Miet­erhö­hungs­ver­lan­gen und das unvoll­stän­di­ge Zustim­mungs­ur­teil

Der Anspruch auf Zah­lung der erhöh­ten Mie­te setzt gemäß § 558b BGB eine ent­spre­chen­de Ände­rung des Miet­ver­trags vor­aus. Stimmt der Mie­ter die­ser Ände­rung auf­grund des Miet­erhö­hungs­ver­lan­gens des Ver­mie­ters nicht zu, muss der Ver­mie­ter auf Zustim­mung kla­gen; mit Rechts­kraft des Urteils, durch das der Mie­ter zur Zustim­mung ver­pflich­tet wird, gilt des­sen Zustim­mungs­er­klä­rung gemäß § 894 ZPO als abge­ge­ben, das heißt, die erfor­der­li­che Ver­trags­än­de­rung tritt ein. Sie bewirkt, dass der Mie­ter nach § 558b Abs. 1 BGB den erhöh­ten Miet­zins für die Zeit ab dem drit­ten auf das Erhö­hungs­ver­lan­gen des Ver­mie­ters fol­gen­den Kalen­der­mo­nat schul­det 1.

Miet­erhö­hungs­ver­lan­gen und das unvoll­stän­di­ge Zustim­mungs­ur­teil

Der Umstand, dass im Tenor des Zustim­mungs­ur­teils der Monat, ab dem die erhöh­te Mie­te geschul­det ist, nicht genannt ist, recht­fer­tigt kei­ne ande­re Beur­tei­lung und führt nicht dazu, dass die erhöh­te Mie­te erst ab Rechts­kraft des Zustim­mungs­ur­teils geschul­det wäre 2. Denn zur Ermitt­lung des Inhalts der inso­weit aus­le­gungs­be­dürf­ti­gen Urteils­for­mel sind Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­de, ins­be­son­de­re auch der dort in Bezug genom­me­ne Par­tei­vor­trag im Pro­zess samt Antrag her­an­zu­zie­hen 3. Aus dem Tat­be­stand und den Ent­schei­dungs­grün­den des Urteils vom 7. Mai 2007 ergibt sich zwei­fels­frei, dass die Klä­ge­rin im Vor­pro­zess die Zustim­mung zu ihrem Erhö­hungs­ver­lan­gen vom 29.August 2005 begehrt hat, in dem sie eine Erhö­hung der Mie­te ab Novem­ber 2005 gefor­dert hat­te, und dass das Amts­ge­richt die­sem Begeh­ren – mit Abstri­chen ledig­lich hin­sicht­lich der Höhe der ver­lang­ten Mie­te – statt­ge­ge­ben hat.

Dass die Klä­ge­rin im Kla­ge­an­trag des Vor­pro­zes­ses kei­nen Zeit­punkt ange­ge­ben hat, ab dem die Miet­erhö­hung geschul­det sein soll­te, ist eben­falls unschäd­lich. Denn die­ser Zeit­punkt ergab sich aus ihrem Erhö­hungs­ver­lan­gen vom 29. August 2005, dem das Urteil vom 7. Mai 2007 – von einer betrags­mä­ßi­gen Redu­zie­rung der ver­lang­ten Mie­te abge­se­hen – ent­spro­chen hat, und ergä­be sich im Übri­gen, wenn im Erhö­hungs­ver­lan­gen kein Zeit­punkt genannt wäre, aus dem Gesetz (§ 558b Abs. 1 BGB).

Zwar ist der Ver­mie­ter nicht gehin­dert, eine Miet­erhö­hung erst mit Wir­kung zu einem spä­te­ren als dem in § 558b BGB bestimm­ten Zeit­punkt gel­tend zu machen 4. Ein sol­cher Fall liegt hier jedoch nicht vor. Denn die Klä­ge­rin hat, wie aus­ge­führt, in ihrem Erhö­hungs­ver­lan­gen in Über­ein­stim­mung mit § 558b Abs. 1 BGB die Zustim­mung der Beklag­ten zu einer Erhö­hung der Mie­te ab Novem­ber 2005 und nicht erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt gefor­dert. Inso­weit ist der Klä­ge­rin das zuge­spro­chen wor­den, was sie bean­tragt hat, so dass – wovon das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­geht – kein Ver­stoß gegen § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO vor­liegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Juni 2011 – VIII ZR 204/​10

  1. BGH, Urteil vom 04.05.2005 – VIII ZR 94/​04, NJW 2005, 2310[]
  2. aA SchmidtFutterer/​Börstinghaus, Miet­recht, 10. Aufl., § 558b BGB Rn. 72[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 27.02.1961 – III ZR 16/​60, BGHZ 34, 337, 339[]
  4. Münch­Komm-BGB/Artz, 5. Aufl., § 558b Rn. 8 und 16; Bamberger/​Roth/​Ehlert, BGB, 2. Aufl., § 558b Rn. 15; Müller/​Walther/​Schneider, Miet- und Pacht­recht, Band 1, Stand Juli 2009, § 558b Rn. 108[]