Löschung einer Rück­erwerbs­vor­mer­kung durch Grund­buch­be­rich­ti­gung

Zur Berich­ti­gung des Grund­buchs bedarf es gemäß § 22 Abs. 1 S. 1 GBO nicht der Bewil­li­gung des Betrof­fe­nen nach § 19 GBO, wenn die Unrich­tig­keit nach­ge­wie­sen ist. Durch die Eigen­tums­um­schrei­bung auf den Berech­tig­ten einer Rück­erwerbs­vor­mer­kung erlischt der ursprüng­lich gesi­cher­te Anspruch auf Rück-erwerb durch Erfül­lung und durch die noch ein­ge­tra­ge­ne, nicht mehr exis­ten­te Vor­mer­kung ist das Grund­buch unrich­tig gewor­den. Ein "Auf­la­den" der erlo­sche­nen Vor­mer­kung ist nur mög­lich zur Siche­rung eines neu­en, deckungs­glei­chen Anspruchs. Es müs­sen Schuld­ner, Gläu­bi­ger und Anspruchs­ge­gen­stand iden­tisch sein. Eine allen­falls theo­re­ti­sche und ganz ent­fern­te Mög­lich­keit eines "Auf­la­dens" der Vor­mer­kung braucht im Berich­ti­gungs­ver­fah­ren nicht aus­ge­räumt zu wer­den.

Löschung einer Rück­erwerbs­vor­mer­kung durch Grund­buch­be­rich­ti­gung

An den Unrich­tig­keits­nach­weis sind zwar stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len, weil er eine Grund­buch­ein­tra­gung ohne Bewil­li­gung des Betrof­fe­nen ermög­licht und sicher­ge­stellt sein muss, dass am Ver­fah­ren nicht Betei­lig­te kei­nen Scha­den erlei­den. Des­halb hat der Antrag­stel­ler in der Form des § 29 GBO alle Mög­lich­kei­ten aus­zu­räu­men, die der Rich­tig­keit der begehr­ten neu­en Ein­tra­gung ent­ge­gen­ste­hen wür­den. Erfor­der­lich ist der vol­le Nach­weis. Ganz ent­fern­te, bloß theo­re­ti­sche Mög­lich­kei­ten brau­chen jedoch nicht aus­ge­räumt zu wer­den.

Die Löschung einer Auf­las­sungs­vor­mer­kung wegen Unrich­tig­keits­nach­wei­ses ist des­halb nur mög­lich, wenn das Bestehen oder Ent­ste­hen des zu sichern­den Anspruchs aus­ge­schlos­sen ist. In einem sol­chen Fall exis­tiert die streng akzes­so­ri­sche, d.h. for­de­rungs­ab­hän­gi­ge Vor­mer­kung eben­falls nicht bzw. nicht mehr.

Im hier vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Fall bedeu­tet dies: Aus dem Grund­buch selbst ergibt sich der Ein­trag der Rück­erwerbs­vor­mer­kung am 31. August 2007 für Z auf­grund der Bewil­li­gung vom 3. Juli 2007 und die Eigen­tums­um­schrei­bung auf Z am 21. Okto­ber 2009 auf­grund der Auf­las­sung vom 12. Juni 2009. Damit ist der ursprüng­lich gesi­cher­te Anspruch auf Rück­erwerb durch Erfül­lung erlo­schen und durch die noch ein­ge­tra­ge­ne, nicht mehr exis­ten­te Vor­mer­kung ist das Grund­buch unrich­tig gewor­den.

Das Erlö­schen der Vor­mer­kung wegen des Weg­falls der gesi­cher­ten For­de­rung kann hier abschlie­ßend fest­ge­stellt wer­den, weil für ein "Auf­la­den" der Vor­mer­kung mit ande­ren Ansprü­chen kein Anhalts­punkt gege­ben ist.

Von die­ser Mög­lich­keit geht zwar die jün­ge­re Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes aus 1. Aller­dings ist das "Auf­la­den" einer erlo­sche­nen Vor­mer­kung nur mög­lich zur Siche­rung eines neu­en, deckungs­glei­chen Anspruchs. Erfor­der­lich ist jeweils, dass Schuld­ner, Gläu­bi­ger und Anspruchs­ge­gen­stand der neu­en oder zusätz­li­chen Ansprü­che iden­tisch sind.

Dies wür­de vor­lie­gend erfor­dern, dass die Wirk­sam­keit der Eigen­tums­än­de­rung zu Guns­ten des Z infra­ge gestellt sein müss­te und die Vor­ei­gen­tü­me­rin den Rück­erwerb durch die Betei­lig­te Z erneut bewil­ligt hät­te. In die­sem Fall könn­te die erlo­sche­ne Auf­las­sungs­vor­mer­kung ohne Grund­buch­be­rich­ti­gung und inhalts­glei­che Neu­ein­tra­gung wie­der zur Siche­rung des neu­en deckungs­glei­chen Anspruchs ver­wen­det wer­den.

Im Hin­blick auf die nach dem Rück­erwerb des Z ange­ord­ne­ten Zwangs­ver­stei­ge­run­gen und ‑ver­wal­tun­gen besteht hier­für kei­ner­lei Anhalts­punkt.

Nur wenn die Mög­lich­keit des "Auf­la­dens" der noch ein­ge­tra­ge­nen Vor­mer­kung mit einem ande­ren oder wei­te­ren (noch bestehen­den) Anspruch nicht mit der erfor­der­li­chen Sicher­heit nach §§ 22 Abs. 1 S. 1, 29 GBO aus­ge­schlos­sen wer­den kann, kommt eine Löschung ohne Bewil­li­gung nach § 19 GBO nicht in Betracht. Hier­von kann aber vor­lie­gend nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

Eine allen­falls theo­re­ti­sche und ganz ent­fern­te Mög­lich­keit eines "Auf­la­dens" der Vor­mer­kung braucht dage­gen im Ver­fah­ren nach § 22 Abs. 1 S. 1 GBO nicht aus­ge­räumt zu wer­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart schließt sich zur vor­lie­gen­den Pro­ble­ma­tik den zutref­fen­den Aus­füh­run­gen in den Ent­schei­dun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Schles­wig 2 an, auf die im Ein­zel­nen Bezug genom­men wird.

Der übri­gen neue­ren ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung, auf die eben­falls ver­wie­sen wird, lie­gen letzt­lich nicht ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te zu Grun­de 3.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 20. März 2012 – 8 W 98/​12

  1. BGH NJW 2000, 805; und NJW 2008, 578[]
  2. OLG Schles­wig FGPrax 2011, 72, m.w.N.) sowie des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 08.02.2010 – 5 Wx 1/​09, m.w.N.[]
  3. ver­glei­che OLG Köln, FGPrax 2010, 14; OLG Hamm, Not­BZ 2011, 294; OLG Frankfur,t Rpfle­ger 2011, 492; KG, Rpfle­ger 2011, 365; OLG Düs­sel­dorf, Not­BZ 2011, 231; OLG Frank­furt, Beschluss vom 13.04.2011 – 20 W 146/​11 und 20 W 126/​11; sowie vom 20.10.2011 – 20 W 548/​10; OLG Mün­chen, Beschluss vom 18.11.2011 – 34 Wx 425/​11, je m.w.N.[]