Löschung einer Grund­schuld an einem her­ren­lo­sen Grund­stück

Zu der Löschung einer Grund­schuld an einem her­ren­lo­sen Grund­stück bedarf es weder der Zustim­mung eines für den Eigen­tü­mer han­deln­den Pfle­gers noch der des frü­he­ren Eigen­tü­mers.

Löschung einer Grund­schuld an einem her­ren­lo­sen Grund­stück

Gemäß § 27 Satz 1 GBO darf eine Grund­schuld nur mit Zustim­mung des Eigen­tü­mers des Grund­stücks gelöscht wer­den. Nach dem Wort­laut der Norm bedarf es bei einem her­ren­lo­sen Grund­stück kei­ner Zustim­mung, weil der Eigen­tü­mer im Zeit­punkt der Löschung gemeint ist [1]. Einen sol­chen gibt es auf­grund der Der­elik­ti­on nicht.

Eine ana­lo­ge Anwen­dung von § 27 Satz 1 GBO auf den Son­der­fall der Der­elik­ti­on schei­det aus, weil es an einer Rege­lungs­lü­cke fehlt und es der Ertei­lung der Zustim­mung durch einen Pfle­ger nicht bedarf. § 27 Satz 1 GBO bezweckt allein den Schutz des Eigen­tü­mers. Ihm soll ein durch Zah­lun­gen auf das Grund­pfand­recht ent­stan­de­nes, aus dem Grund­buch nicht ersicht­li­ches Eigen­tü­mer­grund­pfand­recht nicht ohne sei­ne Zustim­mung genom­men wer­den kön­nen [2]. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beschwer­de­ge­richts schützt die Norm weder den Aneig­nungs­be­rech­tig­ten als mög­li­chen zukünf­ti­gen Eigen­tü­mer noch den frü­he­ren Eigen­tü­mer oder Drit­te, die Zah­lun­gen auf die Grund­schuld geleis­tet haben. Das zeigt sich schon dar­an, dass der Aneig­nungs­be­rech­tig­te nach der Aneig­nung die Zustim­mung ertei­len kann, ohne auf die Inter­es­sen Drit­ter Rück­sicht neh­men zu müs­sen. Die Ein­set­zung eines Pfle­gers wäre sinn­los. Er dürf­te bei sei­ner Ent­schei­dung nur die Inter­es­sen des nicht vor­han­de­nen gegen­wär­ti­gen Eigen­tü­mers wahr­neh­men und sich nicht von den­je­ni­gen Drit­ter lei­ten las­sen. Sol­che Inter­es­sen gibt es nicht, weil zuguns­ten eines nicht vor­han­de­nen Eigen­tü­mers kein Eigen­tü­mer­grund­pfand­recht ent­ste­hen kann.

Eben­so wenig ergibt sich aus § 19 GBO ein Bewil­li­gungs­er­for­der­nis für Drit­te [3]. Ins­be­son­de­re die frü­he­re Eigen­tü­me­rin muss auch dann nicht zustim­men, wenn man mit der über­wie­gen­den Ansicht davon aus­geht, dass sich eine durch Zah­lung des Eigen­tü­mers auf die Grund­schuld ent­ste­hen­de Eigen­tü­mer­grund­schuld mit der Eigen­tums­auf­ga­be in eine Fremd­grund­schuld umwan­delt [4]. Ein sol­ches Recht der frü­he­ren Eigen­tü­me­rin hät­te das Grund­buch­amt näm­lich nur dann zu beach­ten, wenn es für des­sen Ent­ste­hung Anhalts­punk­te gäbe, durch die die Ver­mu­tung gemäß § 891 Abs. 1 BGB zuguns­ten der Betei­lig­ten als ein­ge­tra­ge­ner Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin wider­legt wäre [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Mai 2012 – V ZB 36/​12

  1. Bauer/​v. Oefele/​Kohler, GBO, 2. Aufl., § 27 Rn. 28; Dem­har­ter, GBO, 28. Aufl., § 27 Rn. 15; Lemke/​Zimmer/​Hirche, Immo­bi­li­en­recht, § 27 GBO Rn. 9; Meikel/​Bött­cher, GBO, 10. Aufl., § 27 Rn. 82[]
  2. Beck­OK-GBO/­Hol­zer, Stand 1.03.2012, § 27 Rn. 2; Lemke/​Zimmer/​Hirche, aaO, § 27 Rn. 1; Meikel/​Böttcher, aaO, § 27 Rn. 1[]
  3. vgl. Lemke/​Zimmer/​Hirche, aaO, § 27 Rn. 10[]
  4. Palandt/​Bassenge, BGB, 71. Aufl., § 928 Rn. 3; Münch­Komm-BGB/­Kanz­lei­ter, 5. Aufl., § 928 Rn. 11[]
  5. Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 14. Aufl., Rn. 2757; für den Son­der­fall der Höchst­be­trags­hy­po­thek OLG Frank­furt, Mitt­BayNot 1984, 85, 86; Dem­har­ter, aaO, § 27 Rn. 15; Mey­er­Kö­nig, Rpfle­ger 2004, 348, 349 jeweils mwN[]