Löschungs­kos­ten einer Glo­bal­grund­schuld

Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­pflich­ten die den Kos­ten­an­satz täti­gen­de Behör­de, die zu erhe­ben­de Gebühr nach dem wirt­schaft­li­chen Wert der Amts­hand­lung zu bemes­sen. Zufäl­li­ge Ereig­nis­se dür­fen dies nicht beein­flus­sen.

Löschungs­kos­ten einer Glo­bal­grund­schuld

Haf­ten meh­re­re Son­der­ei­gen­tums­ein­hei­ten im Rah­men einer Glo­bal­grund­schuld so wäre es unver­hält­nis­mä­ßig, die Kos­ten der Löschung der Grund­schuld allei­ne dem Erwer­ber auf­zu­er­le­gen, der den Antrag auf Ent­las­sung aus der Haf­tung als letz­tes stellt.

Es läge ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG vor, wür­de man nicht die­se ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der maß­ge­ben­den Nor­men zugrun­de­le­gen, ent­schied das Amts­ge­richt Lör­rach:

Es gibt vor­lie­gend zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der liegt eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke mit der Fol­ge vor, dass das Gericht berech­tigt ist, – wie gesche­hen – eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung vor­zu­neh­men. Geht man hier­von nicht aus, müss­te das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren aus­ge­setzt wer­den und eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung – wohl in Form eines kon­kre­ten Norm­kon­troll­ver­fah­rens – des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts her­bei­ge­führt wer­den.

Die Auf­fas­sung, dass die Kos­ten­ord­nung grund­sätz­lich an dem jewei­li­gen Grund­buch­vor­gang anknüpft und die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Par­tei­en nicht zu berück­sich­ti­gen sind, wei­ter, dass es sich bei den Rege­lun­gen der Kos­ten­ord­nung um ein for­ma­li­sier­tes Gebüh­ren­sys­tem han­delt, sind zwar zutref­fend. Gleich­wohl unter­liegt auch die Anwen­dung eines typi­sier­ten Gebüh­ren­sys­tems und die Fest­set­zung ent­spre­chen­der Gebüh­ren durch staat­li­che Orga­ne wie jedes staat­li­ches Han­deln den Nor­men des Grund­ge­set­zes, ins­be­son­de­re den Grund- und Men­schen­rech­ten und damit auch dem Gleich­heits­grund­sat­zes Art. 3 Abs. 1 GG.

Der Kos­ten­schuld­ner hat vor­lie­gend näm­lich kei­nen Ein­fluss dar­auf, ob er mit sei­nem Grund­stück ledig­lich aus der Mit­haft ent­las­sen wird oder ob es sich bei sei­nem Grund­stück zufäl­lig um das letz­te einer lan­gen Rei­he von Grund­stü­cken han­delt, mit der Fol­ge„ dass aus for­ma­len Grün­den nun­mehr die Glo­bal­grund­schuld, bezie­hungs­wei­se Gesamt­grund­schuld zu löschen ist. Sinn, Bedeu­tung und Fol­gen sind für den Kos­ten­schuld­ner, der aus der Mit­haft ent­las­sen wird, die glei­chen wie für den letz­ten Kos­ten­schuld­ner bei wel­chem es zur Löschung der Glo­bal­grund­schuld kommt. Es han­delt sich in die­sem Sin­ne und dies allein ist aus Sicht des Grund­rechts­in­ha­bers maß­ge­bend – um glei­che und daher auch gebüh­ren­recht­lich gleich zu behan­deln­de Sach­ver­hal­te.

Im vor­lie­gen­den Fall wür­den, woll­te man der gegen­tei­li­gen Auf­fas­sung fol­gen, glei­che Sach­ver­hal­te in Fol­ge eines for­ma­li­sier­ten Gebüh­ren­sys­tems in einer den letz­ten Kos­ten­schuld­ner will­kür­lich benach­tei­li­gen­den Wei­se ungleich behan­delt.

Amts­ge­richt Lör­rach, Beschluss vom 12. Febru­ar 2011 – 25 UR II 27/​10