Mes­ser, Sche­re, Feu­er, Licht ist für Kin­der­hän­de nicht

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des erken­nen­den Bun­des­ge­richts­hofs bestimmt sich das Maß der gebo­te­nen Auf­sicht nach Alter, Eigen­art und Cha­rak­ter des Kin­des sowie danach, was den Auf­sichts­pflich­ti­gen in ihren jewei­li­gen Ver­hält­nis­sen zuge­mu­tet wer­den kann. Ent­schei­dend ist, was ver­stän­di­ge Auf­sichts­pflich­ti­ge nach ver­nünf­ti­gen Anfor­de­run­gen unter­neh­men müs­sen, um die Schä­di­gung Drit­ter durch ein Kind zu ver­hin­dern. Dabei kommt es für die Haf­tung nach § 832 BGB stets dar­auf an, ob der Auf­sichts­pflicht nach den beson­de­ren Gege­ben­hei­ten des kon­kre­ten Fal­les genügt wor­den ist [1].

Mes­ser, Sche­re, Feu­er, Licht ist für Kin­der­hän­de nicht

Danach sind sowohl hin­sicht­lich der Beleh­rung über die Gefah­ren des Feu­ers als auch der Über­wa­chung eines mög­li­chen Umgangs mit Zünd­mit­teln stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Dies gilt ins­be­son­de­re in länd­li­chen Gebie­ten, in denen durch das Ent­zün­den von Stroh eine beson­de­re Brand­ge­fahr besteht [2]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat mehr­fach ent­schie­den, dass Eltern ihre sie­ben bis acht Jah­re alten Kin­der ein­dring­lich über die Gefähr­lich­keit des Spiels mit dem Feu­er beleh­ren und dar­auf ach­ten müs­sen, dass die Kin­der nicht uner­laubt in den Besitz von Streich­höl­zern oder ande­ren Zünd­mit­teln gelan­gen. Hier­zu gehört auch, die Kin­der davor zu war­nen, ande­ren Kin­dern bei dem Ent­fa­chen und dem Unter­hal­ten eines Feu­ers in irgend­ei­ner Wei­se zu hel­fen oder sie dazu anzu­stif­ten [3]. Eine täg­li­che Kon­trol­le der Taschen des Kin­des ist von den Auf­sichts­pflich­ti­gen im Regel­fall nicht zu ver­lan­gen. Grund­sätz­lich müs­sen Kin­der im Alter von sie­ben oder acht Jah­ren nur dann in die­ser Wei­se auf den Besitz von Streich­höl­zern oder Feu­er­zeu­gen kon­trol­liert wer­den, wenn dazu ein beson­de­rer Anlass besteht, wenn etwa beim Kind schon ein­mal Streich­höl­zer gefun­den wor­den sind oder das Kind eine beson­de­re Nei­gung zum Zün­deln hat [4].

Grund­sätz­lich ist bereits bei Kin­dern im Alter ab sie­ben Jah­ren weder eine Über­wa­chung „auf Schritt und Tritt“ noch eine regel­mä­ßi­ge Kon­trol­le in kur­zen Zeit­ab­stän­den erfor­der­lich. Grund­sätz­lich muss Kin­dern in die­sem Alter, wenn sie nor­mal ent­wi­ckelt sind, das Spie­len im Frei­en auch ohne Auf­sicht in einem räum­li­chen Bereich gestat­tet sein, der den Eltern ein sofor­ti­ges Ein­grei­fen nicht ermög­licht. Zum Spiel der Kin­der gehört es, Neu­land zu ent­de­cken und zu „erobern“. Dies kann ihnen, wenn damit nicht beson­de­re Gefah­ren für sie selbst oder für ande­re ver­bun­den sind, nicht all­ge­mein unter­sagt wer­den. Viel­mehr muss es bei Kin­dern die­ser Alters­stu­fe im All­ge­mei­nen genü­gen, dass die Auf­sichts­pflich­ti­gen sich über das Tun und Trei­ben in gro­ßen Zügen einen Über­blick ver­schaf­fen, sofern nicht kon­kre­ter Anlass zu beson­de­rer Auf­sicht besteht. Andern­falls wür­de jede ver­nünf­ti­ge Ent­wick­lung des Kin­des, ins­be­son­de­re der Lern­pro­zess im Umgang mit Gefah­ren, gehemmt [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. März 2012 – VI ZR 3/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2009 – VI ZR 199/​08, VersR 2009, 790 Rn. 8 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.05.1983 – VI ZR 263/​81, VersR 1983, 734; vom 19.01.1993 – VI ZR 117/​92, VersR 1993, 485, 486 mwN; vom 27.02.1996 – VI ZR 86/​95, VersR 1996, 586, 587 mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.05.1990 – VI ZR 205/​89, BGHZ 111, 282, 285; vom 01.07.1986 – VI ZR 214/​84, VersR 1986, 1210 f.; vom 19.01.1993 – VI ZR 117/​92, VersR 1993, 485, 486 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 01.07.1986 – VI ZR 214/​84, aaO, 1211[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.07.1984 – VI ZR 273/​82, VersR 1984, 968, 969 mwN; vom 07.07.1987 – VI ZR 176/​86, VersR 1988, 83, 84; vom 18.03.1997 – VI ZR 91/​96, VersR 1997, 750; vom 24.03.2009 – VI ZR 199/​08, aaO, Rn. 13[]