestellt das Insol­venz­ge­richt am 31. Okto­ber 2005 den spä­te­ren Klä­ger zum schwa­chen vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin und ord­ne­te an, dass Ver­fü­gun­gen der Schuld­ne­rin über Gegen­stän­de ihres Ver­mö­gens nur noch mit Zustim­mung des Klä­gers wirk­sam sein soll­ten. Zwi­schen der Schuld­ne­rin und der spä­te­ren Beklag­ten bestand ein lang­fris­ti­ger Lea­sing­ver­trag über einen PKW, auf­grund des­sen die Beklag­te berech­tigt war, die monat­lich fäl­lig wer­den­den Lea­sing­ra­ten mit­tels Last­schrift­ein­zug im Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­ren ein­zu­zie­hen. Der Klä­ger wider­sprach am 11. Novem­ber 2005 gegen­über der Beklag­ten dem Last­schrift­ein­zug betref­fend die Okto­ber­lea­sing­ra­te und for­der­te deren Rück­zah­lung. Gegen­über der Schuld­ner­bank hat weder die Schuld­ne­rin noch der Klä­ger einen Wider­spruch erklärt. Die Kla­ge vor den Instanz­ge­rich­ten in Köln ist ohne Erfolg geblie­ben. Und auch die Revi­si­on des Insol­venz­ver­wal­ters hat der BGH zurück­ge­wie­sen.

Zur Begrün­dung hat der BGH dar­auf ver­wie­sen, dass der Wider­spruch des Klä­gers wir­kungs­los ist, weil die For­de­rung der Beklag­ten auch auf der Grund­la­ge der – für das Valu­t­aver­hält­nis mit beacht­li­chen Grün­den in Zwei­fel gezo­ge­nen – Geneh­mi­gungs­theo­rie erfüllt ist. Die nach der genann­ten Theo­rie erfor­der­li­che Geneh­mi­gung der Belas­tungs­bu­chung gilt nach Nr. 7 Abs. 3 AGB-Ban­ken als erteilt. Weder die Schuld­ne­rin noch der Klä­ger haben der Belas­tungs­bu­chung inner­halb der vor­ge­se­he­nen Frist gegen­über der Schuld­ner­bank wider­spro­chen. Dem Ein­tritt der Geneh­mi­gungs­fik­ti­on nach Nr. 7 Abs. 3 Satz 3 AGB-Ban­ken steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger zuvor zum vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter mit Zustim­mungs­vor­be­halt bestimmt wor­den war. Nr. 7 Abs. 3 AGB-Ban­ken bin­det auch den schwa­chen vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter. Will die­ser der – fin­gier­ten – Geneh­mi­gung einer Belas­tungs­bu­chung durch den Schuld­ner nicht zustim­men, so hat er sich wie der Schuld­ner selbst recht­zei­tig gegen­über der Zahl­stel­le zu erklä­ren. Andern­falls muss auch er die Geneh­mi­gungs­fik­ti­on gegen sich gel­ten las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juni 2008 – XI ZR 283/​07