Lea­sings­ver­trag und Kom­pen­sa­ti­ons­ge­schäft

Zur Fra­ge eines sich aus der wirt­schaft­li­chen Ein­heit eines Lea­sing­ver­tra­ges mit einem Dienst­leis­tungs­ver­trag erge­ben­den Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rechts hat­te der Bun­des­ge­richts­hof jetzt in einem Rechts­streit zwi­schen einer Lea­sing­ge­sell­schaft und einem Arzt aus der Regi­on Traun­stein zu urtei­len.

Lea­sings­ver­trag und Kom­pen­sa­ti­ons­ge­schäft

Die Par­tei­en schlos­sen am 2005 einen Lea­sing­ver­trag über eine digi­ta­le TV-Mul­ti­me­dia-Emp­fangs­an­la­ge mit Fern­be­die­nung, die dem Beklag­ten gelie­fert und im War­te­zim­mer der Arzt­pra­xis des Beklag­ten instal­liert wor­den war. Als monat­lich fäl­li­ge Lea­sing­ra­te ver­ein­bar­ten die Par­tei­en einen Betrag von 189,90 € (brut­to).

Nach den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen des Beklag­ten mit der v. AG, die einen digi­ta­len Fern­seh­sen­der betrieb, ver­pflich­te­te sich die­se, dem Beklag­ten eine monat­li­che "Pau­scha­le" von 175 € (brut­to) als Sub­ven­ti-ons­leis­tung dafür zu bezah­len, dass er die Aus­strah­lung eines von ihr ver­ant­wor­te­ten Fern­seh­pro­gramms (unter ande­rem Gesund­heits­tipps, Wer­bung) in sei­nem War­te­zim­mer gestat­te­te.

Im Mai 2005 bean­trag­te die v. AG die Eröfffnung des Insol­venz­ver­fah­rens über ihr Ver­mö­gen und stell­te sowohl die Aus­strah­lung des Fern­seh­pro­gramms als auch die Zah­lun­gen der Pau­scha­le an den Beklag­ten ein. Der Beklag­te sei­ner­seits zahl­te in der Fol­ge­zeit kei­ne wei­te­ren Lea­sing­ra­ten an die Klä­ge­rin.

Die Klä­ge­rin nimmt den Beklag­ten nun­mehr auf Zah­lung rück­stän­di­ger Lea­sing­ra­ten in Höhe von 3.226,66 € in Anspruch. Das Amts­ge­richt Lau­fen hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1. Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung des Beklag­ten hat das Land­ge­richt Traun­stein zurück­ge­wie­sen2. Mit der vom Land­ge­richt Traun­stein zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt der Beklag­te sei­nen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter und erhielt nun vom Bun­des­ge­richts­hof Recht:

Kein Ein­wen­dungs­durch­griff

Der BGH hat es zunächst dahin­ste­hen las­sen, ob die Auf­fas­sung des Land­ge­richts Traun­stein zutref­fend ist, dass ein Ein­wen­dungs­durch­griff gemäß § 500 BGB i.V.m. § 358 Abs. 3, § 359 BGB bereits des­halb nicht in Betracht kommt, weil der Beklag­te kein Ver­brau­cher im Sin­ne des § 13 BGB ist. Denn es fehlt, so der BGH, bereits an den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines Ein­wen­dungs­durch­griffs. Die­ser setzt nach § 359 Satz 1 BGB ver­bun­de­ne Ver­trä­ge im Sin­ne des § 358 Abs. 3 BGB vor­aus. Dar­an fehlt es vor­lie­gend. Über­tra­gen auf den Bereich des Finan­zie­rungs­lea­sing lie­gen ver­bun­de­ne Ver­trä­ge gemäß § 358 Abs. 3 Satz 1 BGB dann vor, wenn ein Ver­trag über die Lie­fe­rung einer Ware oder Erbrin­gung einer ande­ren Leis­tung mit dem Lea­sing­ver­trag der­art ver­knüpft ist, dass das Lea­sing ganz oder teil­wei­se der Finan­zie­rung des ande­ren Ver­tra­ges dient und bei­de Ver­trä­ge eine wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­den. Vor­lie­gend fehlt es schon an der ers­ten Vor­aus­set­zung, da die vor­ge­se­he­nen Dienst­leis­tun­gen der v. AG nicht durch den Lea­sing­ver­trag finan­ziert, son­dern von die­ser unent­gelt­lich erbracht wer­den soll­ten.

Leis­tungs­ver­wei­ge­rung auf­grund ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung

Aller­dings ergibt sich nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs ein Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht des Beklag­ten jedoch bereits unmit­tel­bar aus den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit der Klä­ge­rin. Die dem ent­ge­gen­ste­hen­de, von der Klä­ge­rin vor­for­mu­lier­te Klau­sel des Lea­sing­ver­tra­ges, dass kei­ne Neben­ab­re­de besteht, ist, so der BGH, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts Traun­stein unwirk­sam, da sie nach den Umstän­den sowohl über­ra­schend ist (§ 305c Abs. 1 BGB) als auch den Beklag­ten nach Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt (§ 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB).

Maß­geb­lich für die Ent­schei­dung des Beklag­ten, die Anla­ge in sei­nem War­te­zim­mer instal­lie­ren zu las­sen, war nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Traun­stein die von dem Ver­tre­ter betont her­aus­ge­stell­te Kos­ten-neu­tra­li­tät des Gesamt­ge­schäfts. Die­se war nur solan­ge gewähr­leis­tet, als die Sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen sicher­ge­stellt waren. Inso­fern bil­de­ten der Lea­sing­ver­trag und die mit der v. AG abge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung eine wirt­schaft­li­che Ein­heit. War der Klä­ge­rin, wie das Beru­fungs­ge­richt annimmt, die dar­ge­stell­te Bewer­bung des Gesamt­ge­schäfts durch die Zeu­gen S. bekannt, konn­te sie das Ange­bot des Beklag­ten auf Abschluss des Lea­sing­ver­tra­ges daher nach §§ 133, 157 BGB nur so ver­ste­hen, dass das Gesamt­ge­schäft, des­sen einen Teil der Lea­sing­ver­trag dar­stell­te, mit der wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit von der v. AG zu zah­len­den Sub­ven­ti­ons­pau­scha­le ste­hen oder fal­len soll­te. Die wirt­schaft­li­che Ein­heit des Ver­tra­ges wur­de durch die Annah­me des Ange­bots des Beklag­ten aus des­sen maß­geb­li­cher Sicht somit Ver­trags­in­halt. Dem Beklag­ten steht nach dem revi­si­ons­recht­lich zugrun­de zu legen­den Sach­ver­halt daher ein grund­sätz­lich andau­ern­des Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht zu, da die Sub­ven­ti­ons­zah­lun­gen der v. AG aus­blie­ben.

Dies kann dann anders zu beur­tei­len sein, wenn es zutrifft, dass der Ver­tre­ter – wie die Klä­ge­rin in den Instan­zen vor­ge­tra­gen hat – den Beklag­ten auf das Risi­ko der Insol­venz der v. AG hin­ge­wie­sen und ihm erklärt hät­ten, im Fall einer Insol­venz der v. AG die Lea­sing­ra­ten wei­ter bezah­len zu müs­sen. Dies ist bis­her aller­dings vom Land­ge­richt Traun­stein im Beru­fungs­ver­fah­ren nicht fest­ge­stellt wor­den. Dies wird nach Auf­fas­sung des BGH gege­be­nen­falls nach­zu­ho­len sein.

Vor dem Hin­ter­grund der wirt­schaft­li­chen Ein­heit bei­der Ver­trä­ge muss­te der Beklag­te nicht damit rech­nen, dass sich die Klä­ge­rin mit der von ihr vor­for­mu­lier­ten Klau­sel des Lea­sing­ver­tra­ges von der von ihr erkann­ten und akzep­tier­ten wirt­schaft­li­chen Ein­heit des Gesamt­ge­schäfts wie­der lösen woll­te. Die Klau­sel stellt sich daher vor dem Leit­bild des Ver­tra­ges und dem mit dem Ver­trag ver­folg­ten Zweck als unge­wöhn­lich und über­ra­schend im Sin­ne des § 305c Abs. 1 BGB dar 3. Aus die­sem Grund ist sie auch unan­ge­mes­sen im Sin­ne des § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB, da sie durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich die eige­nen Inter­es­sen der Klä­ge­rin auf Kos­ten des Beklag­ten durch­zu­set­zen ver­sucht, ohne des­sen Inter­es­sen ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Juli 2009 – VIII ZR 327/​08

  1. AG Lau­fen, Ent­schei­dung vom 05.06.2008 – 2 C 1036/​06[]
  2. LG Traun­stein, Ent­schei­dung vom 07.11.2008 – 5 S 2144/​08[]
  3. vgl. BGHZ 121, 107, 113[]