Män­gel des ein­ge­bau­ten Navi­ga­ti­ons­sys­tems

Ist dem Käu­fer eines Fahr­zeugs mit einem angeb­lich feh­ler­haf­ten Navi­ga­ti­ons­sys­tems die Unter­su­chung durch einen Sach­ver­stän­di­gen nicht mehr mög­lich, weil er das Fahr­zeug zwi­schen­zeit­lich ver­kauft hat, kann sein Scha­dens­be­geh­ren gegen den Ver­käu­fer aus die­sem Grund erfolg­los blei­ben.

Män­gel des ein­ge­bau­ten Navi­ga­ti­ons­sys­tems

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen, die Män­gel an einem Navi­ga­ti­ons­ge­rät in einem erwor­be­nen Bent­ley bean­stan­de­te. Das betref­fen­de Fahr­zeug ist von der kla­gen­den Fir­ma aus Bad Sal­zu­flen im Sep­tem­ber 2013 vom beklag­ten Auto­haus in Han­no­ver für ca. 200.000 Euro erwor­ben wor­den. Nach dem Kauf des Fahr­zeugs rüg­te sie Män­gel des Navi­ga­ti­ons­sys­tems, das fal­sche bzw. nicht exis­ten­te Weg­füh­run­gen vor­schla­ge. Im April 2014 teil­te ihr die Beklag­te mit, dass – nach Anga­ben des Her­stel­lers – ein Feh­ler in der Grund­pro­gram­mie­rung der Soft­ware vor­lie­ge, der mit einer Aktua­li­sie­rung bis Ende des Jah­res beho­ben wer­den sol­le. Dies woll­te die Klä­ge­rin nicht abwar­ten und erklär­te im Mai 2014 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. In dem dar­auf­hin von der Klä­ge­rin ange­streng­ten Pro­zess hat sie die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ver­langt und zur Begrün­dung vor­ge­tra­gen, dass das Navi­ga­ti­ons­sys­tem wegen der Fehl­funk­ti­on so gut wie unbrauch­bar sei. Die Beklag­te hat dem­ge­gen­über behaup­tet, dass das Navi­ga­ti­ons­sys­tem dem Stand der Tech­nik ent­spre­che. Fest ein­ge­bau­te Navi­ga­ti­ons­sys­te­me sei­en nie auf dem neu­es­ten Stand und müss­ten des­halb regel­mä­ßig aktua­li­siert wer­den. Im Übri­gen sei der gerüg­te Man­gel nicht erheb­lich. Die­ser Auf­fas­sung ist das Land­ge­richt Det­mold gefolgt und hat die Kla­ge abge­wie­sen. Nach zwi­schen­zeit­li­cher Ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs hat die Klä­ge­rin in der Beru­fungs­in­stanz nun­mehr 25.000 Euro Wert­er­satz ver­langt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, die Klä­ge­rin habe nicht nach­ge­wie­sen, dass das ver­kauf­te Fahr­zeug bei der Über­ga­be durch die Beklag­te im Sep­tem­ber 2013 man­gel­haft gewe­sen sei. Als Käu­fe­rin habe sie zunächst ein Navi­ga­ti­ons­ge­rät mit der für ein Neu­fahr­zeug des ver­kauf­ten Modells sei­ner­zeit aktu­el­len Hard- und Soft­ware erwar­ten kön­nen und auch erhal­ten. Dass das in dem Fahr­zeug ein­ge­bau­te Navi­ga­ti­ons­sys­tem einen tech­ni­schen Feh­ler auf­ge­wie­sen habe und des­we­gen vom Stand der Tech­nik abge­wi­chen sei, habe die inso­weit beweis­be­las­te­te Klä­ge­rin nicht nach­ge­wie­sen. Ein der­ar­ti­ger Man­gel las­se sich auch unter Berück­sich­ti­gung eines mög­li­chen Feh­lers in der Grund­pro­gram­mie­rung im vor­lie­gen­den Fall nur mit­hil­fe eines tech­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens klä­ren, wobei der Sach­ver­stän­di­ge das in dem ver­kauf­ten Fahr­zeug ein­ge­bau­te Navi­ga­ti­ons­sys­tem unter­su­chen müs­se. Ein der­ar­ti­ges Gut­ach­ten kön­ne nicht mehr ein­ge­holt wer­den, weil die Klä­ge­rin das Fahr­zeug ver­äu­ßert habe und nicht mehr für eine Begut­ach­tung zur Ver­fü­gung stel­len kön­ne.

Aus die­sen Grün­den ste­he der gel­tend gemach­te Wert­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin nicht zu. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Beru­fung zurück­ge­wie­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 22. März 2016 – 28 U 44/​15, nicht rechts­kräf­tig (BGH VIII ZR 87/​16)