Man­dats­nie­der­le­gung und Frist­ver­säum­nis

Hat eine Par­tei zunächst einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den und ent­spre­chend man­da­tiert, so kommt im Fal­le einer spä­te­ren Man­dats­nie­der­le­gung die Bestel­lung eines Not­an­walts bezie­hungs­wei­se eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nur dann in Betracht, wenn die Par­tei die Been­di­gung des Man­dats nicht zu ver­tre­ten hat 1. Dass die Been­di­gung des Man­dats nicht auf ein Ver­schul­den der Par­tei zurück­zu­füh­ren ist, hat die­se dar­zu­le­gen 2.

Man­dats­nie­der­le­gung und Frist­ver­säum­nis

Mit dem Ziel, die Ein­rei­chung einer inhalt­lich den Vor­stel­lun­gen der Par­tei oder ihres Inst­anz­an­walts ent­spre­chen­den Revi­si­ons- oder Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung zu errei­chen, kann die Bestel­lung eines Not­an­walts gemäß § 78b ZPO nicht ver­langt wer­den. Dies wür­de dem Sinn und Zweck der Zulas­sungs­be­schrän­kung zuwi­der­lau­fen und stün­de im Wider­spruch zur Eigen­ver­ant­wor­tung des Rechts­an­walts 3.

Einer Par­tei, wel­che trotz der Vor­nah­me zumut­ba­rer Bemü­hun­gen kei­nen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den hat, kann Wie­der­ein­set­zung gegen die Ver­säu­mung einer Rechts­mit­tel-(Begrün­dungs-)Frist gewährt wer­den, wenn sie vor Frist­ab­lauf einen Antrag auf Bei­ord­nung eines Not­an­walts bei Gericht gestellt und dabei die Vor­aus­set­zun­gen für die Bestel­lung eines Not­an­walts sub­stan­ti­iert dar­ge­legt hat 4.

Hat die Par­tei – wie hier – zunächst einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den und ent­spre­chend man­da­tiert, so kommt im Fal­le einer spä­te­ren Man­dats­nie­der­le­gung die Bestel­lung eines Not­an­walts bezie­hungs­wei­se eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nur dann in Betracht, wenn die Par­tei die Been­di­gung des Man­dats nicht zu ver­tre­ten hat 5. Wird der Ver­kehr zwi­schen der Par­tei und dem beim Rechts­mit­tel­ge­richt täti­gen Rechts­an­walt – wie hier – durch den Inst­anz­an­walt geführt, so ist der Par­tei nach § 85 Abs. 2 ZPO auch ein Ver­schul­den des Inst­anz­an­walts zuzu­rech­nen. Dass die Been­di­gung des Man­dats nicht auf ein Ver­schul­den der Par­tei zurück­zu­füh­ren ist, hat die­se eben­falls noch inner­halb der lau­fen­den Frist dar­zu­le­gen 6.

Aus­ge­hend hier­von war den Klä­gern im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren:

Die Klä­ger kön­nen sich nicht dar­auf beru­fen, sie hät­ten kei­nen beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt gefun­den, der bereit gewe­sen wäre, bis zum Ablauf der Frist eine Beschwer­de­be­grün­dung zu fer­ti­gen. Sie hat­ten bereits eine beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te gefun­den, die ihre Ver­tre­tung über­nom­men sowie die Beschwer­de ein­ge­legt hat­te und die grund­sätz­lich auch bereit war, die­se zu begrün­den. Geschei­tert ist dies ledig­lich dar­an, dass die­se das Man­dat nie­der­leg­te, nach­dem es – wie die Klä­ger aus­ge­führt haben – zwi­schen ihr und dem zweit­in­stanz­lich für die Klä­ger täti­gen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zu Dif­fe­ren­zen über den Inhalt der Beschwer­de­be­grün­dung gekom­men war.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs recht­fer­ti­gen allein Dif­fe­ren­zen einer Par­tei über die von ihrem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten und beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt avi­sier­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung und die dar­auf fol­gen­de Man­dats­nie­der­le­gung nicht die Bestel­lung eines Not­an­walts. Mit dem Ziel, die Ein­rei­chung einer inhalt­lich sei­nen Vor­stel­lun­gen ent­spre­chen­den Revi­si­ons- oder Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung zu errei­chen, kann die Bestel­lung eines Not­an­walts gemäß § 78b ZPO nicht ver­langt wer­den. Nach den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten dür­fen die­se Rechts­mit­tel nur durch einen beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt begrün­det wer­den. Die­ser trägt auch die Ver­ant­wor­tung für die Fas­sung. Eine Bei­ord­nung allein zu dem Zweck, die von einer nicht pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Per­son ver­fass­te Rechts­mit­tel­be­grün­dung in das Ver­fah­ren ein­zu­füh­ren, wür­de dem Sinn und Zweck der Zulas­sungs­be­schrän­kung zuwi­der­lau­fen und stün­de im Wider­spruch zur Eigen­ver­ant­wor­tung des Rechts­an­walts 7. Schei­tert die Ein­rei­chung einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung dar­an, dass der beauf­trag­te pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­ge Rechts­an­walt nicht bereit ist, den recht­li­chen Über­le­gun­gen der Par­tei zu fol­gen und sie zur Grund­la­ge eines Begrün­dungs­schrift­sat­zes zu machen, recht­fer­tigt dies für sich genom­men nicht die Bei­ord­nung eines Not­an­walts nach § 78b Abs. 1 ZPO. Hier­auf hat eine Par­tei näm­lich kein Recht. Sinn und Zweck der Zulas­sungs­be­schrän­kung für Rechts­an­wäl­te beim Bun­des­ge­richts­hof ist, die Rechts­pfle­ge durch eine leis­tungs­fä­hi­ge und in Revi­si­ons­sa­chen beson­ders qua­li­fi­zier­te Anwalt­schaft zu stär­ken. Die Rechts­su­chen­den sol­len kom­pe­tent bera­ten wer­den und im Vor­feld von aus­sichts­lo­sen Rechts­mit­teln Abstand neh­men kön­nen, was ihnen Kos­ten erspart. Zugleich soll der Bun­des­ge­richts­hof von unzu­läs­si­gen Rechts­mit­teln ent­las­tet wer­den. Dem lie­fe es zuwi­der, wenn der Klä­ger einen Anspruch dar­auf hät­te, sei­ne Rechts­an­sicht gegen den Anwalt durch­zu­set­zen 8.

Gemes­sen hier­an rei­chen die Aus­füh­run­gen der Klä­ger in ihrem Antrag nicht aus, um die Not­wen­dig­keit der Bestel­lung eines Not­an­walts zu begrün­den. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ger zwei­ter Instanz hat für die­se vor­ge­tra­gen, dass die Man­dats­kün­di­gung der beim Bun­des­ge­richts­hof pos­tu­la­ti­on­fä­hi­gen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger dadurch her­vor­ge­ru­fen wur­de, dass über den Inhalt der ein­zu­rei­chen­den Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung Dif­fe­ren­zen ent­stan­den waren. Zur Man­dats­kün­di­gung kam es, weil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ger in zwei­ter Instanz nicht bereit war, die von der beim Bun­des­ge­richts­hof pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­wäl­tin gefer­tig­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung zu geneh­mi­gen, son­dern zunächst um Fris­t­auf­schub bat. Eine Not­an­walts­be­stel­lung zum Zwe­cke der inhalt­li­chen Ver­än­de­rung der ein­zu­rei­chen­den Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dung kommt jedoch, wie bereits aus­ge­führt, nicht in Betracht. Auf­grund des Vor­trags der Klä­ger kann des­halb die Ver­säu­mung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­be­grün­dungs­frist nicht als unver­schul­det ange­se­hen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2013 – III ZR 122/​13

  1. Anschluss an BGH, Beschluss vom 12.07.1993 – II ZB 6/​93[]
  2. Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.04.2003 – XI ZB 5/​03, BGHR § 78b Abs. 1 ZPO Anstren­gun­gen, zumut­ba­re 2 – Man­dats­nie­der­le­gung; BGH, Beschluss vom 27.04.1995 – III ZB 4/​95, NJW-RR 1995, 1016[]
  3. Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 22.11.1994 – XI ZR 96/​94, NJW 1995, 537; und vom 25.11.1997 – VI ZR 174/​97, NJW-RR 1998, 575[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 19.01.2011 – IX ZA 2/​11, WuM 2011, 323 Rn. 4; Beschluss vom 12.06.2012 – VIII ZB 80/​11[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 12.07.1993 – II ZB 6/​93, n.v.; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 233 Rn. 23 "Nie­der­le­gung des Man­dats"; Musielak/​Weth, ZPO, 10. Aufl., § 78b Rn. 5; Musielak/​Grandel aaO § 233 Rn. 38[]
  6. BGH, Beschluss vom 11.04.2003 – XI ZB 57/​03, BGHR § 78b Abs. 1 ZPO Anstren­gun­gen, zumut­ba­re 2 – Man­dats­nie­der­le­gung; BGH, Beschluss vom 27.04.1995 – III ZB 4/​95, NJW-RR 1995, 1016[]
  7. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.11.1994 – XI ZR 96/​94, NJW 1995, 537; und vom 25.11.1997 – VI ZR 174/​97, NJW-RR 1998, 575[]
  8. BGH, Beschluss vom 20.06.2006 – VI ZR 255/​05, VersR 2007, 132[]