Miet­erhö­hung – und die Span­ne bei den Vergleichsmieten

Dem sach­ver­stän­dig bera­te­nen Tatrich­ter ste­hen, wenn sich nach der – stets erfor­der­li­chen – Berück­sich­ti­gung von Qua­li­täts­un­ter­schie­den in den Wohn­wert­merk­ma­len der zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen Woh­nun­gen noch eine brei­te Markt­streu­ung der Ver­gleichs­mie­ten ergibt, ver­schie­de­ne Ansät­ze für die Ermitt­lung der Ein­zel­ver­gleichs­mie­te zur Ver­fü­gung, deren Aus­wahl in sei­nem – revi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüf­ba­ren1 – Ermes­sen steht. Las­sen sich Beson­der­hei­ten bei der Ver­tei­lung der Ver­gleichs­mie­ten – etwa in Form einer auf­fäl­li­gen Häu­fung der Ver­gleichs­mie­ten um einen klei­nen Wert her­um – nicht fest­stel­len, kann es ange­mes­sen sein, auf den arith­me­ti­schen Mit­tel­wert abzu­stel­len2.

Miet­erhö­hung – und die Span­ne bei den Vergleichsmieten

Gemäß § 558 Abs. 1 Satz 1 BGB kann der Ver­mie­ter die Zustim­mung zu einer Erhö­hung der Mie­te bis zur orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te ver­lan­gen, wenn die Mie­te in dem Zeit­punkt, zu dem die Erhö­hung ein­tre­ten soll, seit 15 Mona­ten unver­än­dert geblie­ben ist. Die orts­üb­li­che Ver­gleichs­mie­te wird nach § 558 Abs. 2 Satz 1 BGB in der hier gemäß Art. 229 § 50 EGBGB anwend­ba­ren, bis zum 31.12.2019 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: aF) aus den übli­chen Ent­gel­ten gebil­det, die in der Gemein­de für Wohn­raum ver­gleich­ba­rer Art, Grö­ße, Aus­stat­tung, Beschaf­fen­heit und Lage ein­schließ­lich der ener­ge­ti­schen Aus­stat­tung und Beschaf­fen­heit in den letz­ten vier Jah­ren ver­ein­bart oder, von Erhö­hun­gen nach § 560 BGB abge­se­hen, geän­dert wor­den sind.

Die tatrich­ter­li­che Wür­di­gung bei der Bestim­mung der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te kann vom Revi­si­ons­ge­richt regel­mä­ßig nur dar­auf über­prüft wer­den, ob das Land­ge­richt Ber­lin Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder sonst unzu­tref­fen­de Maß­stä­be ange­legt hat, ob es Denk­ge­set­ze und all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze hin­rei­chend beach­tet hat oder ihm von der Revi­si­on gerüg­te Ver­fah­rens­ver­stö­ße unter­lau­fen sind, indem es etwa wesent­li­che tat­säch­li­che Umstän­de über­se­hen oder nicht voll­stän­dig gewür­digt hat3.

Dabei kann nicht ver­langt wer­den, das Gericht habe auf eine ange­mes­se­ne Mischung aus inner­halb des maß­geb­li­chen Vier­jah­res­zeit­raums ver­ein­bar­ten Neu­ver­trags­mie­ten und geän­der­ten Bestands­mie­ten zu ach­ten und ggfs. das vom Sach­ver­stän­di­gen sei­ner Begut­ach­tung zugrun­de geleg­te Mischungs­ver­hält­nis (hier: 50:50) zu hin­ter­fra­gen, bgleich sich aus dem Metho­den­be­richt zum Ber­li­ner Miet­spie­gel 2017 erge­be, dass der – regel­mä­ßig die über­durch­schnitt­li­chen Miet­ent­gel­te auf­wei­sen­de – Neu­ver­trags­an­teil in dem dor­ti­gen Erhe­bungs­zeit­raum (Sep­tem­ber 2012 bis Sep­tem­ber 2016) ledig­lich 44 % betra­gen habe.

Rich­tig ist zwar, dass es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs dem Tatrich­ter obliegt, auf ein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis von Neu­ver­mie­tun­gen und Bestands­mie­ten­än­de­run­gen, deren jewei­li­ge Berück­sich­ti­gung gemäß § 558 Abs. 2 Satz 1 BGB gebo­ten ist, zu ach­ten4.

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Das bedeu­tet aber nicht, dass der Tatrich­ter an eine bestimm­te – etwa aus dem Metho­den­be­richt des ein­schlä­gi­gen Miet­spie­gels her­vor­ge­hen­de – Quo­te von Neu­ver­mie­tun­gen und Bestands­mie­ten­än­de­run­gen gebun­den wäre. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in der Ver­gan­gen­heit ein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis (erst dann) ver­neint, wenn der Tatrich­ter eine der bei­den Grup­pen gar nicht oder nur in einem ver­nach­läs­sig­bar gerin­gen Umfang in sei­ne Betrach­tung ein­be­zo­gen hat5. Hier kann jedoch von einem Miss­ver­hält­nis in einem (noch) erheb­li­chen Maß kei­ne Rede sein. Viel­mehr spricht der von der Revi­si­on für den genann­ten Erhe­bungs­zeit­raum behaup­te­te Neu­ver­trags­an­teil von 44 % dafür, dass im vor­lie­gen­den Fall das Land­ge­richt Ber­lin in sei­nem Beru­fungs­ur­teil6 sei­ner Beur­tei­lung mit einer hälf­ti­gen Betei­li­gung bei­der Grup­pen an den ins­ge­samt berück­sich­tig­ten Miet­ent­gel­ten ein dem Markt­ge­sche­hen etwa ent­spre­chen­des und somit ange­mes­se­nes Ver­hält­nis zugrun­de gelegt hat.

Der Tatrich­ter muss bei sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung zwar beach­ten, ob die in einem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auf einer belast­ba­ren Grund­la­ge – hier auf einer aus­rei­chend gro­ßen, reprä­sen­ta­ti­ven Stich­pro­be ver­gleich­ba­rer Woh­nun­gen7beru­hen und dar­aus schlüs­si­ge und über­zeu­gen­de Schluss­fol­ge­run­gen gezo­gen wer­den8. Eine Offen­le­gung von tat­säch­li­chen Umstän­den, die der Sach­ver­stän­di­ge selbst erho­ben und sei­nem Gut­ach­ten zugrun­de gelegt hat, ist aus rechts­staat­li­chen Grün­den regel­mä­ßig aber erst dann gebo­ten, wenn eine der Par­tei­en die­se Befund­tat­sa­chen bestrei­tet9.

Danach durf­te das Land­ge­richt Ber­lin hier von einer aus­ge­wo­ge­nen und reprä­sen­ta­ti­ven Aus­wahl der Ver­gleichs­woh­nun­gen durch den Sach­ver­stän­di­gen aus­ge­hen. Denn die­ser hat die „geeig­ne­te Aus­wahl von Ver­gleichs­ob­jek­ten aus der Gesamt­heit der vor­lie­gen­den Daten­men­ge“ in sei­nem Gut­ach­ten aus­führ­lich erläu­tert, ohne dass eine der Par­tei­en hier­ge­gen im Beru­fungs­rechts­zug Ein­wen­dun­gen erho­ben oder etwa die dies­be­züg­li­chen Befund­tat­sa­chen bestrit­ten hätte.

Die Rüge, das Gut­ach­ten sei in sich wider­sprüch­lich, weil der Sach­ver­stän­di­ge einer­seits beto­ne, dass die Lage des Bewer­tungs­ob­jekts in dem beson­ders nach­ge­frag­ten Bezirk einen erheb­li­chen Ein­fluss auf den orts­üb­li­chen Miet­preis habe, er ande­rer­seits aber kein Ver­gleichs­ob­jekt aus die­sem Bezirk in sei­ne Begut­ach­tung ein­be­zo­gen habe, ist schon des­halb unbe­acht­lich, weil nicht ersicht­lich ist, dass sich die­ser Umstand zum Nach­teil der Mie­ter aus­ge­wirkt haben könn­te. Ent­schei­dend ist im Übri­gen, ob die her­an­ge­zo­ge­nen Ver­gleichs­woh­nun­gen ihrer Lage nach als gleich­wer­tig mit dem Bewer­tungs­ob­jekt anzu­se­hen sind. Das ist hier der Fall, wie sich dar­an zeigt, dass der Sach­ver­stän­di­ge nahe­zu allen Ver­gleichs­ob­jek­ten den­sel­ben Lage­fak­tor wie dem Bewer­tungs­ob­jekt (jeweils 1,05) zuge­wie­sen hat.

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Ohne Erfolg blieb vor dem Bun­des­ge­richts­hof fer­ner die Rüge, der Sach­ver­stän­di­ge habe die Span­ne der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te unzu­rei­chend ermit­telt, indem er es ver­säumt habe, das vol­le Spek­trum der Ent­gel­te für die 14 her­an­ge­zo­ge­nen Ver­gleichs­woh­nun­gen nach der Aus­son­de­rung der soge­nann­ten „Aus­rei­ßer­mie­ten“ in einem zwei­ten Schritt durch die Bestim­mung des „brei­ten Mit­tel­felds“ der Ver­gleichs­mie­ten wei­ter einzugrenzen.

Die­se Rüge ver­kennt, dass die nach ihrer – auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 29.02.201210 gestütz­ten – Ansicht anzu­wen­den­de Metho­de zur Ermitt­lung der maß­geb­li­chen Ein­zel­ver­gleichs­mie­te nicht die ein­zig in Betracht kom­men­de Metho­de dar­stellt. Viel­mehr ste­hen dem sach­ver­stän­dig bera­te­nen Tatrich­ter, wenn sich nach der – stets erfor­der­li­chen Berück­sich­ti­gung von Qua­li­täts­un­ter­schie­den in den Wohn­wert­merk­ma­len der zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen Woh­nun­gen – sei es in Form von Zu- und Abschlä­gen oder durch Anwen­dung eines Punk­te-Bewer­tungs­sys­tems – noch eine brei­te Markt­streu­ung ergibt, ver­schie­de­ne Ansät­ze für die Ermitt­lung der Ein­zel­ver­gleichs­mie­te zur Ver­fü­gung, deren Aus­wahl in sei­nem – revi­si­ons­recht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüf­ba­ren1 – Ermes­sen steht11. Las­sen sich Beson­der­hei­ten bei der Ver­tei­lung der Ver­gleichs­mie­ten – etwa in Form einer auf­fäl­li­gen Häu­fung der Ver­gleichs­mie­ten um einen klei­nen Wert her­um – nicht fest­stel­len, kann es ange­mes­sen sein, auf den arith­me­ti­schen Mit­tel­wert abzu­stel­len12.

Nach die­sem Maß­stab ist der vom Land­ge­richt Ber­lin gewähl­te Ansatz für die Bestim­mung der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te nicht zu bean­stan­den13. Der zu Rat gezo­ge­ne Sach­ver­stän­di­ge hat zunächst – in einem ers­ten Schritt – unter Anwen­dung des Ver­gleichs­wert­ver­fah­rens, bei dem die Qua­li­täts­un­ter­schie­de der zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen Woh­nun­gen in Form von Zuund Abschlä­gen berück­sich­tigt wur­den, die Band­brei­te der orts­üb­li­chen Ver­gleichs­mie­te für die zu bewer­ten­de Woh­nung (von 6,19 €/​m² bis 10,22 €/​m²) ermit­telt und sodann – in einem zwei­ten Schritt – aus­ge­hend von dem arith­me­ti­schen Mit­tel­wert (von 8,09 €/​m²) mit­hil­fe einer „Nutz­wert­ana­ly­se auf Basis der wis­sen­schaft­li­chen Ziel­baum­me­tho­de“ eine wert­mä­ßi­ge Ein­stu­fung mit dem Ergeb­nis vor­ge­nom­men, dass sich die Ein­zel­ver­gleichs­mie­te auf 8,28 €/​m² beläuft. Die von der Revi­si­on ver­miss­te Bestim­mung des „brei­ten Mit­tel­felds“ der Ver­gleichs­mie­ten ist bei die­ser – eben­falls zuläs­si­gen – Vor­ge­hens­wei­se ersicht­lich überflüssig.

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Auch die Rüge, das Land­ge­richt Ber­lin habe über­se­hen, dass der Sach­ver­stän­di­ge im Rah­men der gebo­te­nen Stan­dar­dan­pas­sung trotz der – im Ver­gleich zum Bewer­tungs­ob­jekt – bes­se­ren Aus­stat­tung eines gro­ßen Teils der Ver­gleichs­ob­jek­te einen Aus­gleich nicht vor­ge­nom­men habe, ist für den Bun­des­ge­richts­hof unbe­grün­det. Soweit bean­stan­det wird, sämt­li­che der vom Sach­ver­stän­di­gen mit dem Aus­stat­tungs­fak­tor 1, 0 bewer­te­ten Ver­gleichs­woh­nun­gen sei­en sowohl mit einer Spü­le in der Küche als auch mit einem Bal­kon aus­ge­stat­tet, wäh­rend das – eben­falls in der Aus­stat­tung mit dem Fak­tor 1, 0 bemes­se­ne – Bewer­tungs­ob­jekt zwar auch einen Bal­kon, aber „nur“ eine Küche ohne Spü­le auf­wei­se, lässt sie wesent­li­che vom Sach­ver­stän­di­gen in die Gesamt­be­wer­tung ein­be­zo­ge­ne Umstän­de außer Betracht. So hat der Sach­ver­stän­di­ge den Umstand, dass die Küche des Bewer­tungs­ob­jekts – wegen der feh­len­den Spü­le und des feh­len­den Geschirr­spül­an­schlus­ses – als ein­fach anzu­se­hen sei, nicht nur schlicht wegen des Vor­han­den­seins eines Bal­kons als aus­ge­gli­chen ange­se­hen, son­dern in die­sem Zusam­men­hang den „geräu­mi­gen Bal­kon“ und das „geflies­te Bad mit Ein­bau­wan­ne“ berück­sich­tigt. Zudem sind ent­ge­gen der Behaup­tung der Revi­si­on zwei der ins­ge­samt zehn mit dem Aus­stat­tungs­fak­tor 1, 0 bewer­te­ten Ver­gleichs­woh­nun­gen laut der Beschrei­bung des Sach­ver­stän­di­gen – ähn­lich wie das Bewer­tungs­ob­jekt – „ohne Ein­bau­kü­che (Spü­le und Herd)“. Schließ­lich hat der Sach­ver­stän­di­ge – was die Revi­si­on eben­falls aus­blen­det – eine Anpas­sung im Hin­blick auf die Aus­stat­tung der Woh­nung der Mie­ter zusätz­lich über das Ziel­baum­ver­fah­ren vor­ge­nom­men, indem er die Küche dort (mit minus 20 Punk­ten) nega­tiv ein­ge­stuft hat.

Revi­si­ons­recht­lich unbe­hel­flich ist der Ver­such, die durch den Sach­ver­stän­di­gen erfolg­te Gesamt­be­wer­tung der Aus­stat­tung der Woh­nung der Mie­ter als „mit­tel“ mit der Begrün­dung anzu­zwei­feln, das Bade­zim­mer habe aus meh­re­ren Grün­den – ins­be­son­de­re wegen des vom Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­ten Feh­lens eines FI-Schal­ters – nicht als „zweck­mä­ßig saniert“, son­dern als „ein­fach“ ein­ge­stuft wer­den müs­sen. Damit setzt die Revi­si­on ledig­lich ihre eige­ne Beur­tei­lung an die Stel­le der Wür­di­gung der fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen durch das Land­ge­richt Ber­lin, ohne einen revi­si­blen Rechts­feh­ler aufzuzeigen.

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Die Rüge, das Land­ge­richt Ber­lin hät­te erken­nen müs­sen, dass es inso­weit an der Nach­voll­zieh­bar­keit der vom Sach­ver­stän­di­gen für die Stan­dar­dan­pas­sung ver­wen­de­ten Umrech­nungs­ko­ef­fi­zi­en­ten feh­le, als die­ser im Rah­men sei­ner abs­trak­ten Erläu­te­rung der drei Aus­stat­tungs-Kate­go­rien von einer Abstu­fung in Zeh­ner­schrit­ten aus­ge­gan­gen sei (ein­fach: 0,90 /​mittel: 1,00 /​gut: 1,10), bei der kon­kre­ten Bewer­tung der Ver­gleichs­woh­nun­gen dann aber Abbe­zie­hungs­wei­se Zuschlä­ge in Fün­fer­schrit­ten (0,95 /1,00 /1,05) vor­ge­nom­men habe, bleibt eben­falls ohne Erfolg. Es liegt auf der Hand, dass hier im Rah­men der kon­kre­ten Bewer­tung eine – zwei­fels­oh­ne zuläs­si­ge – Ver­ga­be von Zwi­schen­stu­fen (zwi­schen „ein­fach“ und „mit­tel“ bezie­hungs­wei­se zwi­schen „mit­tel“ und „gut“) erfolgt ist.

Der Revi­si­on bleibt fer­ner inso­weit der Erfolg ver­sagt, als sie rügt, das Land­ge­richt Ber­lin habe über­se­hen, dass der Sach­ver­stän­di­ge bei der – zur Ein­ord­nung der zu bewer­ten­den Woh­nung in die ermit­tel­te Ver­gleichs­mie­ten­span­ne her­an­ge­zo­ge­nen – Nutz­wert­ana­ly­se ein­zel­ne wohn­wert­be­stim­men­de Fak­to­ren feh­ler­haft nicht berück­sich­tigt habe.

So ist es für den Bun­des­ge­richts­hof revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Land­ge­richt Ber­lin der Beur­tei­lung des Sach­ver­stän­di­gen (still­schwei­gend) inso­weit gefolgt ist, als die­ser das der Lage­be­wer­tung zuge­ord­ne­te Kri­te­ri­um „Immis­sio­nen“ als neu­tral ein­ge­stuft hat.

Soweit dem­ge­gen­über unter Beru­fung auf die dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten bei­gefüg­te Stra­te­gi­sche Lärm­kar­te ver­tre­ten wird, die­ses Kri­te­ri­um hät­te wegen erhöh­ter Stör­ein­flüs­se als nega­tiv in die Gesamt­be­wer­tung ein­flie­ßen müs­sen, ver­mag sie einen Rechts­feh­ler nicht auf­zu­zei­gen. Viel­mehr ver­liert sie ihrer­seits aus dem Blick, dass der Sach­ver­stän­di­ge bei sei­ner Bewer­tung den eben­falls aus der Lärm­kar­te her­vor­ge­hen­den Umstand berück­sich­tigt hat, dass das Gebäu­de, in dem sich die zu bewer­ten­de Woh­nung befin­det, nur hof­sei­tig – durch die dort ver­lau­fen­de U‑Bahnstrecke – erhöh­ten Lärm­im­mis­sio­nen aus­ge­setzt ist, wäh­rend es stra­ßen­sei­tig eine beson­ders ruhi­ge Lage aufweist.

Die wei­te­re Annah­me, die vom Sach­ver­stän­di­gen her­an­ge­zo­ge­nen Ver­gleichs­ob­jek­te wie­sen mehr­heit­lich eine bes­se­re Lärm­bi­lanz auf als die Woh­nung der Mie­ter, stellt eine rei­ne Mut­ma­ßung dar, für die jeg­li­cher Beleg fehlt. Der inso­weit ange­führ­te Umstand, dass die Woh­nung der Mie­ter – wie die genann­te Lärm­kar­te zei­ge – im Ver­gleich zu den meis­ten in der unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft befind­li­chen Woh­nun­gen über­durch­schnitt­lich hoher Lärm­be­läs­ti­gung aus­ge­setzt sei, lässt die­sen Schluss ersicht­lich nicht zu.

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uch soweit das Land­ge­richt Ber­lin der Bewer­tung des Sach­ver­stän­di­gen betref­fend den Grundriss/​Zuschnitt der Woh­nung als „nor­mal“ gefolgt ist, liegt ein revi­si­ons­recht­lich beacht­li­cher Rechts­feh­ler nicht vor. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on ist das Gut­ach­ten nicht etwa in sich wider­sprüch­lich, weil ihm einer­seits zu ent­neh­men ist, dass es sich bei dem soge­nann­ten „Bal­kon­zim­mer“ um ein „gefan­ge­nes Zim­mer“ han­delt, die­ser Umstand ande­rer­seits aber – obwohl ein „gefan­ge­nes Zim­mer“ als Bei­spiel für einen nach­tei­li­gen Zuschnitt genannt wird – nicht zu einer Bewer­tung des Zuschnitts der Woh­nung als „nach­tei­lig“ geführt hat. Die Revi­si­on lässt außer Betracht, dass der Sach­ver­stän­di­ge – zutref­fend – von einer Vier­zim­mer­woh­nung aus­ge­gan­gen ist und es sich bei dem als „Bal­kon­zim­mer“ bezeich­ne­ten Teil der Woh­nung um eine zusätz­li­che (Außen-)Räumlichkeit han­delt, die nicht zu den der Woh­nung als sol­che zuge­rech­ne­ten Zim­mern gehört. Es liegt dem­nach offen­kun­dig ein sach­li­cher Grund für die nicht (zum Nach­teil) erfolg­te Berück­sich­ti­gung des Umstands vor, dass der Bal­kon­raum „nur“ vom Wohn-; und vom Eltern­zim­mer aus zugäng­lich ist.

Eben­falls ohne Erfolg blieb die Rüge, das Land­ge­richt Ber­lin habe sich nicht der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen anschlie­ßen dür­fen, soweit die­ser die Gebäu­de­er­schei­nung – mit zehn von zwan­zig mög­li­chen Plus­punk­ten posi­tiv bewer­tet habe. Die Revi­si­on irrt bereits im Ansatz, wenn sie davon aus­geht, der Sach­ver­stän­di­ge habe mit der Beschrei­bung „detail­liert, Denk­mal“ Gestal­tungs­merk­ma­le auf­ge­zählt, die zu der Kate­go­rie „nor­ma­le Erschei­nung“ gehör­ten, und dar­auf gestützt meint, das Erschei­nungs­bild des Bewer­tungs­ob­jekts sei als neu­tral ein­zu­stu­fen, weil es über die auf­ge­zähl­ten hin­aus kei­ne posi­ti­ven Erschei­nungs­merk­ma­le auf­wei­se. Denn der Sach­ver­stän­di­ge hat mit der zitier­ten Beschrei­bung („detail­liert, Denk­mal“) – anders als die Revi­si­on annimmt – gera­de die spe­zi­ell auf das Bewer­tungs­ob­jekt zutref­fen­den, posi­tiv zu bewer­ten­den Merk­ma­le ange­führt, die eine Inter­po­la­ti­on zwi­schen der mitt­le­ren („nor­mal“ – 0 Punk­te) und der obe­ren („vil­len­ar­tig“ – 20 Punk­te) für die Gebäu­de­er­schei­nung vor­ge­se­he­nen Stu­fe rechtfertigt.

Soweit schließ­lich gel­tend gemacht wird, das Land­ge­richt Ber­lin habe nicht beach­tet, dass der Sach­ver­stän­di­ge auf pri­va­te Miet­spie­gel Bezug genom­men habe, die – ent­ge­gen den Vor­ga­ben des § 558 Abs. 2 Satz 1 BGB ledig­lich auf Miet­prei­se aus dem Jahr 2017 abstell­ten, blen­det sie aus, dass die im Gut­ach­ten ange­führ­ten pri­va­ten Miet­spie­gel ersicht­lich kei­nen Ein­fluss auf das Ergeb­nis der Ermitt­lung der zutref­fen­den Ein­zel­ver­gleichs­mie­te (in Höhe von 8,28 €/​m²) hat­ten, son­dern ledig­lich hilfs­wei­se im Rah­men einer ergän­zend durch­ge­führ­ten Plau­si­bi­li­täts­kon­trol­le erwähnt wurden.

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Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. April 2021 – VIII ZR 22/​20

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.04.2005 – VIII ZR 110/​04, NJW 2005, 2074 unter – II 2 d aa[][]
  2. Bestä­ti­gung der BGH, Urtei­le vom 24.04.2019 – VIII ZR 62/​18, NJW 2019, 3142 Rn. 59, und – VIII ZR 82/​18 17; jeweils in Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 29.02.2012 – VIII ZR 346/​10, aaO Rn. 25 f.[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 18.11.2020 – VIII ZR 123/​20, aaO Rn. 77; vom 07.02.2018 – VIII ZR 148/​17, NJW-RR 2018, 1012 Rn. 15; vom 15.03.2017 – VIII ZR 270/​15, NJW 2017, 1474 Rn. 24; jeweils mwN[]
  4. BGH, Urtei­le vom 29.02.2012 – VIII ZR 346/​10, NJW 2012, 1351 Rn. 31; vom 24.04.2019 – VIII ZR 62/​18, NJW 2019, 3142 Rn. 50, und – VIII ZR 82/​1819[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 24.04.2019 – VIII ZR 62/​18, aaO, und – VIII ZR 82/​18, aaO[]
  6. LG Ber­lin, Urteil vom 10.12.2019 – 63 S 348/​18[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 29.02.2012 – VIII ZR 346/​10, aaO Rn. 18[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 18.11.2020 – VIII ZR 123/​20, NJW-RR 2021, 76 Rn. 50 mwN[]
  9. vgl. BVerfGE 91, 176, 182[]
  10. BGH; vom 29.02.2012 – VIII ZR 346/​10, NJW 2012, 1351 Rn. 23[]
  11. ähn­lich auch schon BGH, Urteil vom 29.02.2012 – VIII ZR 346/​10, aaO Rn. 25 f.[]
  12. BGH, Urtei­le vom 24.04.2019 – VIII ZR 62/​18, NJW 2019, 3142 Rn. 59, und – VIII ZR 82/​18 17; jeweils in Fort­füh­rung der genann­ten BGH-Recht­spre­chung[]
  13. vgl. hier­zu bereits BGH, Urteil vom 18.11.2020 – VIII ZR 123/​20, aaO Rn. 83[]

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