Mar­ken­werk­statt oder freie Fach­werk­statt?

Der Schä­di­ger kann den Geschä­dig­ten unter dem Gesichts­punkt der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine güns­ti­ge­re Repa­ra­tur­mög­lich­keit in einer mühe­los und ohne Wei­te­res zugäng­li­chen "frei­en Fach­werk­statt" ver­wei­sen, wenn er dar­legt und gege­be­nen­falls beweist, dass eine Repa­ra­tur in die­ser Werk­statt vom Qua­li­täts­stan­dard her der Repa­ra­tur in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ent­spricht, und wenn er gege­be­nen­falls vom Geschä­dig­ten auf­ge­zeig­te Umstän­de wider­legt, die die­sem eine Repa­ra­tur außer­halb der mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt unzu­mut­bar machen wür­den 1. Für die tatrich­ter­li­che Beur­tei­lung der Gleich­wer­tig­keit der Repa­ra­tur­mög­lich­keit gilt auch im Rah­men des § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB das erleich­ter­te Beweis­maß des § 287 ZPO.

Mar­ken­werk­statt oder freie Fach­werk­statt?

Der Bun­des­ge­richts­hof hat inzwi­schen in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen grund­sätz­lich Stel­lung dazu bezo­gen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Geschä­dig­ter, der den Ersatz fik­ti­ver Repa­ra­tur­kos­ten begehrt, gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB die Erstat­tung der Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ver­lan­gen kann 2.

Danach leis­tet der Geschä­dig­te dem Gebot der Wirt­schaft­lich­keit im all­ge­mei­nen Genü­ge und bewegt sich in den für die Scha­dens­be­he­bung nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB gezo­ge­nen Gren­zen, wenn er der Scha­dens­ab­rech­nung die übli­chen Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt zugrun­de legt, die ein von ihm ein­ge­schal­te­ter Sach­ver­stän­di­ger auf dem all­ge­mei­nen regio­na­len Markt ermit­telt hat.

Der Schä­di­ger kann den Geschä­dig­ten aber unter dem Gesichts­punkt der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht gemäß § 254 Abs. 2 BGB auf eine güns­ti­ge­re Repa­ra­tur­mög­lich­keit in einer mühe­los und ohne wei­te­res zugäng­li­chen "frei­en Fach­werk­statt" ver­wei­sen, wenn er dar­legt und ggf. beweist, dass eine Repa­ra­tur in die­ser Werk­statt vom Qua­li­täts­stan­dard her der Repa­ra­tur in einer mar-ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ent­spricht, und wenn er ggf. vom Geschä­dig­ten auf­ge­zeig­te Umstän­de wider­legt, die die­sem eine Repa­ra­tur außer­halb der mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt unzu­mut­bar machen wür­den.

Unzu­mut­bar ist eine Repa­ra­tur in einer "frei­en Fach­werk­statt" für den Geschä­dig­ten im All­ge­mei­nen dann, wenn das beschä­dig­te Fahr­zeug im Unfall­zeit­punkt nicht älter als drei Jah­re war. Aber auch bei Kraft­fahr­zeu­gen, die älter sind als drei Jah­re, kann es für den Geschä­dig­ten unzu­mut­bar sein, sich auf eine tech­nisch gleich­wer­ti­ge Repa­ra­tur­mög­lich­keit außer­halb der mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ver­wei­sen zu las­sen. Dies kann ins­be­son­de­re dann der Fall sein, wenn der Geschä­dig­te sein Fahr­zeug bis­her stets in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt hat war­ten und repa­rie­ren las­sen. Unzu­mut­bar ist eine Repa­ra­tur in einer "frei­en Fach­werk­statt" für den Geschä­dig­ten auch dann, wenn sie nur des­halb kos­ten­güns­ti­ger ist, weil ihr nicht die (markt-) übli­chen Prei­se die­ser Werk­statt, son­dern ver­trag­li­che Son­der­kon­di­tio­nen mit dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Schä­di­gers zugrun­de lie­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Juli 2010 – VI ZR 259/​09

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.10.2009 – VI ZR 53/​09, VersR 2010, 225; vom 23.02.2010 – VI ZR 91/​09, VersR 2010, 923; vom 22.06.2010 – VI ZR 337/​09 und VI ZR 302/​08[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.10.2009 – VI ZR 53/​09, VersR 2010, 225; vom 23.10.2010 – VI ZR 91/​09, VersR 2010, 923; vom 22.01.2010 – VI ZR 337/​09 und VI ZR 302/​08[]