Legio­nel­len im Trink­was­ser – und die Haf­tung des Ver­mie­ters

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell mit Ansprü­chen des Mie­ters gegen sei­nen Ver­mie­ter zu befas­sen, die dar­auf gestützt wer­den, dass der Mie­ter auf­grund von bak­te­ri­ell ver­seuch­tem Trink­was­ser in der Miet­woh­nung erkrankt sei:

Legio­nel­len im Trink­was­ser – und die Haf­tung des Ver­mie­ters

In dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall begehrt die Klä­ge­rin – als Allein­er­bin ihres wäh­rend des Rechts­streits ver­stor­be­nen Vaters – Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld in Höhe von 23.415, 84 € nebst Zin­sen. Der Vater der Klä­ge­rin war Mie­ter einer Woh­nung der Beklag­ten. Er erkrank­te im Jahr 2008 an einer durch Legio­nel­len her­vor­ge­ru­fe­nen Lun­gen­ent­zün­dung. Das zustän­di­ge Bezirks­amt stell­te dar­auf­hin in der Woh­nung des Vaters der Klä­ge­rin und im Kel­ler des Miets­hau­ses eine star­ke Legio­nel­len-Kon­ta­mi­na­ti­on fest. Die Klä­ge­rin ver­tritt die Auf­fas­sung, die Beklag­te habe ihre Pflicht zur regel­mä­ßi­gen Kon­trol­le des Trink­was­sers ver­letzt, und führt die Erkran­kung ihres Vaters hier­auf zurück.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg hat die Kla­ge abge­wie­sen 1

Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Klä­ge­rin hat­te vor dem Land­ge­richt Ber­lin eben­falls kei­nen Erfolg 2. Die vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on führ­te nun zur Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils und Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Land­ge­richt Ber­lin:

Der Bun­des­ge­richts­hof befand, dass eine – vom Land­ge­richt Ber­lin unter­stell­te – Pflicht­ver­let­zung der Ver­mie­te­rin unter dem Gesichts­punkt der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung auch für die Zeit vor dem am 1.11.2011 erfolg­ten Inkraft­tre­ten der in § 14 Abs. 3 der Trink­was­ser­ver­ord­nung gesetz­lich nor­mier­ten Pflicht des Ver­mie­ters zur Unter­su­chung des Trink­was­sers auf Legio­nel­len in Betracht kommt.

Gleich­wohl konn­te das Urteil des Land­ge­richts Ber­lin kei­nen Bestand haben, weil sei­ne Annah­me, die Legio­nel­len­er­kran­kung las­se sich nicht mit der erfor­der­li­chen Gewiss­heit auf das kon­ta­mi­nier­te Trink­was­ser zurück­füh­ren, auf einer lücken­haf­ten Beweis­wür­di­gung und dar­auf beruht, dass es rechts­feh­ler­haft einen zu hohen Maß­stab an die erfor­der­li­che rich­ter­li­che Gewiss­heit ange­legt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Mai 2015 – – VIII ZR 161/​14

  1. AG Char­lot­ten­burg, Urteil vom 09.08.2013 – 207 C 135/​11[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 12.05.2014 – 18 S 327/​13[]