Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten – und die Umsatz­steu­er

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs umfasst ein vor der Män­gel­be­sei­ti­gung gel­tend gemach­ter Anspruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung gemäß § 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1, Abs. 3, § 281 BGB wegen der Män­gel an einem Bau­werk nicht die auf die vor­aus­sicht­li­chen Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten ent­fal­len­de Umsatz­steu­er [1].

Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten – und die Umsatz­steu­er

Im Lich­te der Erwä­gun­gen, die den Gesetz­ge­ber bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen Beschä­di­gung einer Sache bewo­gen haben, die Umsatz­steu­er aus der Berech­nung des zur Her­stel­lung erfor­der­li­chen Geld­be­tra­ges her­aus­zu­neh­men, sofern sie nicht tat­säch­lich ange­fal­len ist [2], hält es der Bun­des­ge­richts­hof auch bei einem werk­ver­trag­li­chen Anspruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung gemäß § 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1, Abs. 3, § 281 BGB für eine Über­kom­pen­sa­ti­on des Scha­dens des Bestel­lers, wenn die nicht ange­fal­le­ne Umsatz­steu­er berück­sich­tigt wird [3].

An die­ser Recht­spre­chung ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof erneut betont, fest­zu­hal­ten. Der Umstand, dass bei die­sem werk­ver­trag­li­chen Anspruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung das Äqui­va­lenz­in­ter­es­se des Bestel­lers, nicht des­sen Inte­gri­täts­in­ter­es­se betrof­fen ist, ändert an der vor­ste­hend genann­ten Beur­tei­lung nichts.

Die Bemes­sung eines sol­chen Scha­dens kann nicht ohne eine Wer­tung vor­ge­nom­men wer­den. Die­se muss zwar die berech­tig­te Erwar­tung des Bestel­lers berück­sich­ti­gen, den Scha­den – nach sei­ner Wahl – an den für eine Män­gel­be­sei­ti­gung erfor­der­li­chen Kos­ten bemes­sen zu kön­nen, weil der Anspruch an die Stel­le des geschul­de­ten Erfül­lungs­an­spruchs tritt. Es ist jedoch gerecht­fer­tigt, den Umfang des Scha­dens­er­sat­zes stär­ker als in der Ver­gan­gen­heit auch dar­an aus­zu­rich­ten, wel­che Dis­po­si­tio­nen der geschä­dig­te Bestel­ler tat­säch­lich zur Scha­dens­be­sei­ti­gung trifft [4].

Jeden­falls bei der Umsatz­steu­er ist eine Ein­schrän­kung zu machen; die Umsatz­steu­er, die der Bestel­ler auf­wen­den müss­te, wenn er die Män­gel durch Drit­te besei­ti­gen lie­ße, ist dem­entspre­chend bei der Bemes­sung der Höhe des Scha­dens­er­satz­an­spruchs nicht zu berück­sich­ti­gen [5]. Schutz­wür­di­ge Inter­es­sen des Bestel­lers wer­den durch die­se Ein­schrän­kung nicht beein­träch­tigt [6].

Die­se Ein­schrän­kung bezüg­lich der Umsatz­steu­er gilt auch bei einem nach Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten berech­ne­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 635 BGB a.F. Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Urteil vom 22.07.2010 [7] sei­ne Recht­spre­chung zur Ersatz­fä­hig­keit von Umsatz­steu­er zwar im Lich­te der Erwä­gun­gen geän­dert, die den Gesetz­ge­ber bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen Beschä­di­gung einer Sache bewo­gen haben, die Umsatz­steu­er aus der Berech­nung des zur Her­stel­lung erfor­der­li­chen Geld­be­tra­ges her­aus­zu­neh­men, sofern sie nicht tat­säch­lich ange­fal­len ist (vgl. § 249 Abs. 2 Satz 2 BGB in der Fas­sung des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung scha­dens­er­satz­recht­li­cher Vor­schrif­ten). Die vom Bun­des­ge­richts­hof ange­stell­te Wer­tung bezüg­lich der Über­kom­pen­sa­ti­on des Scha­dens des Bestel­lers gilt jedoch glei­cher­ma­ßen für nach Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten berech­ne­te werk­ver­trag­li­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gemäß § 635 BGB a.F. wie für werk­ver­trag­li­che Ansprü­che auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung gemäß § 634 Nr. 4, § 280 Abs. 1, Abs. 3, § 281 BGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. März 2015 – VII ZR 270/​14

  1. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 176/​09, BGHZ 186, 330 Rn. 9, 13 ff.[]
  2. vgl. BT-Drs. 14/​7752 S. 13[]
  3. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 176/​09, aaO Rn. 14[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 176/​09, aaO Rn. 15[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 176/​09, aaO Rn. 9, Rn. 14 f.[]
  6. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 176/​09, aaO Rn. 16[]
  7. BGH, Urteil vom 22.07.2010 – VII ZR 176/​09, aaO Rn. 11 ff., Rn. 14[]