"Mein Man­dant wird zah­len" – und die Ter­mins­ge­bühr nach dem Kos­ten­wert einer Erle­di­gung

Ein Tele­fon­ge­spräch, in dem der Beklag­ten­ver­tre­ter dem Klä­ger­ver­tre­ter die Bezah­lung der Klag­for­de­rung mit­teilt, die Prü­fung und Bestä­ti­gung der Erle­di­gung des Rechts­streits erbit­tet und sich mit dem Klä­ger­ver­tre­ter über eine Kos­ten­be­tei­li­gung der Klag­par­tei aus­tauscht, kann eine Ter­mins­ge­bühr nach dem Kos­ten­wert der Erle­di­gung aus­lö­sen.

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Die Ter­mins­ge­bühr ent­steht nach Vor­bem. 3 Abs. 3 S. 1 Alt. 3, S. 3 Nr. 2 VV RVG auch für die Mit­wir­kung an einer auf die Erle­di­gung des Ver­fah­rens oder Ver­mei­dung eines sol­chen Ver­fah­rens gerich­te­ten Bespre­chung ohne Betei­li­gung des Gerichts. Die Bespre­chung muss auf die Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­tet sein; Gesprä­che über Ver­fah­rens­ab­spra­chen rei­chen nicht [1]. Es muss sich um eine (fern-)mündliche Bespre­chung gehan­delt haben, ein Aus­tausch schrift­li­cher Erklä­run­gen reicht nicht [2]. Für den Anfall der Ter­mins­ge­bühr ist es ohne Bedeu­tung, ob es tat­säch­lich zu einer güt­li­chen Eini­gung gekom­men ist [3].

Von einer Bespre­chung ist nach der Recht­spre­chung der Kos­ten­se­na­te [4] aus­zu­ge­hen, wenn der Geg­ner sich auf ein Gespräch ein­lässt, indem er die ihm unter­brei­te­ten Vor­schlä­ge zur Kennt­nis nimmt und – zumin­dest kon­klu­dent durch die Ankün­di­gung der Wei­ter­lei­tung an die eige­ne Par­tei – deren Prü­fung zusagt [5]. Ver­wei­gert der Geg­ner dage­gen von vorn­her­ein ent­we­der ein sol­ches sach­be­zo­ge­nes Gespräch oder eine güt­li­che Eini­gung, kommt eine auf die Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­te­te Bespre­chung bereits im Ansatz nicht zustan­de [1]. Ob das Gespräch erfolg­reich ist, ist uner­heb­lich [6].

Nach die­sen Maß­stä­ben gilt Fol­gen­des:

Eine auf den Gesamt­streit­wert bezo­ge­ne Ter­mins­ge­bühr ist vor­lie­gend nicht ent­stan­den. Zwar hat der Beklag­ten­ver­tre­ter dem Klä­ger­ver­tre­ter am 29.03.2016 tele­fo­nisch mit­ge­teilt, dass ein Aus­gleich der rechts­hän­gi­gen Ansprü­che durch Zah­lung der Beklag­ten an die Klä­ge­rin ver­an­lasst sei und ihn um Prü­fung und Bestä­ti­gung der Erle­di­gung gebe­ten. Die blo­ße Mit­tei­lung, dass der Rechts­streit wegen eines bestimm­ten Ereig­nis­ses für erle­digt erklärt wird, bzw. die blo­ße Anfra­ge, ob eine der­ar­ti­ge Erklä­rung abge­ge­ben wird erfüllt nicht die Vor­aus­set­zun­gen eines der Erle­di­gung des Rechts­streits oder Ver­mei­dung die­nen­den Gesprächs [7]. In eben die­sem Sin­ne war Ziel des Tele­fo­nats vor­lie­gend nicht die Her­bei­füh­rung der Erle­di­gung (Vorb. 3 Abs. 3 Nr. 2 RVG: "Bespre­chun­gen, die auf die Ver­mei­dung oder Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­tet sind"), die Zah­lung war näm­lich bereits ver­an­lasst, wenn­gleich noch nicht bei der Klä­ge­rin ein­ge­gan­gen.

Da sich die Par­tei­ver­tre­ter aber in dem Tele­fo­nat über eine Kos­ten­be­tei­li­gung der Klä­ge­rin an den Kos­ten des Rechts­streits nach Erle­di­gung fern­münd­lich aus­ge­tauscht haben und der Klä­ger­ver­tre­ter die Bit­te um Prü­fung die­ser Betei­li­gung ent­ge­gen­ge­nom­men und an sei­ne Man­dan­tin wei­ter­ge­lei­tet hat, ist nach den oben dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen eine Ter­mins­ge­bühr bezo­gen auf den Kos­ten­wert nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che ent­stan­den. Dass der Vor­schlag von der Klä­ge­rin letzt­lich abge­lehnt wor­den ist, ist inso­weit ohne Belang.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 25. Okto­ber 2016 – 8 W 106/​16

  1. BGH NJW-RR 2014, 958[][]
  2. Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, 22. Aufl., Vorb. 3 VV Rn. 178; BGH NJW 2010, 381: der Aus­tausch von E‑Mails reicht nicht[]
  3. BGH NJW-RR 2007, 286; 787, 788; NJW 2008, 2993, 2994[]
  4. s. nur OLG Ham­burg, Beschluss vom 26.10.2015 – 8 W 89/​15; und Beschluss vom 03.11.2014 – 4 W 123/​14[]
  5. BGH NJW-RR 2007, 286 f.; AGS 2010, 164; NJW-RR 2014, 958[]
  6. Gerold/​Schmidt, RVG, Kom­men­tar, 21. Aufl., Vorb. 3 VV Rn. 181[]
  7. Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, 22. Aufl., Vorb. 3 VV Rn. 173[]